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Lohndumping: Immer mehr Arbeitnehmer per Werkvertrag beschäftigt

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Gewerkschaft NGG beklagt "moderne Sklaverei"

02.04.2012, 14:57 Uhr | t-online.de, AFP

Lohndumping: Immer mehr Arbeitnehmer per Werkvertrag beschäftigt. In Molkereien werden viele Mitarbeiter über Werkverträge angestellt (Quelle: dapd)

In Molkereien werden viele Mitarbeiter über Werkverträge angestellt (Quelle: dapd)

Lohndumping in deutschen Unternehmen: Immer mehr Arbeitskräfte in der Ernährungsindustrie sind per Werkvertrag angestellt und bekommen im Schnitt fast sechs Euro weniger als die Stammbelegschaft. Werkverträge verdrängen dabei zunehmend Leiharbeit-Verträge, wie eine veröffentlichte Umfrage der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) unter Betriebsräten zeigt. Das "neue Modell der Ausbeutung von Arbeitnehmern" sei längst etabliert.

Etabliertes Modell

Demnach sind in der Branche bereits 57 Prozent der Arbeitnehmer, die nicht zur Stammbelegschaft gehören, per Werkvertrag bei einer Drittfirma beschäftigt. 2010 waren es demnach noch 47 Prozent. "Das neue Modell der Ausbeutung von Arbeitnehmern ist längst etabliert", erklärte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Claus-Harald Güster.

Im Gastgewerbe sei mittlerweile jeder zweite Arbeitsplatz ein Minijob. Daher forderte Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft, in einer Pressemitteilung, dass der Billigzyklus von Hungerlöhnen, Leiharbeit und Minijobs durchbrochen werden müsse. "Prekäre Arbeit ist kein Zukunftsmodell. Wir brauchen eine neue Ordnung der Arbeit. Dazu gehört die Eindämmung und bessere Kontrolle von Leiharbeit und Werkverträgen sowie die Zurückdrängung der Minijobs. Nur existenzsichernde Arbeitsverhältnisse können ein stabiler Faktor für einen nachhaltigen Aufschwung und Ausweg aus der Krise sein."

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Werkverträge ersetzen Leiharbeit

Die NGG sieht als Grund die stärkere Regulierung der Leiharbeit. Die Bundesregierung hatte den Missbrauch von Leiharbeit eingeschränkt und auch eine Lohnuntergrenze für Leiharbeit eingeführt. Werkverträge seien daher "das neue Geschäftsmodell, um Menschen noch billiger in unsichere Jobs an den Rand der Belegschaften zu drängen", so Güster.

Laut der Umfrage bekommen Werkvertrag-Arbeitnehmer im Schnitt 5,84 Euro weniger pro Stunde als ein vergleichbarer Stammarbeitnehmer. Leiharbeitnehmer verdienen demnach im Schnitt 5,06 Euro weniger. Werkvertrag-Arbeiter verdienten also im Schnitt rund 80 Cent weniger in der Stunde als Leiharbeitnehmer. Die NGG zitierte einzelne Betriebsräte mit Sätzen wie: "Das ist moderne Sklaverei" oder "Das Unternehmen will die Stammbelegschaft komplett ersetzen: Werkvertrag-Arbeitnehmer sind einfach viel billiger".

Niedriglohn bringt Wettbewerbsvorteile

Die Industrie erziele durch dieses Lohnsystem einen hohen Umsatz. So sei deutsches Billigfleisch als Exportschlager in die Europäische Union nur mit deutschen Billiglöhnen möglich, weil deutsche Fleischunternehmen mit Dumpinglöhnen und Werkverträgen Wettbewerbsvorteile erzielten. "Teile von tariflich gebundenen Stammbelegschaften werden durch Werkverträge ersetzt, wie das jüngste Beispiel der Firma Höll in Saarbrücken zeigt. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges namens Billigzyklus. Die Zunahme der Werkverträge wächst ungebremst, nachdem der Leiharbeit erste tarifliche Zügel angelegt werden konnten", erklärte Möllenberg.

Für Werkverträge gibt es keine Meldepflicht, wie die NGG erklärte. Deshalb gebe es auch keine Daten darüber, dass Werkverträge nicht nur in der Lebensmittelwirtschaft, sondern in allen Branchen der Industrie zugenommen hätten. Die NGG befragte daher von Anfang Januar bis Ende Februar fast 400 Betriebsräte, die rund 90.000 Beschäftigte in Brauereien, Molkereien, Bäckereien oder Brotfabriken repräsentieren und damit rund ein Sechstel aller in der Branche Beschäftigten.

Überwiegend Arbeitskräfte aus Osteuropa

Die Umfrage ergab, dass vor allem in Brauereien und bei Herstellern von Erfrischungsgetränken bereits mehr Werkvertrag-Arbeiter als Leiharbeiter eingesetzt werden. Sie übernehmen verstärkt Helfertätigkeiten wie das Sortieren von Leergut, Stapler fahren oder Reinigungsarbeiten. Auch in Molkereien und Bäckereien nehme die Zahl der Werkvertrag-Arbeiter zu. Überwiegend handle es sich um Arbeitskräfte aus Osteuropa, in der Getränkeindustrie vor allem aus Litauen.

Osteuropäische Arbeitnehmer seien eher bereit, für noch weniger Geld und zu noch schlechteren Bedingungen zu arbeiten, erklärte die NGG. Dies verstärke den Druck auf die Arbeitsbedingungen der Stammbelegschaft "um ein Vielfaches".

Forderung nach gesetzlichen Mindestlohn

Die NGG forderte daher den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Er gelte für alle - für Werkvertrag-Arbeitnehmer aus Osteuropa, Leiharbeiter oder die Stammbelegschaft, erklärte die Gewerkschaft. Sie verlangte zudem, die Verbreitung und die Auswirkungen von Werkverträgen umfassend zu erfassen und wissenschaftlich zu untersuchen. Entsprechende Daten müssten von staatlichen Stellen erhoben und zur Verfügung gestellt werden.

Neben einer gerechten Lohnentwicklung würde auch die Binnennachfrage durch einen Mindestlohn von 8,50 Euro in Deutschland gestärkt werden. "Die Erwerbseinkommen würden um 14,5 Milliarden Euro steigen, die Ausgaben des Staates zum 'Aufstocken’ von Hungerlöhnen um mindestens sieben Milliarden Euro sinken. Schätzungsweise fünf Millionen Menschen würden von einem gesetzlichen Mindestlohn profitieren", wie Möllenberg hochrechnet.

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