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Deutsche Bank leidet unter Prozess gegen Top-Manager

Überheblich und ignorant  

Prozess gegen Top-Manager wirft tiefe Schatten auf Deutsche Bank

28.04.2015, 16:23 Uhr | t-online.de, dpa, rtr

Deutsche Bank leidet unter Prozess gegen Top-Manager. Das Image der Deutschen Bank hat durch verschiedene Skandale gelitten, der Prozess gegen Top-Manager belastet zusätzlich. (Quelle: imago/ Peters)

Das Image der Deutschen Bank hat durch verschiedene Skandale gelitten, der Prozess gegen Top-Manager belastet zusätzlich. (Quelle: imago/ Peters)

In München hat der Prozess gegen fünf amtierende und ehemalige Spitzenmanager der Deutschen Bank begonnen. Es geht um versuchten Prozessbetrug. Den Angeklagten drohen im Fall einer Verurteilung zwischen zwölf Monaten und zehn Jahren Haft. Doch auch das Renommee von Europas größter Bank steht auf dem Spiel. Auf jeden Fall leidet das ohnehin angeschlagene Image des Geldhauses.

Unter großem Medienandrang erschienen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, seine beiden Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere frühere Top-Manager der Deutschen Bank am Vormittag im Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Prozessbetrug im Verfahren um Schadenersatz für die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch vor.

Vorwurf: Falsche Aussagen abgesprochen

Kirch, der 2011 starb, hatte die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seines Medienimperiums 2002 verantwortlich gemacht. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Breuer hatte in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Kirch verklagte die Bank auf zwei Milliarden Euro. Kernfrage in dem Schadenersatzprozess war, ob Breuer mit dem Interview beabsichtigte, der Bank lukrative Aufträge zur Zerschlagung der Mediengruppe zu verschaffen.

Im Februar 2014 wurde der Schadenersatzstreit zwar mit einem teuren Vergleich beigelegt: Die Deutsche Bank zahlte 925 Millionen Euro an die Kirch-Erben, die ihre Klagen zurücknahmen.

Anschließend ermittelte die Staatsanwaltschaft auf versuchten Prozessbetrug. Die Banker sollen sich abgesprochen haben, um durch falsche Angaben vor Gericht Schadenersatzzahlungen abzuwehren. Die Anklageschrift umfasst 627 Seiten. Alle Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

"Der Schaden für die Bank ist gewaltig"

Der Prozess vor dem Landgericht München ist für Deutschlands führendes Geldhaus bedrohlich, kommt er doch zur Unzeit. Denn das Institut steht vor einem großen Umbau und braucht seinen Chef zur Umsetzung der neuen Strategie. Doch Jürgen Fitschen wird nun einmal pro Woche sein Büro mit dem Gerichtssaal tauschen. Bis Ende September sind vorerst 16 Verhandlungstage angesetzt. Ob das reicht, ist offen.

"Der Schaden für die Bank ist gewaltig", sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft, im Deutschlandfunk. Die Aufräumarbeiten seien möglicherweise nicht konsequent genug verfolgt worden.

"Das passiert in großer Öffentlichkeit, der Vorwurf ist extrem gravierend", meinte Burghof. Als Kunde könne man sich nicht sicher fühlen, wenn sich die Deutsche Bank gewöhnlich so verhalten würde.

Libor-Skandal ein "Gaunerstück"

Auch der aktuelle Co-Vorsitzende Anshu Jain steht unter Druck - die Skandale um Libor und CO²-Zertifikate fallen in seinen Bereich. "Die Frage ist, ob bei der Aufarbeitung dieser Altlast immer mit hinreichender Konsequenz vorgegangen wurde", so Burghof. Der Libor-Skandal beispielsweise sei ein "Gaunerstück" gewesen.

Erst in der vergangenen Woche erklärte sich das Unternehmen bereit, für die Manipulation der Referenzsätze Libor und Euribor fast 2,3 Milliarden Euro Strafe an die Finanzaufsichtsbehörden der USA und Großbritanniens zu zahlen.

Fehler im System Deutsche Bank

Doch von Reue keine Spur. Das Fehlverhalten der Großbank sei systemisch und allgegenwärtig, wurde von den Aufsichtsbehörden kritisiert. Von "Gier-Kultur" und "krimineller Energie" schrieb die Zürcher "NZZ", die britische FCA bemängelte eine "Kultur der Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die Integrität der Märkte".

Die Behörden beklagten zudem den fehlenden Kooperationswillen und die Verzögerungstaktik der Bank. Sie soll wiederholt getäuscht und wichtige Dokumente zurückgehalten haben. Die "Wirtschaftswoche" sieht nicht nur die Top-Manager in der Kritik, sie bemängelt Fehler im System. Überheblichkeit, Ignoranz und Missachtung von Regeln hätten letztlich mit dazu beigetragen, dass der Bank das Thema Kirch entglitten sei.

Eigenes Rechtsverständnis

Gerichtstermine seien für einen echten Top-Manager der Deutschen Bank vor allem lästige Zeitverschwendung, schreibt die "WiWo". Die Deutschbanker folgen eher eigenen Notwendigkeiten, die allein entscheiden, was richtig und was falsch ist. Wer das anzweifele, verstehe nichts vom Geschäft oder sei schlicht fehlgeleitet.

Die Loyalität zum Kunden der Bank halte nur so lange, bis sich ohne sie mehr verdienen lässt. So verkaufte die Deutsche Bank noch 2007 auf US-Immobilienkrediten basierende Wertpapiere an Kunden, während sie selbst längst mit dem Zusammenbruch des Marktes rechnete. Und sie drehte Kommunen und Mittelständlern angeblich sichere Finanzinstrumente an.

Kein Interesse an Kleinsparern

Vorstandschef Fitschen behauptete am Montag bei der Vorstellung der neuen Strategie des Geldhauses: Die Deutsche Bank stellt auch weiterhin den Kunden in den Mittelpunkt. Doch die Bank macht ebenso keinen Hehl daraus, dass sie an Kleinsparern wenig Interesse hat: Konzentrieren wolle sie sich künftig auf "investmentorientierte Finanzlösungen für anspruchsvolle Kunden". Das dürfte für Normalkunden nicht gerade einladend wirken.

"Das fatale Selbstbewusstsein der Deutschbanker fußt im Glauben an die Beherrschbarkeit von Risiken", schreibt die "WiWo" weiter. Kirch haben die Manager über Jahre unterschätzt, die Bank glaubte sich sicher. Die juristische Wende in München traf sie erst unvorbereitet, und als sie absehbar war, taktierte das Institut zögerlich.

Im neuen Prozess werde sich zeigen, ob die Überheblichkeit des Bankenprimus weitere Nackenschläge verkraften kann. Der Co-Chef Fitschen auf der Anklagebank lässt jedenfalls tiefe Schatten auf den Konzern fallen, die ihm das Überleben in der hart umkämpften Branche erschweren werden.

Die Aktionäre verlieren offenbar bereits den Glauben an die Zukunft: Die Deutsche-Bank-Aktie rutscht am Dienstag weiter deutlich ab.

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