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Schweiz will Löhne senken

Schock nach Franken-Freigabe  

Schweiz will Löhne senken

18.01.2015, 16:30 Uhr | dpa , t-online.de

Schweiz will Löhne senken . Shoppingmeile Bahnhofsstraße in Zürich: Müssen die Eidgenossen bald länger arbeiten - für weniger Geld? (Quelle: Reuters)

Shoppingmeile Bahnhofsstraße in Zürich: Müssen die Eidgenossen bald länger arbeiten - für weniger Geld? (Quelle: Reuters)

Die überraschende Entkoppelung des Schweizer Franken vom Euro stärkt die Währung des Alpenlandes - und führt zu massiven Problemen für die Schweizer Wirtschaft. Schon wird diskutiert, die Löhne zu senken und die Arbeitszeiten bei den Eidgenossen zu erhöhen.

Das forderte Robert Müller, der Direktor des Arbeitgeberverbands der Schweiz, in der in Zürich erscheinenden "Sonntagszeitung". Alternativ könnten die Gehälter der Schweizer Arbeitnehmer künftig auch in Euro ausbezahlt werden, berichtet die Zeitung von Überlegungen gleich mehrerer Unternehmen. Wie dies umgesetzt werden könnte, ist jedoch noch unklar.

Die Schweizer Wirtschaft fürchtet durch den starken Franken enorme Einbußen bei den Exporten. Rund 60 Prozent der Ausfuhren gehen in die Eurozone. Je stärker der Franken, desto teurer werden Produkte aus der Schweiz - und desto schlechter dürften sie sich verkaufen lassen.

Tourismusbranche befürchtet Einbußen

Somit werden die Folgen nach der spektakulären Freigabe des Franken-Kurses zunehmend sichtbar. Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag ohne jede Vorwarnung die seit 2011 geltende Kopplung des Franken an den Euro aufgehoben hatte, verteuerte sich der Franken gegenüber dem Euro deutlich. Infolgedessen fürchtet zum Beispiel die Schweizer Tourismusbranche um ihre Einnahmen. Die Zahl der Reservierungen aus Deutschland sei bereits eingebrochen, sagte der Direktor des Schweizer Tourismusverbandes, Jürg Schmid, der Westschweizer Sonntagszeitung "Le Matin Dimanche".

"Die Telefone haben sofort aufgehört zu läuten und vor allem sind die Online-Reservationen plötzlich ausgeblieben", sagte Tourismus-Chef Schmid. Die Ankündigung der Nationalbank habe bei den ausländischen Kunden Unsicherheit ausgelöst. Gäste aus Deutschland und den Niederlanden hätten am empfindlichsten auf die Preiserhöhungen reagiert, sagte er. Der Tourismusverband rechnet wegen des starken Franken nun insgesamt mit weniger Buchungen.

Die Finanzministerin der Schweiz, Eveline Widmer-Schlumpf, versucht unterdessen, die Sorgen der Wirtschaft zu zerstreuen. Noch sei es zwar zu früh, um über Steuerentlastungen für Unternehmen zu sprechen. Diese seien jedoch denkbar. "Sollten wir in einem halben Jahr sehen, dass es weitere Maßnahmen braucht, wird man dann darüber diskutieren müssen", sagte sie der "Sonntagszeitung".

Banken machen enorme Verluste

Nach dem unerwarteten Schritt der Schweizer Nationalbank hatten Banken und Broker enorme Verluste erlitten. Völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden war der Devisenmarkt. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge muss auch die Deutsche Bank wegen der Franken-Freigabe massive Verluste verkraften. Etwa 150 Millionen US-Dollar (130 Millionen Euro) Einbußen stünden Deutschlands größtem Geldhaus bevor, berichtete das Blatt unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Die Deutsche Bank wollte den Bericht nicht kommentieren.

Dem US-Bankenriesen Citigroup würden Verluste in gleicher Größenordnung entstehen. Auch die britische Großbank Barclays und einige Hedge-Fonds sollen kräftig Geld verloren haben.

Ein US-Fonds werde wegen erheblicher Verluste geschlossen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Der Global Fund von Everest Capital habe darauf gesetzt, dass der Franken an Wert verliere, hieß es. Der Fonds habe per Ende 2014 über ein Vermögen von etwa 830 Millionen Dollar verfügt, hieß es. Everest Capital verwalte aber weiterhin sieben andere Fonds mit einem Kapital von insgesamt etwa 2,2 Milliarden Dollar.

Shopping-Tourismus an der Grenze

Der Chef der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, bezeichnete die Turbulenzen an den Märkten als überzogen. Der Franken sei nun gegenüber allen Währungen stark überbewertet, sagte er der "Neuen Züricher Zeitung" und der Zeitung "Le Temps". "Der Markt wird nach und nach feststellen, dass diese Überbewertung nicht gerechtfertigt ist", sagte Jordan. Bis dahin werde es jedoch noch eine Weile dauern.

In Deutschland löste die Aufwertung des Franken einen Ansturm von Einkaufstouristen in den Grenzregionen in Baden-Württemberg aus. Tausende Schweizer kauften am Wochenende in Shopping-Centern in Konstanz und Weil am Rhein ein. Teilweise bildeten sich Staus und lange Schlangen.

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