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Lufthansa-Piloten drohen mit "weiteren Streiks - auch nächstes Jahr"

Lufthansa-Piloten drohen  

"Weitere Streiks - auch nächstes Jahr"

02.12.2014, 16:45 Uhr | rtr, t-online.de

Lufthansa-Piloten drohen mit "weiteren Streiks - auch nächstes Jahr". Die Lufthansa-Piloten verschärfen im Tarifkonflikt ihren Ton (Quelle: dpa)

Die Lufthansa-Piloten verschärfen im Tarifkonflikt ihren Ton (Quelle: dpa)

Die Piloten der Lufthansa drohen der Airline noch während des laufenden Streiks mit neuen Arbeitsniederlegungen. "Es kann weitere Streiks geben, auch im nächsten Jahr", sagte Jörg Handwerg, Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Grund sei, dass das Management des Konzerns in den jüngsten Verhandlungen um die Frührente der 5400 Flugzeugführer keine Kompromissbereitschaft habe erkennen lassen. Einzige Beruhigungspille für die Fluggäste ist, dass Handwerg bereits am Wochenende einen Streik "an Weihnachten selbst" ausgeschlossen hat.

Mit ihrer Ankündigung erhöhen die Piloten den Druck auf das Management vor der für Mittwoch geplanten Aufsichtsratssitzung zum Start einer Billig-Airline. Flugzeuge des neuen Billiagablegers für Kurz- und Langstrecke unter der Dachmarke Wings sollen explizit nicht von teuren Konzern-Piloten geflogen werden. Cockpit ist das ein Dorn im Auge.

"Kein Kontakt mit Management"

Eine Annäherung in dem seit acht Monaten schwelenden Tarifkampf ist derzeit nicht in Sicht. "Wir haben keinen Kontakt mit dem Lufthansa-Management", sagte Handwerg. Die Lufthansa betonte, jederzeit einigungsbereit zu sein. "Es ist eben die Frage an die Vereinigung Cockpit, wann sie das möchte", sagte eine Konzernsprecherin.

Bei dem Tarifstreit geht es vor allem um betriebsinterne Vorruhestandsregelungen der Piloten. Finanziell sieht sich die Lufthansa nicht mehr in der Lage, die im Branchenvergleich großzügige Pension weiter zu finanzieren. Lufthansa-Piloten konnten bislang mit 55 Jahren aufhören - im Schnitt gehen sie mit 59 Jahren in die Rente. Lufthansa will diesen Wert auf 61 Jahre erhöhen.

Strategiewechsel schwelt im Hintergrund

Hinter den Kulissen geht es aber um einen vom neuen Konzernchef Carsten Spohr vorangetriebenen radikalen Strategiewechsel. Im Juli hatte er Pläne vorgelegt, wie die Lufthansa im hart umkämpften Geschäft in Europa gegen Rivalen wie Ryanair und auf den Interkontinental-Strecken im Wettbewerb mit der Golf-Airline Emirates punkten will.

Kernpunkte sind neue Billigplattformen: Eurowings für den Kurzstrecken-Verkehr in Europa, daneben ein weiterer Ableger für die Langstrecke, der auch unter der Wings-Marke fliegen soll. Letzterer soll voraussichtlich zusammen mit dem Charterflieger Sun-Express betrieben werden. Die neue Airline soll mit sieben gebrauchten Airbus A330-300 fliegen. Gelockt werden sollen damit vor allem knauserige Privatreisende sowie Chinesen und Inder, die sich normale Lufthansa-Flüge noch nicht leisten können.

40 Prozent geringere Kosten angepeilt

Um das Konzept umzusetzen, will Spohr die Cockpits der neuen Flieger nicht mehr mit teuren Konzernpiloten besetzen. Zudem könnten die Airlines vom Ausland aus operieren. Damit sollen die geplanten Ableger mit bis zu 40 Prozent niedrigeren Kosten als die Kranich-Linie selbst fliegen. Die Pilotengewerkschaft Cockpit fürchtet, bei dem neuen Kurs außen vor zu bleiben und geht deshalb auf die Barrikaden. Am Mittwoch entscheidet der Lufthansa-Aufsichtsrat über die neue Strategie.

Gleichzeitig wachsen die Belastungen für die Lufthansa. Die Ausstände der Flugzeugführer verursachten direkt und durch Buchungsausfälle Schäden von 160 Millionen Euro - der jüngste Konflikt ist da noch nicht mitgerechnet.

Jede zweite Verbindung fällt aus

Seit Montagmittag bestreiken die Piloten Inlands- und Europaflüge der größten deutschen Fluglinie. Seit dem frühen Dienstagmorgen ruht die Arbeit auch auf Interkontinentalverbindungen - Ende soll um Mitternacht sein. In der Folge fallen 1350 Flüge und damit etwa jede zweite Verbindung aus. Rund 150.000 Passagiere sind betroffen. Viele Fluggäste wurden von der Lufthansa gewarnt und reisten erst gar nicht an.

Am Frankfurter Flughafen, dem Lufthansa-Drehkreuz, herrscht kaum Betrieb. Überrascht von der Arbeitsniederlegung wurde allerdings eine Reisegruppe aus den USA, die auf dem Weg nach Tel Aviv in Frankfurt strandete. "Wir haben erst vor dem Abflug in Chicago von dem Streik in Deutschland erfahren" sagte Paula Herman aus Wisconsin. Für den Ausstand der Piloten hat die 47-jährige kein Verständnis. "Sie bringen die Pläne anderer Leute durcheinander. Die Reise nach Israel ist etwas einmaliges für uns." Doch haben die Amerikaner Glück im Unglück: Die Lufthansa bucht sie auf andere Airlines um.

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