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Lohndumping in der Fleischbranche: Die miesen Geschäfte der deutschen Schlachthöfe

Die miesen Geschäfte der deutschen Schlachthöfe

27.07.2013, 14:55 Uhr | dpa, t-online.de

Lohndumping in der Fleischbranche: Die miesen Geschäfte der deutschen Schlachthöfe. In der deutschen Fleischbranche sind Werkverträge üblich (Quelle: dpa, Bernd Wüstneck )

In der deutschen Fleischbranche sind Werkverträge üblich (Quelle: dpa, Bernd Wüstneck )

Mit billigen Arbeitskräften aus Osteuropa sparen viele deutsche Schlachthöfe offenbar Personalkosten - und ziehen so an der Konkurrenz aus Frankreich, Belgien und Österreich vorbei, wie die "Welt" berichtet. Aber die Kritik an der umstrittenen Geschäftspraxis wird immer lauter - auch in Deutschland. Die Gewerkschaft prangert die Personalpolitik der Unternehmen als "organisierte Lohndrückerei" an. Der Chef des österreichischen Verbandes der landwirtschaftlichen Veredelungsproduzenten, Hans Schlederer, nennt im Gespräch mit der Zeitung die Arbeitsbedingungen in der Bundesrepublik sogar "moderne Sklaverei".

Minilohn für Wanderleiharbeiter

Der "Welt" zufolge ist etwa in Frankreich wegen des allgemeinen Mindestlohns keine Bezahlung unter 9,43 Euro pro Stunde erlaubt, in Belgien müsse jeder Arbeiter eines Schlachthofes mindestens 12,88 Euro Stundenlohn erhalten. In Deutschland hingegen kämen Beschäftigte im Rahmen sogenannter Werkverträge oft nur auf einem Stundenlohn von drei bis fünf Euro, sagte Matthias Brümmer von der Gewerkschaft NGG der Zeitung.

Harsche Kritik aus Österreich

Klartext spricht auch Hans Schlederer: "Von den 14 größten Schlachthöfen Österreichs sind im Vorjahr fünf insolvent geworden", erklärte der österreichische Verbandschef dem Blatt. Schuld daran sei das Lohndumping an den deutschen Schlachthöfen.

Werkverträge funktionieren im Übrigen so: Der Schlachthof beschäftigt keine eigenen Mitarbeiter. Stattdessen vergibt er ein "Werk" - das bedeutet: die Zerlegung einer bestimmten Anzahl von Tieren - an ein fremdes Unternehmen. Das wiederum stellt Arbeiter ein, die das "Werk" erledigen.

Mehrheit der Beschäftigten hat "Werkverträge"

Der Schlachthof hat dann auf den Verdienst der Leiharbeiter oder deren Unterbringung keinen Einfluss mehr. In der Fleischbranche sei es seit Jahren üblich, die Stammbelegschaft durch Werkvertragsarbeitnehmer zu ersetzen, heißt es in dem Bericht. Nach Auffassung von Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) ist inzwischen die große Mehrheit der Arbeiter an Schlachthöfen ist über Werkverträge angestellt.

"Ich schätze, dass 80 Prozent der Arbeiter in den niedersächsischen Schlachthöfen über Werkverträge eingestellt sind, indirekt haben die großen Fleischkonzerne das auch schon bestätigt", zitiert die Zeitung den Minister. Seiner Einschätzung nach sehe das in anderen Bundesländern ähnlich aus.

Das Geschäft mit dem Fleisch boomt

Das zweifelhafte Modell sorgt für gute Geschäfte: Die Ausfuhr von Fleisch und Wurstwaren aus Deutschland kletterte nach Angaben des "Spiegels" zwischen 2005 und 2010 um fast 60 Prozent. 2012 hätten Fleisch-Importen von 2,17 Tonnen EU-Exporte von 2,57 Tonnen gegenübergestanden, schreibt die "Welt". Seit 1997 sei die erzeugte Schlachtmenge um 61 Prozent auf acht Millionen Tonnen im vergangenen Jahr gestiegen.

Meyer forderte demnach, alle Schlachthöfe, die weniger als 8,50 Euro Mindestlohn in der Stunde zahlen, auf eine Negativliste von Unternehmen zu setzen, die von EU-Agrarsubventionen ausgenommen werden. Auch DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verlangte einen besseren Schutz für Zuwanderer. "Viele Migranten werden in menschenunwürdige Beschäftigung abgedrängt", sagte sie der "Berliner Zeitung".

Zuwanderer oft nicht krankenversichert

Ausgebeutet würden vor allem Zuwanderer, die über Werkverträge, grenzüberschreitende Leiharbeit oder als Scheinselbstständige ins Land geholt werden. "Was wir hier erleben, ist gut organisierte Lohndrückerei", sagte Buntenbach. Neben den Minilöhnen seien viele Betroffene auch nicht krankenversichert.

Für eine generelle bundesweite Debatte über die Arbeitsbedingungen von osteuropäischen Arbeitern in Deutschland hatte der Tod von zwei rumänischen Leiharbeitern der Papenburger Meyer Werft geführt. Die beiden bei einem Subunternehmer der Werft beschäftigten Männer starben bei einem Brand in ihrer Unterkunft an Rauchvergiftungen.

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