Sie sind hier: Home > Finanzen > Karriere > Löhne & Gehälter >

Mindestlohn-Erhöhung für 2017 entschieden

Anhebung ab 2017  

Mindestlohn soll bald 8,84 Euro betragen

28.06.2016, 17:35 Uhr | dpa , AFP

Mindestlohn-Erhöhung für 2017 entschieden. Auch Wald- und Forstarbeiter dürften sich freuen: Ab 2017 wird der Mindestlohn angehoben. (Quelle: imago / Westend 61)

Auch Wald- und Forstarbeiter dürften sich freuen: Ab 2017 wird der Mindestlohn angehoben. (Quelle: imago / Westend 61)

Klarheit über die künftige Höhe des Mindestlohns: Arbeitnehmer sollen ab Anfang 2017 mindestens 8,84 Euro pro Stunde verdienen. Das hat eine Kommission von Arbeitgeber- und Beschäftigten-Vertretern entschieden.

Bei ihrer Entscheidung orientierte sich die Kommission am sogenannten Tarifindex, also an der Steigerung des durchschnittlichen tariflichen Stundenlohns. Berücksichtigt werden dabei die Abschlüsse, die von Anfang 2015 bis zum 30. Juni wirksam werden. Der Index liegt derzeit bei 3,2 Prozent. Damit wäre man bei einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,77 Euro gewesen.

Die Gewerkschaften forderten, dass die abgeschlossenen, aber noch nicht wirksamen Tarifverträge für Metall- und Elektroindustrie sowie den Öffentlichen Dienst mit zur Grundlage gemacht werden. Wenn man diese für den Index berücksichtigt, wäre man bei einem Mindestlohn von 8,87 Euro gewesen.

Gleich mehrere Kriterien entscheidend  

Gesetzlich sind weitere Kriterien vorgegeben, die bei einer Erhöhung berücksichtigt werden müssen - so etwa ein angemessener sozialer Mindestschutz der Arbeitnehmer, fairer Wettbewerb und keine Bedrohung der Beschäftigung.

Laut Geschäftsordnung der Kommission kann das Gremium aber nur bei gravierenden Umständen und mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit vom Tarifindex abweichen.

Fuest bedauert Mindestlohn-Anhebung 

Unterdessen hat Ifo-Präsident Clemens Fuest die Erhöhung des Mindestlohns bedauert. "Angesichts der Flüchtlingszuwanderung hätte ich es für angemessen gehalten, den Mindestlohn vorerst nicht zu erhöhen", sagte er. "Ich befürchte, dass das Auswirkungen auf die Flüchtlingsintegration hat. Aber positiv ist, dass die Kommission öffentlichen Forderungen, den Mindestlohn auf über neun Euro zu erhöhen, nicht nachgekommen ist."

Fuest ist ein nicht-stimmberechtigtes Mitglied der Mindestlohn-Kommission. 


Die Grafik von Statista zeigt die Mindestlöhne ausgewählter EU-Staaten. 

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Anhebung dagegen als unzureichend. "Damit bleibt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland deutlich hinter denen der westeuropäischen Nachbarländer zurück", erklärte der Vorsitzende Frank Bsirske.

Der Handelsverband Deutschland dagegen nannte die Erhöhung ein "ökonomisches Experiment mit ungewissem Ausgang". In einigen Bundesländern würden die unteren tariflichen Löhne dadurch unter Druck gesetzt.

Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sprach von einer "Fortsetzung der Eingriffe in die Tarifautonomie". Der Beschluss mache erneut "überproportionale Anpassungen in gastgewerblichen Tarifverträgen erforderlich", kritisierte Dehoga-Präsident Ernst Fischer. Schon jetzt habe der Mindestlohn Kosten und Bürokratie verursacht.

Linken-Chef Bernd Riexinger kritisierte die Entscheidung als "schlechten Witz". Ein Lohn unter zwölf Euro pro Stunde schütze auch Vollzeitbeschäftigte nicht vor Armut im Alter. "Vielerorts reicht der Mindestlohn nicht zum Leben."

Entscheidung jenseits politischer Einflüsse

Für die nächste Anpassung in zwei Jahren gilt laut Kommission eine Besonderheit: Als Ausgangsbasis wird ein Mindestlohn von nur 8,77 Euro genommen - dies ist die Tarifsteigerung ohne Berücksichtigung des öffentlichen Dienstes. So soll verhindert werden, dass diese Einigung "doppelt" in die nächste Anhebung einfließt.

Zu der Kommission, die frei von politischer Einflussnahme entscheiden soll, gehören neben dem Vorsitzenden Jan Zilius jeweils drei Spitzenvertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zwei Vertreter der Wissenschaft haben beratende Funktion.

Der Einführung des Mindestlohns war eine jahrelange Debatte vorausgegangen. Vertreter von Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft hatten vor dem Verlust vieler Arbeitsplätze gewarnt. Dies ist aber bislang ausgeblieben. Seit Anfang des vergangenen Jahres gilt in Deutschland eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde.

Ausnahmen noch bis Ende 2017

Ausnahmen vom Mindestlohn gibt es für Langzeitarbeitslose - sie dürfen bis zu sechs Monate lang auf Antrag geringer bezahlt werden, was aber in der Realität kaum genutzt wird. Auch in einigen Berufszweigen - zum Beispiel bei Zeitungszustellern - gelten noch Branchen-Mindestlöhne, die unter den derzeitigen 8,50 Euro liegen. Diese werden aber bis spätestens 31. Dezember 2017 auf den dann geltenden gesetzlichen Mindestlohn angehoben.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Karriere > Löhne & Gehälter

shopping-portal