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DGB-Studie: Halber Lohn für Leiharbeiter

DGB-Studie: Jeder achte Leiharbeiter braucht Hartz IV

07.02.2011, 11:34 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

DGB-Studie: Halber Lohn für Leiharbeiter. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stieg auch die Zahl der Zeitarbeiter (Foto: imago)

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stieg auch die Zahl der Zeitarbeiter (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Zeitarbeiter mit einem Vollzeitjob verdienen einer Studie zufolge im Schnitt nur etwa halb so viel wie Vollzeitbeschäftigte. Jeder Achte benötigt zusätzlich staatliche Hilfe, weil sein Verdienst zu niedrig ist. Gleichzeitig werden die Einkommensabstände zwischen Leiharbeitern und normalen Arbeitskräften immer größer. Dies geht aus einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.

Demnach kommt lediglich eine kleine Minderheit der Leiharbeiter auf monatlich mehr als 2000 Euro brutto. In der gesamten Wirtschaft gelte dies dagegen für gut 70 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Nach der Studie erhielten Arbeitskräfte in der Verleihbranche, die in den alten Bundesländern tätig waren, 2009 durchschnittlich monatlich 1456 Euro brutto, und das einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. In Ostdeutschland, wo die Löhne insgesamt etwas geringer sind, betrug der Verdienst nur 1124 Euro.

Hohe Zahl von Aufstockern

Mehr als zehn Prozent der Leiharbeiter im Westen und gut zwanzig Prozent im Osten verdienen laut Studie sogar weniger als 1000 Euro brutto im Monat, obwohl sie Vollzeit arbeiten. Mitte vergangenen Jahres waren deshalb rund 92.000 Leiharbeitskräfte auf zusätzliche Hartz-IV-Leistungen angewiesen, wie aus der DGB-Studie weiter hervorgeht. Der Anteil der Beschäftigten, die staatliche Hilfe brauchen, stieg zudem deutlich an. Von Mitte 2009 bis Mitte 2010 erhöhte sich laut DGB die Zahl der auf Hartz IV angewiesenen Leiharbeitskräfte um 35.000 oder 60 Prozent. Das Verarmungsrisiko der Leiharbeiter sei damit vier bis fünf Mal größer als in der Gesamtwirtschaft, heißt es in der Untersuchung des DGB-Arbeitsmarktexperten Wilhelm Adamy.

Für seine Untersuchung hat Adamy die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) ausgewertet. Grundlage sind die Lohnangaben von fast 500.000 vollzeitbeschäftigten Mitarbeitern in der Branche. In Deutschland gibt es derzeit mehr als 900.000 Leiharbeiter, über dessen Bezahlung zurzeit heftig gestritten wird. SPD und Gewerkschaften fordern unter dem Stichwort "Equal Pay" eine Gleichbehandlung von Leiharbeitnehmern und fest bei Unternehmen eingestellten Mitarbeitern ab dem ersten Tag. Union und FDP wollen die Equal-Pay-Regel dagegen erst nach neun Monaten zulassen.

Streit spitzt sich zu

Gegen diesen Vorschlag laufen die Arbeitgeber Sturm. Eine Regelung zur gleichen Bezahlung von Zeitarbeitern hätte aus ihrer Sicht der Arbeitgeber dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt. Sie würde Beschäftigungschancen vernichten, erklärte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther in der vergangenen Woche. "Mit der Öffnung des Arbeitsmarktes durch die Zeitarbeit haben wir es erstmals geschafft, wieder Menschen in Arbeit zu integrieren, die vorher draußen standen", wird Hüther von der "Welt am Sonntag" zitiert. Gegenüber dem Blatt sprach der Ökonom von einer "dramatischen Rolle rückwärts". Ähnlich skeptisch äußerten sich auch Unionspolitiker und der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen.

Die Fronten sind verhärtet und der Streit droht langsam zu eskalieren. Am Wochenende ließ IG-Metall-Chef Berthold Huber über die "Süddeutsche Zeitung" verlauten, er werde keine flexiblen Tarifmodelle für Entlohnung oder Arbeitszeiten mehr vereinbaren, wenn die Arbeitgeber diese Regelungen zum Beispiel durch Leiharbeit weiter unterlaufen". Der Ankündigung vorausgegangen war die lapidare Ankündigung von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, "die großen Unternehmen würden Wege finden, um durch Auswechseln der Zeitarbeitnehmer mit dem Problem fertig zu werden". Eine Lösung soll nun bei den Verhandlungen zwischen Koalition und Opposition erzielt werden, die gerade über die Hartz-IV-Sätze beraten. Einigkeit zeichnet sich hier jedoch bisher nicht ab.

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