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Bahnstreik trifft Wirtschaft: DIHK rechnet mit hohen Kosten

Wirtschaft warnt  

"Bahnstreik kostet eine halbe Milliarde Euro"

04.05.2015, 17:48 Uhr | rtr, dpa-AFX, dpa

Bahnstreik trifft Wirtschaft: DIHK rechnet mit hohen Kosten . Im Güterverkehr hat der neue Lokführerstreik begonnen. Der Personenverkehr folgt am frühen Dienstag. (Quelle: dpa)

Im Güterverkehr hat der neue Lokführerstreik begonnen. Der Personenverkehr folgt am frühen Dienstag. (Quelle: dpa)

Die deutsche Wirtschaft rechnet mit erheblichen finanziellen Einbußen durch den Rekord-Streik der Gewerkschaft GDL und der Lokführer. "Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro", klagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. "Lager laufen leer, die Produktion stottert, es kann sogar zu Produktionsausfällen kommen."

Die Chemie- und Stahlindustrie, die viele Güter über die Schiene transportiert, reagierte ebenfalls verärgert. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer forderte die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) auf, den Streik sofort abzusagen.

Der inzwischen achte Ausstand hat im Güterverkehr mittlerweile begonnen und soll am Dienstag auch auf den Personenverkehr ausgeweitet werden. Geplant ist bisher, dass der Streik bis Sonntag dauert. Es wäre der bisher längste Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn.

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"Der Streik trifft die ganze Breite der deutschen Industrie, vor allem aber die Automobil- und Stahlindustrie sowie die Chemie- und Rohstoffindustrie, die ohne pünktliche Zulieferungen innerhalb kürzester Zeit Produktionsausfälle erleiden", sagte Arbeitgeberpräsident Kramer.

Stahlindustrie: Nur begrenzt Verlagerung möglich

Ein Sieben-Tage-Streik im Güterverkehr treffe die Stahlindustrie als den größten Kunden von DB Schenker Rail erheblich, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. 200.000 Tonnen, die jeden Tag für die Stahlindustrie von der Bahn transportiert würden, könnten nur teilweise auf Lastwagen oder Schiffe verteilt werden. ThyssenKrupp hofft, trotzdem glimpflich davon zu kommen. Der Konzern nutze auch alternative Transportwege und die Werksbahn, hieß es.

Die Chemieindustrie mit rund einer halben Million Beschäftigten zeigte sich ebenfalls beunruhigt. "Störungen im Schienengüterverkehr haben weitreichende Auswirkungen auf die Branche und Kunden", sagte eine Sprecherin des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). "Wenn so ein Streik länger dauert, muss man bei Engpässen mit der Versorgung von Rohstoffen rechnen."

Die Bahn versucht, zeitkritische Transporte mit dem einsatzbereiten Personal vorrangig zu fahren, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Bei den kürzeren Ausständen ist ihr das nach eigenen Angaben gelungen. Je länger ein Streik dauert, desto schwerer ist die Strategie jedoch umzusetzen.

Engpässe bei Ölversorgung befürchtet

Der Güterkraftverkehrsverband BGL rechnet mit Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Öl. In bestimmten Regionen Deutschlands könne es zu Engpässen kommen, sagte BGL-Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt.

Besonders an Orten, die nicht mit Binnenschiffen beliefert werden oder in der Nähe von Pipelines liegen, könne die Versorgung knapp werden. Ein Streik von ein bis zwei Tagen stelle normalerweise kein Problem dar. Ein fast sechstägiger Ausstand sei aber eine andere Situation.

Merkel und Gabriel sind für eine Schlichtung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) favorisiert im Bahn-Tarifstreit eine Schlichtung. Dies sei ein möglicher und gangbarer Weg, "ohne mich direkt da einzumischen", sagte Merkel in Berlin.

GDL-Chef Claus Weselsky hatte eine Schlichtung bereits ausgeschlossen. Merkel meinte, offensichtlich sei die Zeit dafür noch nicht reif: "Aber da müssen wir hinkommen."

Grundsätzlich gelte die Tarifautonomie. "Das Streikrecht ist ein verbrieftes Recht in Deutschland", unterstrich die Kanzlerin. Die Belastungen für viele Bürger und Unternehmen durch den Ausstand seien aber "gravierend". Die Verantwortlichen müssten nun alles daran setzen, eine rasche Einigung zu finden: "Wir allen fiebern mit, dass es eine Lösung gibt", sagte Merkel.

Auch Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich für eine Schlichtungslösung aus. "Ich frage mich, versteht eigentlich irgendjemand noch, was sich bei der Bahn abspielt?", sagte Gabriel in der SPD-Zentrale. Bessere Arbeitsbedingungen stünden in dem Konflikt wohl nicht im Vordergrund: "Es geht um Machtfragen innerhalb der gewerkschaftlichen Vertretung in der Deutschen Bahn AG."

Dobrindt: Bund als Bahn-Eigentümer hält sich raus

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte die GDL derweil zu weiteren Verhandlungen mit der Bahn auf. Die Auswirkungen seien langfristig nicht vertretbar. "Deshalb sind alle Beteiligten aufgefordert, verantwortungsvoll mit ihrem Mandat umzugehen und dringend an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte Dobrindt.

Der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn AG will sich weiter nicht einschalten. "Aus Tarifkonflikten hat sich die Politik grundsätzlich weitestgehend herauszuhalten", sagte der Minister. Er sieht vor allem die GDL in der Verantwortung. Ergebnisse werde es nur am Verhandlungstisch geben, nicht auf der Straße: "Wer glaubt, dass er eine Woche streiken kann, der muss auch beweisen, dass er eine Woche verhandeln kann."

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