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Deutsche-Bank-Chef Fitschen vor Gericht: Es steht viel auf dem Spiel

Es steht viel auf dem Spiel  

Deutsche-Bank-Chef Fitschen drohen ungemütliche Wochen

29.04.2015, 11:40 Uhr | AFP, dpa, rtr

Deutsche-Bank-Chef Fitschen vor Gericht: Es steht viel auf dem Spiel. Jürgen Fitschen: Der Deutsche-Bank-Chef steht wegen Prozessbetrugs ab Dienstag vor Gericht. (Quelle: dpa)

Jürgen Fitschen: Der Deutsche-Bank-Chef steht wegen Prozessbetrugs ab Dienstag vor Gericht. (Quelle: dpa)

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, sowie vier ehemalige Top-Manager treffen sich am Dienstag vor dem Landgericht München. Sie sollen im Kirch-Prozess gelogen haben. Jetzt muss Fitschen sich gegen eine drohende Verurteilung und einen damit wohl verbundenen Verlust seines Jobs wehren.

Wenn Jürgen Fitschen am Dienstag auf der Anklagebank im Münchner Gerichtssaal B 273 Platz nimmt, steht für ihn sehr viel auf dem Spiel: seine Reputation, seine Karriere als Co-Chef der Deutschen Bank und als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, womöglich seine Freiheit. Bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen dem 66-Jährigen, falls sich der Vorwurf der Anklage erhärtet - versuchter schwerer Betrug im jahrelangen Rechtsstreit mit Medienmogul Leo Kirch.

Der Prozess vor dem Landgericht München ist nicht nur für Fitschen bedrohlich. Für Deutschlands führendes Geldhaus kommt er zur Unzeit. Denn das Institut steht vor einem großen Umbau und braucht die komplette Führungsmannschaft in Frankfurt. Die Postbank soll aus dem Konzern wieder herausgelöst, die Investmentbank verkleinert werden. Doch wenn es an die Umsetzung geht, wird Fitschen einmal pro Woche sein Büro mit dem Gerichtssaal tauschen. Bis September sind vorerst 16 Verhandlungstage angesetzt. Ob das reicht, ist offen.

"Ich war ja aufrichtig"

Fitschen weist die Vorwürfe zurück und will kämpfen. "Ich war ja aufrichtig", sagte er dem Magazin "Stern". "Es wird jetzt eben ein bisschen ungemütlich." Einen Deal mit der Staatsanwaltschaft, bei dem er möglicherweise mit einer Geldbuße davongekommen wäre, schlug er aus. An Fitschens Seite steht Hanns Feigen, einer von Deutschlands renommiertesten Strafverteidigern, der schon den früheren FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß vertreten hat. Ins Gefängnis musste Hoeneß wegen Steuerhinterziehung trotzdem.

Obwohl sich das Gericht auf einen Verhandlungstag pro Woche beschränkt, strapaziert das Verfahren Fitschens Terminkalender. Am Tag vor dem Prozessauftakt steht die Pressekonferenz an, auf der die neue Strategie im Detail vorgestellt werden soll. Zudem brodeln weltweit noch viele andere Rechtsstreitigkeiten, auch nachdem die Bank mit einem milliardenschweren Vergleich im Zinsskandal die größte Altlast abgeräumt hat.

Kann das gutgehen?

Im Aufsichtsrat wird schon debattiert, ob das überhaupt gut gehen kann, wie Insider berichten. Kann sich einer der beiden Bankchefs in solch turbulenten Zeiten regelmäßig ausklinken? Chefkontrolleur Paul Achleitner steht noch fest zu Fitschen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Auch die Finanzaufseher haben - bislang - keine Bedenken. Allerdings ist offensichtlich: Die Politik geht auf Distanz. Als der Bankenverband mit Fitschen unlängst in Berlin Hof hielt, blieben hochkarätige Gäste aus dem Finanzministerium oder der Koalition fern. Die Bank verweist auf die Unschuldsvermutung, die für Angeklagte gilt.

Neben Fitschen müssen sich seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstandsmitglieder verantworten. Noch nie war ein Dax-Konzern so prominent auf der Anklagebank vertreten. Sie alle sollen das Münchner Oberlandesgericht belogen haben, um Kirchs Schadenersatzforderungen ins Leere laufen zu lassen. Ackermann stand bereits vor elf Jahren im Mannesmann-Prozess unter Anklage. Seine Victory-Geste im Gericht gilt Kritikern bis heute als Sinnbild für überhebliche Banker. Breuer saß in München schon einmal wegen Betrugsvorwürfen im Kirch-Streit vor Gericht. Beide Prozesse wurden gegen Geldauflagen eingestellt.

Richter ist kein Unbekannter

Prominenz auch auf der Richterbank: Der Vorsitzende der fünften Strafkammer, Peter Noll, führte die spektakulären Korruptionsprozesse gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und den früheren BayernLB -Vorstand Gerhard Gribkowsky wegen ihrer Absprachen beim Besitzerwechsel der Motorsportserie.

Kirch, der 2011 starb, hatte der Deutschen Bank die Schuld an der Pleite seiner Mediengruppe gegeben, nachdem Breuer öffentlich Zweifel an seiner Kreditwürdigkeit gesät hatte. Aus Kirchs Sicht wollte die Bank an der Zerschlagung des Imperiums verdienen. Die Banker wiesen diese Darstellung zurück. Doch der damalige Richter Guido Kotschy warf ihnen unwahre Angaben vor, rief damit die Staatsanwaltschaft auf den Plan und verurteilte das Institut zu Schadenersatz.

Bevor Kotschy ein zweites Urteil über die Summe fällte, einigte sich die Bank mit Kirchs Erben und zahlte ihnen 925 Millionen Euro. Kotschy ist nun ein wichtiger Zeuge, ebenso wie Staatsanwältin Christiane Serini. Sie ließ zweimal die Konzernzentrale der Deutschen Bank durchsuchen und hat weitere Manager im Visier. Diese Ermittlungen dauern an.

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