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Andrea Nahles will nicht am "starren" Acht-Stunden-Tag rütteln

Im Clinch mit der Arbeitsministerin  

Arbeitgeber wollen "starren" Acht-Stunden-Tag kippen

23.07.2015, 14:58 Uhr | rtr, t-online.de, AFP

Andrea Nahles will nicht am "starren" Acht-Stunden-Tag rütteln. Ein Großraumbüro in Deutschland: Wie viel Arbeit ist genug? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Großraumbüro in Deutschland: Wie viel Arbeit ist genug? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer erreichbar sein, immer am Ball bleiben - für viele Arbeitnehmer ist der Arbeitstag nach acht Stunden keineswegs zu Ende. Arbeitgeber fordern jetzt von der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Tag ganz aus dem Arbeitszeitgesetz zu streichen. Das geht aus einem Positionspapier der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hervor, aus dem die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" zitierte.

"Um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden, sollte das Arbeitszeitgesetz von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden", heißt es da.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erteilte der Forderung umgehend eine Absage: "Änderungen sind an der Stelle nicht geplant", sagte ein Sprecher.

Das Ministerium wies zugleich die Darstellung der "Rheinischen Post" zurück, Nahles wolle das Arbeitszeitgesetz bereits 2016 an die Veränderungen in der Arbeitswelt als Folge der fortschreitenden Digitalisierung anpassen. Das hatte sie dem Blatt zufolge angekündigt.

E-Mails, Anrufe, Online-Meetings

Das Arbeitszeitgesetz von 1994 begrenzt die zulässige werktägliche Arbeitszeit auf acht Stunden. Die Ausdehnung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn der Acht-Stunden-Tag langfristig eingehalten wird. Das bedeutet: Da der Samstag als Werktag gilt, sind 48 Wochenstunden möglich.

Fakt ist aber: Viele Angestellte beantworten nach Dienstschluss E-Mails, nehmen Abends oder am Wochenende Telefonanrufe entgegen, gehen zu Hause Dokumente durch, bereiten sich auf Meetings am kommenden Tag vor oder nehmen online von zu Hause aus daran teil.

Der Präsident des Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, sagte der Zeitung, flexible Arbeitszeiten gewännen "angesichts von Digitalisierung und der Notwendigkeit zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer mehr an Bedeutung". Die "starren" Arbeitszeitregelungen hierzulande minderten diese Flexibilität. "Daher wäre es wichtig, die gesetzlichen Regelungen an die aktuelle Entwicklung anzupassen", sagte Schweitzer.

"Der gesetzliche Korridor passt nicht mehr"

Hans-Peter Klös vom arbeitgebernahen Institut der Wirtschaft, der auch Mitglied des von Nahles ins Leben gerufenen Beraterkreises ist, sagte der Zeitung: "Der gesetzliche Korridor passt nicht mehr in eine Welt, die 24 Stunden am Tag in Echtzeit online unterwegs ist."

Die Flexibilitätsanforderungen der Wirtschaft müssten mit legitimen Schutzansprüchen der Arbeitnehmer in Einklang gebracht werden. "Der Gesetzgeber wird den gesetzlichen Arbeitszeitrahmen lockern müssen." Tarif- und Betriebsparteien müssten mehr selbst regeln.

Neben der Arbeitsministerin weist auch die Gewerkschaft IG Metall den Vorstoß der Arbeitgeber brüsk zurück. "Überall, wo wir Regelungen zum mobilen Arbeiten vereinbart haben, stand das Arbeitszeitgesetz nicht im Wege", sagte der designierte Vorsitzende Jörg Hofmann der "Rheinischen Post". Deshalb sehe er keinen akuten Handlungsbedarf.

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