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Millionenschäden und keine Lösung: Die Bilanz des Streiks der GdL

Millionenschäden und keine Lösung  

Die Bilanz des Mega-Streiks der GdL

09.05.2015, 20:51 Uhr | dpa

Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist vorbei, der Konflikt jedoch noch lange nicht gelöst. Reisende klagen, Unternehmen fürchten Verluste und der Rückhalt für GDL-Boss Weselsky schwindet - eine Bilanz des Ausstandes.

Sechs Tage bestreikten die Lokführer den Personenverkehr. Der Ausstand begann Dienstagnacht um 2 Uhr. Bereits am Montagnachmittag hatten die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit niedergelegt. Bis zum gemeinsamen Streikende am Sonntag um 9 Uhr ergeben sich daraus 138 Streikstunden im Güterverkehr und 127 Stunden bei den Personenzügen. Es ist der achte Ausstand in dem Tarifkonflikt.

Die wirtschaftlichen Folgen

Die Deutsche Bahn beziffert ihre Belastungen auf zehn Millionen Euro pro Streiktag. Die sechs Streikwellen im vergangenen Jahr sorgten nach Bahnangaben für Einnahmeverluste von insgesamt 170 Millionen Euro. Wie groß die Folgen für die deutsche Wirtschaft insgesamt sind, lässt sich nur schätzen. Wirtschaftsverbände befürchten einen Schaden von bis zu einer halben Milliarde Euro.

Das Problem: Bei mehrtägigen Ausständen komme die Lieferkette ins Stocken, sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. Die Branchen Chemie, Auto und Stahl hatten aber vorgebaut: Von Produktionsausfällen wurde zunächst nichts bekannt. Konjunkturexperte Stefan Kipar von der BayernLB schätzt, dass die Wachstumsrate des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal um etwa 0,1 Prozentpunkte geringer ausfallen dürfte als ohne Streik.

Die Streikbeteiligung

Laut GDL haben sich jeden Tag an die 3000 Lokführer an dem Ausstand bei der DB AG beteiligt. Nach eigenen Angaben sind bei der Gewerkschaft über 80 Prozent der 20.000 Lokführer bei der DB AG organisiert. Das wären 16.000 mit einem nicht bekannten Anteil von Beamten, die nicht streiken durften. Bei einem ähnlich hohen Beamtenanteil wie im Gesamtunternehmen von etwa einem Viertel kämen rund 12.000 angestellte Lokführer als Streikteilnehmer infrage.

Die Gewerkschaft wollte Zahlen der "Bild"-Zeitung nicht kommentieren, denen zufolge sich über die Woche insgesamt nur rund 6000 GDLer beteiligt haben. Eine genaue Auswertung der Beteiligung will die Gewerkschaft erst nach Streikende vorlegen.

Die Profiteure des Streiks

Autovermieter berichten von deutlich gestiegener Nachfrage. In einigen Regionen seien bei einzelnen Anbietern zeitweise keine Autos mehr zu bekommen gewesen, heißt es beim Bundesverband der Autovermieter Deutschlands. Andere Reisende stiegen auf Fernbusse um. "Wir haben alle die Ärmel hochgekrempelt, um die große Nachfrage zu befriedigen", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen.

Die Bilanz des Taxigewerbes fällt gemischt aus: In Städten, in denen der Streik den S-Bahnverkehr traf, liefen die Geschäfte auf Hochtouren. Kaum Geschäft war dagegen mit Bahnreisenden zu machen. "Der Streik war keine Goldgrube", so das Fazit des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes.

Die Stimmung in der Bevölkerung

Eine knappe Mehrheit der Bundesbürger (52 Prozent) hat laut ARD-Deutschlandtrend kein Verständnis für den Ausstand. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind es sogar 69 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis des ARD-Deutschlandtrends: 50 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Lokführergewerkschaft GDL verantwortlich ist für die erneute Eskalation. Die Deutsche Bahn sehen 27 Prozent als Hauptverantwortliche für den Streik. 14 Prozent sehen die Ursachen bei beiden Tarifpartnern gleichermaßen.

Wie geht es weiter?

Auch nach der achten Streikwelle ist eine Lösung des Tarifkonflikts nicht in Sicht. Bahn-Chef Rüdiger Grube hat die neuen Impulse zwar zur Chefsache gemacht, doch am grundsätzlichen Anspruch der GDL kommt er nicht vorbei. Die Lokführergewerkschaft will für alle Berufsgruppen eigene Tarifverträge, die inhaltlich von denen der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG abweichen, etwa in den Bestimmungen zu Arbeitszeit und Ruhepausen. Genau dies wollte die DB aber bislang um jeden Preis verhindern. Unter dem Druck des geplanten Tarifeinheitsgesetzes kämpft zudem die GDL um ihr Überleben.

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