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Piloten-Streik in München trifft Lufthansa härter als gedacht

Arbeitskampf wird fortgesetzt  

Pilotenstreik trifft Lufthansa härter als gedacht

10.09.2014, 19:52 Uhr | dpa-AFX, rtr

Piloten-Streik in München trifft Lufthansa härter als gedacht. Leere Check-In-Schalter der Lufthansa am Flughafen in München (Quelle: AP/dpa)

Leere Check-In-Schalter der Lufthansa am Flughafen in München (Quelle: AP/dpa)

Der Arbeitskampf der Lufthansa-Piloten nervte am Mittwoch erneut Tausende Passagiere. Die Lufthansa hatte nach dem inzwischen vierten Streik-Aufruf der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) 140 Verbindungen von und nach München annulliert. Zuvor war von 110 Streichungen die Rede gewesen. Nach dem Streikende um 18 Uhr wollte sie möglichst schnell zum Normalbetrieb zurückkehren. Doch der Sonderflugplan sah wegen der gestörten Umläufe für den Abend und den Donnerstagmorgen noch weitere Flugabsagen vor.

Europas größte Fluggesellschaft rechnet wegen des nach acht Stunden beendeten Ausstands mit einem erneuten Millionenschaden. Die Piloten kämpfen um ihre Übergangsrente, die sie im Vorruhestand erhalten. Von dem Streik waren diesmal mehr als 15.000 Passagiere auf Flügen von und nach München betroffen. Die Lufthansa-Aktie gab an der Börse leicht nach.

Betroffene Passagiere wurden umgebucht

Laut Lufthansa konnten in der letzten Woche der bayerischen Schulferien aber "nahezu alle" von ihnen auf die Bahn oder andere Flughäfen umgebucht werden. Erst am Mittwochmorgen wurde klar, dass nicht nur die zunächst genannten 110, sondern mehr als 140 Flüge ausfallen mussten. Die 15 geplanten Interkontinental-Flüge ab München wurden hingegen wie angekündigt von freiwilligen Crews geflogen.

Seit April hat die VC in vier Streikwellen bei Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings rund 4300 Flüge ausfallen lassen und die Reisepläne von über 480.000 Menschen durcheinandergebracht. Dennoch hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag erklärt: "Die Streiks greifen nicht so wie gedacht." Im Interview mit hr-Info plädiert er für gesetzliche Maßnahmen, um die Häufigkeit der Streiks einzudämmen.

Druck auf Lufthansa-Management soll erhöht werden

Die Piloten-Gewerkschaft Cockpit will unterdessen hart bleiben. Das gleiche Schicksal könnte in den nächsten Tagen und Wochen noch mehr Fluggästen drohen. "Wir bleiben weiter streikbereit", sagte Markus Wahl, Vorstand der Vereinigung. Es gebe noch viele Möglichkeiten, der Lufthansa zu schaden und damit den Druck auf das Management zu erhöhen. "Wir können Lufthansa Cargo, Germanwings, Kurz- und Langstrecke der Lufthansa bestreiken - oder auch eine Kombination dieser Möglichkeiten." Jede Arbeitsniederlegung werde einen Tag vorher angekündigt.

Neues Angebot in der nächsten Woche?

Lufthansa will in der kommenden Woche ihre etwa 5400 betroffenen Piloten direkt über weitere Details des bestehenden Angebotes informieren, das bislang nur mit dem Tarifpartner VC besprochen worden war. Auch die VC werde informiert, hieß es am Mittwoch. "Öffentliche Tarifverhandlungen haben noch nie zu einem Ergebnis geführt, weil die Musik im Detail spielt", meinte dazu VC-Sprecher Jörg Handwerg. Er bezeichnete den Münchner Streiktag als Erfolg.

Grundvoraussetzung für eine Einigung bleibe, dass die künftige Übergangsversorgung bis zum Renteneintritt auch für neu eingestellte Piloten gelte. Dann könne man über die anderen Details sprechen.

Streit um Übergang in die Piloten-Rente

Laut dem Lufthansa-Vorschlag müssten die ab 2014 eingestellten Piloten die Mittel für einen frühzeitigen Übergang in die Rente selbst ansparen. Das Unternehmen will das frühstmögliche individuelle und das durchschnittliche Eintrittsalter für die Piloten auf mindestens 60 beziehungsweise 61 Jahre hochsetzen. Das entspreche dem Standard bei den übrigen europäischen Fluggesellschaften.

"Unsere Informationspolitik, Fluggäste frühzeitig zu informieren, hat gegriffen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die wenigsten Passagiere seien zum Airport angereist, ohne über die Streiks informiert zu sein. Die Lufthansa habe rund 8000 Kunden per Mail oder SMS über Ausfälle informiert. Bei anderen Airlines war am Mittwoch normaler Betrieb.

Kein Chaos bei der Bahn

Auch am Münchner Hauptbahnhof blieb der ganz große Ansturm aus. "Wir hatten vollere Züge, einige Fahrgäste mussten stehen, aber in allen Richtungen hat es ausgereicht. Wir mussten keine Entlastungszüge einsetzen und auch niemanden am Bahnsteig zurücklassen", sagte ein Bahnsprecher. Es habe insgesamt deutlich mehr Fahrgäste von München aus gegeben. Sie konnten mit den regulären Zügen befördert werden.

Mit den Flügen vor und nach dem Streik hoffte die Lufthansa, rund die Hälfte ihrer für Mittwoch geplanten Europa-Verbindungen abwickeln zu können. Vorsorglich waren für die Nacht auf Donnerstag rund 1200 Betten in Hotels angemietet und 350 Schlafplätze im Transitbereich bereitgestellt worden. Bis zum frühen Abend waren aber laut Fluggesellschaft noch keine Passagiere in der bayrischen Landeshauptstadt "gestrandet".

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