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VW-Machtkampf hinterlässt Spuren: Ferdinand Piëch schweigt

VW-Machtkampf hinterlässt Spuren  

Ferdinand Piëch schweigt seit dem Krisengipfel

19.04.2015, 17:40 Uhr | Max-Morten Borgmann, dpa

VW-Machtkampf hinterlässt Spuren: Ferdinand Piëch schweigt. Offene Demontage, Machtkampf, Krisengipfel - die vergangene Woche war für Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch der Ausnahmezustand. (Quelle: dpa)

Welchen Pfeil hat Ferdinand Piëch noch im Köcher? (Quelle: dpa)

Offene Demontage, Machtkampf, Krisengipfel - die vergangene Woche war selbst für einen stresserprobten Manager wie VW-Chef Martin Winterkorn der Ausnahmezustand. Zehrte ihn der Nervenkrieg trotz des für ihn günstigen Ausgangs so sehr aus, dass er einen großen Termin im wichtigsten VW-Markt China absagen musste? Ein "grippaler Infekt", so die offizielle Formulierung aus Wolfsburg, hinderte den 67-Jährigen daran, am Sonntag zur Automesse nach Shanghai zu fliegen.

Damit entzog sich Winterkorn auf jeden Fall auch einer ganzen Reihe potenziell unangenehmer Fragen, die wohl am Vorabend der Messe bei der "Volkswagen Group Night" mit ihren rund 1500 Gästen auf ihn eingeprasselt wären.

Viele Fragen offen

Wie ist es nach der Machtprobe um das Verhältnis zum Konzern-Patriarchen Ferdinand Piëch, seinem beruflichen Ziehvater, bestellt? Wie kann ein Konzernchef erfolgreich arbeiten, wenn er zumindest dem Anschein nach nicht das volle Vertrauen des obersten Aufsichtsrats hat? Und wie sieht Piëchs Position nach dem gescheiterten Putschversuch aus?

Obwohl der innerste Kern des VW-Aufsichtsrats Winterkorn am Freitag deutlich den Rücken stärkte und seinen Vertrag sogar über 2016 hinaus verlängern will, bleiben solche Fragen. Der eine Woche dauernde Machtkampf löst sich nicht einfach in Luft auf. Ein Grund: Piëch, der den Konflikt mit seiner öffentlichen Winterkorn-Kritik heraufbeschworen hatte, schweigt seit dem Krisengipfel vom Donnerstag in Salzburg. So herrscht Rätselraten, was der Grund für seinen öffentlichen Bruch mit Winterkorn war - und ob dieser Bruch überwunden ist.

Piëch wirkte "wenig überzeugend"

Dafür sprechen andere. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte der Patriarch während des Treffens alle übrigen fünf Mitglieder des sechsköpfigen Aufsichtsrats-Präsidiums gegen sich. Auch seinen Cousin Wolfgang Porsche. Außerdem habe Piëchs Argumentation gegen Winterkorn "wenig überzeugend" gewirkt. Die Atmosphäre in Salzburg sei während des Treffens nicht nur frostig gewesen, sondern Piëch habe sich auch inhaltlich schlicht nicht durchsetzen können.

Dabei sei ein Teil des Präsidiums angesichts der offenen Dauerbaustellen im Konzern "durchaus auch relativ ergebnisoffen" nach Österreich gereist, erfuhr die dpa. Piëchs Auftritt sei dann aber unter dem Strich so wenig überzeugend ausgefallen, dass "es teilweise wirkte, als stünde es sogar 6:0 für Winterkorn".

Vermeintlicher Verlierer ist nicht zu unterschätzen

Allerdings berichten die Quellen auch übereinstimmend, Piëch sei nach wie vor nicht zu unterschätzen. Sein Netzwerk im Konzern sei mächtig und er wirke nach wie vor allgegenwärtig. Spekulationen über seine Gesundheit seien völlig fehl am Platz. Das werde sich Anfang Mai zur Hauptversammlung in Hannover zeigen. Piëch leitet als Aufsichtsratschef stets das Aktionärstreffen.

Nachdem sich zentrale Aufsichtsräte zunächst hinter Winterkorn gestellt hatten, springen sie nun Piëch zur Seite, um Berichten über einen möglichen vorzeitigen Abgang des Chefkontrolleurs eine Absage zu erteilen. Sowohl Volkswagens oberster Betriebsrat Bernd Osterloh, als auch der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber sprachen sich öffentlich gegen solchen Spekulationen aus. Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Landesregierung um Ministerpräsident Stefan Weil (SPD). Piëchs Mandat an der Spitze des Aufsichtsrat läuft noch bis ins Frühjahr 2017. Als designierter Nachfolger des 78-Jährigen galt lange Winterkorn - doch seit dem Bruch zwischen beiden scheint nichts mehr sicher.

Wann wird Ruhe einkehren?

So könnte es noch zwei Wochen bis Hauptversammlung dauern, bis die Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat Rede und Antwort stehen, um mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Einen kleinen, etwas widerwilligen Einblick in die VW-Gefühlswelt gab China-Chef Jochem Heizmann in Shanghai: "Natürlich wäre es falsch zu sagen, dass es keine Unruhe schafft und es business as usual ist", sagte er auf wiederholtes Nachfragen. "Aber das Richtige und Nötige ist getan worden. Es gibt eine klare Aussage des Aufsichtsrates und ich denke, damit wird wieder Ruhe einkehren." Die Frage ist nur: wann?

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