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Forscher schlagen Alarm: Ungleichheit der Löhne nimmt dramatisch zu

Forscher schlagen Alarm  

Ungleichheit der Löhne nimmt dramatisch zu

03.12.2014, 15:43 Uhr | AFP, t-online.de

Forscher schlagen Alarm: Ungleichheit der Löhne nimmt dramatisch zu. DIW-Studie enthüllt: Gehälter im unteren Bereich sind über die Jahrzehnte real deutlich gesunken (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

DIW-Studie enthüllt: Gehälter im unteren Bereich sind über die Jahrzehnte real deutlich gesunken (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland geht heute deutlich weiter auseinander als vor einigen Jahrzehnten. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Experten verglichen dazu Gesamteinkommen westdeutscher Angestellter der Geburtsjahrgänge 1935 und 1972, das diese bis zum 40. Lebensjahr erzielten. Bei den Jüngeren fiel die Ungleichheit demnach doppelt so stark aus wie bei den Älteren.

Um das Auseinanderklaffen der Einkommen bei den untersuchten Jahrgängen vergleichen zu können, verwendeten die Wissenschaftler den sogenannten Gini-Koeffizienten. Dieser kann Werte zwischen null (für absolut gleiche Verteilung der Einkommen) und eins (für totale Ungleichheit) annehmen. Beim Jahrgang 1935 lag der Wert den Angaben zufolge bei 0,12, beim Jahrgang 1972 bei 0,25 und somit gut doppelt so hoch.

Niedrigere Einkommen gesunken, höhere gestiegen

Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich laut DIW zwar durch die Arbeitslosigkeit erklären. So sei das Risiko, zeitweise ohne Job zu sein, insbesondere für Arbeitnehmer mit niedrigeren Einkommen über die Jahrzehnte deutlich angestiegen. Der überwiegende Teil der Entwicklung rührt laut DIW aber daher, dass die Lohnspreizung zugenommen hat.

In den vergangenen Jahrzehnten seien die über das gesamte Erwerbsleben hinweg erzielten Löhne und Gehälter, die sogenannten Lebenseinkommen, im unteren Bereich real gesunken, im mittleren Bereich etwa stabil geblieben und im oberen Bereich eher gestiegen.

Aufstieg in obere Ränge immer schwerer

Dies führt nach Angaben der Wissenschaftler auch dazu, dass jüngere Jahrgänge es deutlich schwerer als ältere haben, ein "nennenswertes Vermögen" anzusparen. Sie können dementsprechend auch weniger vererben. Gerade in Deutschland spiele aber das Elternhaus "eine entscheidende Rolle für den Bildungserfolg und die Karriere der Kinder", mahnten die Forscher. "Die dadurch bedingte Chancenungleichheit wird verstärkt durch zunehmende Ungleichheit bei den Erbschaften." Ein Aufstieg "in die oberen Ränge der Vermögensverteilung aus eigener Anstrengung" werde immer schwieriger.

Sofern die Politik daran etwas ändern wolle, könne sie "direkt über Steuern und Transfers" in die Einkommensverteilung eingreifen, erläuterten die Forscher. Daneben solle auch die Chancengleichheit gestärkt werden. "Die Politik sollte darauf achten, dass bei wachsender ökonomischer Ungleichheit die Grundlagen des beruflichen Erfolgs möglichst unabhängig vom Elternhaus sind", erklärten die Wissenschaftler.

Die Forscher nutzten für ihre Studie Datensätze der Rentenversicherung männlicher Arbeitnehmer aus Westdeutschland. Beamte und Selbständige werden davon deshalb nicht erfasst.

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