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Aussehen am Arbeitsplatz: Darf der Chef einen Bart verbieten?

Vorgaben zu Frisur, Tattoo und Piercing  

Darf der Chef einen Bart verbieten?

15.04.2019, 11:06 Uhr | dpa-tmn

Aussehen am Arbeitsplatz: Darf der Chef einen Bart verbieten?. Arbeit mit Maschinen: Hier kann der Chef das Tragen eines Bartnetzes verlangen. (Quelle: imago images/Rupert Oberhäuser)

Arbeit mit Maschinen: Hier kann der Chef das Tragen eines Bartnetzes verlangen. (Quelle: Rupert Oberhäuser/imago images)

Bart, Tattoo oder Piercing gefallen vielen Angestellten – aber nicht jedem Chef. Ob er dazu aber eine Ansage machen darf oder nicht, hängt unter anderem von der Branche des Unternehmens ab.

Ein gepflegtes Erscheinungsbild und Auftreten – eine Anforderung von Arbeitgebern an Angestellte, die eigentlich jeder nachvollziehen kann. Für einige Chefs gehört dazu jedoch, dass Angestellte glatt rasiert zur Arbeit kommen. Das ist nicht immer nach dem Geschmack der Mitarbeiter. Darf ein Chef verbieten, dass Angestellte Bart tragen?

Vorgaben können Persönlichkeitsrecht verletzen

"Vorgaben zum Aussehen greifen in die freie Entfaltung der Persönlichkeit ein", erklärt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Nürnberg. Das gilt bei Bärten ebenso wie bei Tätowierungen, Frisuren oder Piercings. In solchen Fällen steht im Zweifel das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das im Grundgesetz festgeschrieben ist, dem Interesse des Arbeitgebers gegenüber. "Und die Persönlichkeitsrechte überwiegen in der Regel", sagt der Fachanwalt, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins ist.

Hygiene und Sicherheit gehen vor

Sollte es im Betrieb besondere Hygienevorschriften geben, kann der Arbeitgeber aber zum Beispiel verlangen, dass der Arbeitnehmer ein Bartnetz trägt, erläutert Markowski. Gleiches gilt für Sicherheitsbedenken. Etwa wenn ein Angestellter an Maschinen tätig ist, in denen sich der Bart verfangen kann.

Unter bestimmten Umständen kann ein Arbeitgeber auch von einem Angestellten mit Kundenkontakt ein gewisses Erscheinungsbild erwarten. Allerdings muss er im Streitfall sein berechtigtes Interesse nachweisen können. "In aller Regel sind Vorschriften, die das persönliche Erscheinungsbild betreffen, nicht berechtigt."

Zudem gilt: "Jede kollektive oder generelle Anweisung, die das Verhalten von Beschäftigten betrifft, vor allem wenn diese Persönlichkeitsrechte von Angestellten berührt, ist mitbestimmungspflichtig", sagt Markowski. Das heißt: Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, muss dieser einem Verbot zunächst zustimmen. Außerdem muss die Regelung dann in der Betriebsvereinbarung festgeschrieben werden.


Für Beamte gelten strengere Regeln

Nicht zuletzt müsse man unterscheiden, ob ein Bartträger im öffentlichen Dienst oder in einem Beamtenverhältnis angestellt ist. Hier können die Regeln durchaus strenger sein. "Aber selbst da ist es für Arbeitgeber nicht so einfach, Vorgaben zu machen, die das Persönlichkeitsrecht des Einzelnen einschränken", sagt Markowski.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa/tmn

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