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VW-Manager sacken Rekord-Boni ein - trotz historischem Minus

Trotz historischem Minus  

VW-Manager sacken Rekord-Boni ein

28.04.2016, 16:07 Uhr | rtr, dpa, t-online.de

VW-Manager sacken Rekord-Boni ein - trotz historischem Minus. Ex-VW-Chef Martin Winterkorn (l.) und sein Nachfolger Matthias Müller. (Quelle: imago images/Foerster)

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn (l.) und sein Nachfolger Matthias Müller. (Quelle: Foerster/imago images)

Volkswagen verzeichnete 2016 den höchsten Verlust seiner Geschichte. Trotzdem hat der Wolfsburger Konzern seinen Spitzen-Managern Boni in Millionenhöhe ausgezahlt. Insgesamt sind es 63,24 Millionen Euro für 2015, wie aus dem VW-Geschäftsbericht hervorgeht - knapp zehn Millionen mehr als im Vorjahr und damit Rekord.

Auch der im September zurückgetretene Ex-VW-Chef Martin Winterkorn bekam ungeachtet des Abgas-Skandals ein Gehalt von 7,3 Millionen Euro. Fast 5,9 Millionen Euro davon entfielen demnach auf erfolgsabhängige variable Gehaltsbestandteile.

Allerdings: 2014 hatte Winterkorn noch fast 16 Millionen Euro kassiert. Damals war er der mit Abstand bestverdienende Manager unter allen Dax-Lenkern.

Millionengehälter auch für Müller und Pötsch

Winterkorns Nachfolger Matthias Müller erhielt rund 3,9 Millionen Euro. Müller saß als Chef der VW-Tochter Porsche bereits das gesamte Jahr 2015 über im Vorstand des Konzerns - das Gros seines Gehalts stammt aus dieser Zeit.

Der ehemalige Finanzvorstand und jetzige Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch bekam laut Geschäftsbericht 2,9 Millionen Euro. Er verzichtete wie alle aktuell aktiven Vorstandsmitglieder wegen des Skandals auf einen Teil seines Bonus. Allerdings hatte er sich den Wechsel vom Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrats nach Angaben von Eingeweihten mit einem zweistelligen Millionen-Euro-Betrag versüßen lassen.

Aufsichtsräte verdienen deutlich weniger als Vorstandsmitglieder. Für seine Tätigkeit als Chef des Kontrollgremiums erhielt Pötsch von Anfang Oktober bis zum Jahreswechsel 13.400 Euro.

Renschler ist Top-Verdiener bei VW

Absoluter Top-Verdiener im Vorstand des größten europäischen Autobauers war vergangenes Jahr der für das Nutzfahrzeuggeschäft zuständige Andreas Renschler. Er bekam rund 15 Millionen Euro - darin enthalten ist allerdings eine Antrittsprämie von 11,5 Millionen Euro für seinen Wechsel von Daimler zu Volkswagen.

Dem Chef der Kernmarke VW, Herbert Diess, machte der Konzern seinen Wechsel von BMW zu den Niedersachsen mit einer Prämie von fünf Millionen Euro schmackhaft. Sein Gehalt lag insgesamt bei 6,8 Millionen Euro.

Vorläufige Streichung von 30 Prozent

In den vergangenen Wochen hatte die Frage der Boni für die VW-Vorstandmitglieder in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen. Teilweise war wegen des Dieselskandals und der daraus folgenden Milliardenlasten für den Konzern ein völliger Verzicht ins Gespräch gebracht worden.

De facto streicht VW seinen Top-Managern nun 30 Prozent ihrer Boni. Je nachdem wie der Konzern den Skandal bewältigt und sich die Geschäfte in den kommenden Jahren entwickeln, ist jedoch ab 2019 die rückwirkende Auszahlung möglich. Nach dieser Rechnung könnte Vorstandschef Müller rückwirkend für 2015 im für ihn besten Fall 8,6 Millionen Euro kassieren, im schlechtesten Fall bliebe ihm sein Fixgehalt von 1,1 Millionen Euro plus Vorsorgeaufwendungen.

Müller hat kein Verständnis für Debatte

VW-Konzernchef Müller kritisierte derweil die Debatte über die millionenschweren Vorstands-Boni. "Ich verstehe die öffentliche Diskussion, ich verstehe nicht, dass die Diskussion in die Öffentlichkeit getragen wurde", sagte Müller bei der VW-Jahreskonferenz in Wolfsburg.

Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) etwa hatte den Vorstand mehrfach öffentlich zu einem Verzicht bei den Bonuszahlungen aufgefordert. Müller sagte aber, es gebe keine Kluft zwischen Vorstand und Aufsichtsrat.

Der Abgas-Skandal riss Europas größten Autobauer tief in die roten Zahlen. Unterm Strich steht für 2015 ein Minus von 1,6 Milliarden Euro. Gut 16 Milliarden Euro an Rückstellungen bildete VW bereits als Puffer für die Folgen des Abgas-Debakels.

VW-Chef Müller entschuldigt sich bei Obama

Derweil hat sich VW-Chef Müller bei US-Präsident Barack Obama persönlich für den Diesel-Skandal entschuldigt.

"Ich hatte knapp zwei Minuten für das Gespräch und habe mich für den Vorfall als solches entschuldigt", sagte Müller. In dem Gespräch habe er Obama zudem darauf hingewiesen, dass er auch im Interesse der Mitarbeiter und ihrer Familien alles für eine Lösung tun werde. "Ich habe darum gebeten, dass Amerika uns eine Brücke baut. Konkreter wurde es nicht."

"Er hat die Entschuldung angenommen", sagte Müller später auf die Frage nach der Reaktion des US-Präsidenten. Obama habe ihm zudem Mut gemacht, was die Zukunft von VW in den USA und die Verhandlungen mit den US-Behörden angehe.

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