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Mindestlohn reicht in vielen Städten oft nicht zum Leben

Wegen hoher Mieten  

Mindestlohn reicht in vielen Städten nicht zum Leben

20.06.2016, 18:23 Uhr | dpa, AFP

Mindestlohn reicht in vielen Städten oft nicht zum Leben. Die Mieten in München gehören zu den höchsten in Deutschland. Mit dem Mindestlohn kommt man hier nicht weit. (Quelle: dpa)

Die Mieten in München gehören zu den höchsten in Deutschland. Mit dem Mindestlohn kommt man hier nicht weit. (Quelle: dpa)

Hohe Mieten verschlingen insbesondere in den Ballungsräumen einen großen Teil des Einkommens. Arbeitnehmern mit Mindestlohn reicht es daher oft nicht mehr zum Leben. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der "Rheinischen Post" vorliegt.

Demnach erhält eine alleinstehende Person mit einer Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden und einem Mindestlohn von 8,50 Euro einen monatlichen Bruttolohn von 1388,62 Euro. Netto blieben dem Papier zufolge 1040,27 Euro für die Lebenshaltungskosten übrig. Den durchschnittlichen Existenzbedarf alleinstehender Erwerbstätiger gibt die Regierung jedoch mit 1053 Euro an - 13 Euro über dem Gehalt.

Der Existenzbedarf setzt sich zusammen aus dem Hartz-IV-Regelsatz von 404 Euro, den durchschnittlichen Kosten der Unterkunft von 349 Euro sowie dem Erwerbstätigenfreibetrag von 300 Euro.

Große Lücke in München oder Düsseldorf 

In einzelnen Städten ist die Lücke dem Bericht zufolge noch größer: Ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger in München habe Anspruch auf einen Mietzuschuss von 492 Euro, so das Papier. Dieser Betrag liege um 156 Euro über dem Existenzbedarf aus einem Vollzeit-Job mit Mindestlohn. In Düsseldorf zahle das Job-Center einen durchschnittlichen Mietzuschuss von 395 Euro. Auch hier bringe ein Mindestlohn-Job 46 Euro zu wenig ein.

Für den Linken-Politiker Klaus Ernst bedeuten die hohen Mietbelastungen für Geringverdiener, dass der Mindestlohn deutlich erhöht werden muss. "In großen Teilen des Westens und in Ballungsgebieten hängt man mit 8,50 Euro weiter am Tropf des Staates", sagte er dem Blatt. "Der Mindestlohn muss ganz deutlich höher liegen, als derzeit durch die Mindestlohnkommission angedacht wird."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, forderte dagegen, nicht den Mindestlohn stark zu erhöhen, sondern die Sozialabgaben für Geringverdiener zu senken. "Denn nur wenn es wieder attraktiver wird für Unternehmen, Menschen einzustellen und in sie zu investieren, werden Produktivität und Einkommen gerade der Geringverdiener steigen können", sagte er.

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