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Geschönte Firmenberichte: Ex-HRE-Chef Funke muss vor Gericht

Geschönte Firmenberichte  

Ex-HRE-Chef Georg Funke muss vor Gericht

02.01.2017, 18:11 Uhr | dpa

Geschönte Firmenberichte: Ex-HRE-Chef Funke muss vor Gericht. Dem früheren HRE-Chef Georg Funke wird vorgeworfen, die Lage der Bank geschönt zu haben. (Quelle: dpa/Archivbild)

Dem früheren HRE-Chef Georg Funke wird vorgeworfen, die Lage der Bank geschönt zu haben. (Quelle: Archivbild/dpa)

Fast neun Jahre nach der Rettung der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) wird dem ehemaligen Bankchef Georg Funke der Prozess gemacht.

Ab 20. März müssen sich Funke und sein damaliger Finanzvorstand Markus Fell wegen des Vorwurfs geschönter Firmenberichte vor dem Landgericht München I verantworten. Die Wirtschaftsstrafkammer habe 18 Verhandlungstage bis September angesetzt, teilte das Gericht mit.

Die Hypo Real Estate war im Jahr 2008 fast kollabiert und musste mit staatlichen Milliardenhilfen aufgefangen werden, um den Finanzplatz Deutschland nicht zu gefährden. Ein Jahr später wurde die Bank verstaatlicht, inzwischen ist sie aber wieder privatisiert. 

Heikle Lage "bewusst" verschleiert

Die Staatsanwaltschaft wirft Funke und Fell vor, die heikle Lage der Bank in der Jahresbilanz 2007 und im Halbjahresbericht 2008 bewusst falsch dargestellt zu haben. Für "unrichtige Darstellung" sieht das Gesetz bis zu drei Jahren Gefängnis vor.

Darüber hinaus habe Fell auf einer Investorenkonferenz noch im September 2008 fälschlich "den Eindruck einer nach wie vor stabilen Liquiditätslage der HRE-Gruppe" vermittelt. Wenige Tage später musste der Bund die HRE mit 85 Milliarden Euro vor dem Kollaps retten. Fell muss sich deshalb auch wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation verantworten. Sie kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Ob Funke und Fell eine mögliche Gefängnisstrafe befürchten muss, ist fraglich. Das Verfahren gegen sechs weitere Angeschuldigte wurde gegen Zahlung von Geldauflagen zwischen 30.000 und 80.000 Euro eingestellt.

Nach HRE-Abgang nach Mallorca

Funke hatte sich stets gegen den Vorwurf gewehrt, für das HRE-Debakel verantwortlich gewesen zu sein. Viele Sympathien hat er sich bisher nicht verschaffen können. Aktionäre trauern ihrem verlorenen Geld hinterher. Die deutschen Steuerzahler müssen weiter für die in eine "Bad Bank" ausgelagerten Risikopapiere der HRE haften, es stehen noch zig Milliarden im Feuer. Dass Funke nach seinem Rauswurf bei der HRE 2008 auf hohe Nachzahlungen von Gehalt und Pensionszahlungen klagte, erzürnte viele Bürger zusätzlich.

Jahrelang hat der Manager in Mallorca gelebt und auf der Ferieninsel mit Luxusvillen gehandelt. Fröhlich lächelte er von der Homepage seiner Firmenseite und warb mit seiner Erfahrung im Top-Management der Immobilienbranche. Inzwischen ist Funke in die Umgebung von München zurückgekehrt.

Für Aktionäre wichtig

Aktionärsschützer begrüßten den Prozess. "Es hat schon Gewicht, wenn ein weiteres Gericht feststellt, dass Herr Funke unwahr und unvollständig informiert hat", sagte Rechtsanwältin Ines Straubinger von der Kanzlei Bergdolt in München. Die Kanzlei hat mit anderen zusammen die HRE und Funke auf Schadenersatz verklagt und einen Musterprozess vor dem Oberlandesgericht München gewonnen. In letzter Instanz liegt der Fall jetzt beim Bundesgerichtshof.

Der Bund hat die Risikopapiere der notverstaatlichten HRE in eine staatliche "Bad Bad" ausgelagert und die restliche Bank 2015 als Pfandbriefbank PBB an die Börse gebracht. Die "Bad Bank" ist inzwischen mehr als die Hälfte der Papiere im Nennwert von 176 Milliarden Euro losgeworden.

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