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Starke Lohneinbußen bei Geringverdienern

Löhne der Geringverdiener gehen stark zurück

19.07.2011, 12:17 Uhr | oca, dpa, dpa

Starke Lohneinbußen bei Geringverdienern. Der Aufschwung in Deutschland bringt Geringverdienern nichts ein (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Der Aufschwung in Deutschland bringt Geringverdienern nichts ein (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Die deutsche Wirtschaft wächst mehr als von Experten erwartet. Bärenstark zeigt sich auch der Aufschwung am Arbeitsmarkt. Dagegen sind die realen Nettolöhne von Geringverdienern seit der Jahrtausendwende stark gesunken. Bei Beschäftigten in den unteren Einkommensgruppen hätten die Einbußen 16 bis 22 Prozent betragen, berichtete die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Im Durchschnitt aller Beschäftigten seien die Nettogehälter zwischen 2000 und 2010 preisbereinigt hingegen um 2,5 Prozent zurückgegangen. Das geht den Angaben zufolge aus neuen Umfrageergebnissen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor.

Demnach habe sich das Einkommen eines Geringverdieners mit 835 Euro Nettolohn im Monat in zehn Jahren um 130 Euro auf 705 Euro verringert. Das Gehalt eines Beschäftigten mit 3419 Euro netto im Monat habe dagegen im gleichen Zeitraum um 27 Euro zugenommen. Damit klafft die Lohnschere in Deutschland weiter auseinander.

Wachstum kommt nicht an

"Die Wirtschaft ist seit der Jahrtausendwende ordentlich gewachsen", sagte DIW-Verteilungsforscher Markus Grabka der Zeitung. Die Gewinne und Vermögenseinkommen seien "insgesamt sogar kräftig gestiegen". Doch bei den meisten Erwerbstätigen sei vom Wirtschaftswachstum nichts angekommen.

Wirtschaftsweiser wirft Bundesregierung Untätigkeit vor

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. "Es gibt Möglichkeiten, die Löhne zu stabilisieren. Doch die Politik interessiert sich nicht dafür", sagte er der "Berliner Zeitung". Bofinger plädierte dafür, Arbeitnehmer bei den Sozialabgaben zu entlasten. So sollten die Arbeitgeber künftig wieder die Hälfte der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung übernehmen. "Eine solche Rückkehr zur Parität würde den Staat keinen Cent kosten", betonte der Professor an der Universität Würzburg.

Arbeitsmarktexperten für Mindestlöhne

Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit sprach sich für einen Mindestlohn aus. Im Niedriglohnsektor gebe es inzwischen Auswüchse, "die man beschäftigungspolitisch nicht rechtfertigen kann", erklärte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller.

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hatte sich kürzlich für Mindestlöhne in Deutschland ausgesprochen. "Eine Sicherung nach unten ist richtig", sagte er "Zeit Online". Als Grund nannte Weise die zunehmende Unsicherheit am Arbeitsmarkt: "Die Auftragseingänge werden stärker schwanken, es wird schneller entlassen und eingestellt." Jeder zweite Job beginne inzwischen mit einem befristeten Vertrag. "Wenn man will, dass diese Menschen eine Familie gründen und etwas mehr Sicherheit genießen, kann eine Linie nach unten sinnvoll sein."

Regierung lehnt gesetzlichen Mindestlohn ab

Die schwarz-gelbe Bundesregierung lehnt einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn bislang ab. Der Arbeitnehmerflügel der Union will die Partei aber zu einem Kurswechsel bewegen und setzt sich für einen Mindestlohn ein, dessen Niveau von Arbeitgebern und Gewerkschaften festgelegt werden soll.

Entwicklung der Nettoeinkommen (in Preisen von 2005)

Einkommensdezile*

2000

2010

Differenz in Euro

1.

270

211

-59

2.

520

435

-85

3.

835

705

-130

4.

1073

963

-110

5.

1258

1193

-65

6.

1421

1412

-9

7.

1601

1609

8

8.

1841

1836

-5

9.

2219

2215

-4

10.

3419

3446

27

Durchschnitt

1429

1394

-36

Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
* Einkommenszehntel. Das erste Dezil entspricht den untersten zehn Prozent, das zehnte Dezil den obersten zehn Prozent der Einkommen.

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