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Amazon: Erster Streik der Mitarbeiter in Bad Hersfeld und Leipzig

Amazon: Erstmals Streik in Deutschland

14.05.2013, 11:25 Uhr | t-online.de, dpa

Amazon: Erster Streik der Mitarbeiter in Bad Hersfeld und Leipzig. Amazon-Beschäftigte streiken vor dem Logistik-Center in Bad Hersfeld  (Quelle: dpa)

Amazon-Beschäftigte streiken vor dem Logistik-Center in Bad Hersfeld (Quelle: dpa)

Die Mitarbeiter haben ihre Drohungen wahrgemacht: Beim Internet-Versandhändler Amazon wird erstmals in Deutschland gestreikt. Am größten deutschen Standort im osthessischen Bad Hersfeld und in Leipzig sei die Belegschaft am Dienstag zu einer ganztägigen Protestaktion mit Beginn der Frühschicht ab 6 Uhr bis zum Ende der Spätschicht aufgerufen, teilte die Gewerkschaft Ver.di mit. "Wir sind mit dem Auftakt sehr zufrieden", sagte Heiner Reimann von Ver.di Hessen in Bad Hersfeld. Auch in Leipzig begann der Ausstand nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers.

Forderung nach Tarifvertrag

Hintergrund für den Streik ist laut Ver.di die Forderung nach einem Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels, was das Unternehmen bisher ablehnt. Amazon orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche. In Bad Hersfeld sind rund 3300 und in Leipzig etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei einer Urabstimmung hatten sich 97,6 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder in Bad Hersfeld für den Arbeitskampf ausgesprochen. Zuvor hatten bereits Anfang April 97 Prozent der teilnehmenden, gewerkschaftlich organisierten Amazon-Mitarbeiter für einen Streik in Leipzig gestimmt. Zu Warnstreiks war es am Standort Bad Hersfeld am 9. April gekommen.

Verbraucher müssen mit Verzögerungen rechnen

Wie viele Mitarbeiter sich an den Arbeitsniederlegungen beteiligen werden, konnte Ver.di-Streikleiter Reimann zunächst nicht sagen. "Wir sind aber sehr zuversichtlich, die Betriebsabläufe empfindlich beeinträchtigen zu können." Verbraucher müssten damit rechnen, dass Bestellungen womöglich langsamer als üblich kommen.

Der Gewerkschafter forderte das Unternehmen auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Ver.di verlangt von dem Unternehmen, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Für die einzelnen Beschäftigten würde das laut Gewerkschaft bis zu 9000 Euro brutto im Jahr ausmachen. Zudem will Ver.di für die Mitarbeiter unter anderem ein Urlaubs- und Weihnachtsgeld, sowie Zuschläge für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen und während der Nacht durchsetzen.

Amazon widerspricht Forderungen

Das Unternehmen erklärte dagegen: "Amazons Versandzentren sind Logistikunternehmen, die Kundenbestellungen ausführen. Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist." Bei dem Standort in Bad Hersfeld handle es sich um ein reines Versandzentrum. "Unsere Mitarbeiter dort leisten logistische Tätigkeiten - Kommissionierung, Verpackung und Versendung von Waren."

Der Deutschland-Chef von Amazon, Ralf Kleber, argumentierte bereits in Erwartung eines Streiks, dass das Amazon-Bezahlsystem attraktiver als der Tarifvertrag sei: "Wir haben außerdem ein anderes Bezahlmodell, das in vielerlei Hinsicht attraktiver ist als das, was der Tarif bietet", sagte Kleber mit Verweis auf Boni und Aktien, die nach zweijähriger Betriebszugehörigkeit an Mitarbeiter ausgegeben würden. "Das wollen wir beibehalten."

Kritik wegen schlechten Arbeitsbedingungen

Das in der Öffentlichkeit eher zurückhaltende, amerikanische Unternehmen stand zuletzt mehrfach im Fokus: Zu Jahresbeginn war Amazon in Deutschland wegen der Behandlung von Leiharbeitern in die Kritik geraten. Auslöser war eine TV-Dokumentation.

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