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Mindestlohn in Deutschland bleibt hinter anderen EU-Staaten zurück

Deutliche Anhebung gefordert  

Mindestlohn: Deutschland bleibt hinter EU-Staaten zurück

28.02.2018, 11:47 Uhr | AFP

Mindestlohn in Deutschland bleibt hinter anderen EU-Staaten zurück. Eine Kellnerin arbeitet in einer Bar: Die deutsche Untergrenze beim Mindestlohn sei mit 8,84 Euro niedriger als in den anderen westeuropäischen Euro-Staaten. (Quelle: Caroline Seidel/dpa)

Eine Kellnerin arbeitet in einer Bar: Die deutsche Untergrenze beim Mindestlohn sei mit 8,84 Euro niedriger als in den anderen westeuropäischen Euro-Staaten. (Quelle: Caroline Seidel/dpa)

Die Steigerung beim Mindestlohn in Deutschland bleibt hinter der Entwicklung anderer EU-Staaten zurück. In 19 der 22 EU-Mitgliedsländer, die über eine gesetzliche Lohnuntergrenze verfügen, sei diese 2017 oder zu Beginn des laufenden Jahres angehoben worden – in Deutschland nicht.

In Deutschland sei der Mindestlohn nicht nur nicht gestiegen – die Bezieher hätten wegen der Inflation sogar einen leichten Reallohnverlust erlitten, heißt es in einer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichten Vergleichsstudie.

Im Mittel der 22 untersuchten EU-Staaten habe das Plus beim Mindestlohn bei 4,4 Prozent gelegen, heißt es in der Studie des WSI-Instituts der Böckler-Stiftung. Nominal sei dies der zweitstärkste Wert seit 2009. Da die Inflation allerdings wieder anstieg, legten die Löhne real im Mittel nur um 2,8 Prozent zu.

Experten fordern deutliche Erhöhung

Mitte 2018 steht in Deutschland die Empfehlung der Mindestlohnkommission für die nächste Erhöhung an. Die Experten fordern eine deutliche Erhöhung über die allgemeine Tarifentwicklung hinaus. Es müsse "überlegt werden, ob die derzeit außerordentlich günstigen ökonomischen Rahmenbedingungen nicht dafür genutzt werden können, um das niedrige deutsche Mindestlohnniveau über die normale Anpassung hinaus auch strukturell zu erhöhen".

Bei einem "bloßen Nachvollzug der Tarifentwicklung" werde der deutsche Mindestlohn "deutlich unterhalb des Niveaus anderer westeuropäischer Staaten bleiben", schreiben die Studienautoren. Die deutsche Untergrenze sei mit 8,84 Euro niedriger als in den anderen westeuropäischen Euro-Staaten, wo der Mindestlohn bei mindestens 9,47 Euro liege.

13 EU-Länder kommen auf höhere Werte

Der deutsche Mindestlohn sei auch gemessen am allgemeinen Lohnniveau im Land eher moderat, schreiben die Forscher: Er liege hier bei 47 Prozent des mittleren Lohnniveaus. 13 EU-Länder kämen auf höhere Werte – unter ihnen Frankreich, wo der Mindestlohn bei 60,5 Prozent des mittleren Lohns liege.

Mindestlohnempfänger in Deutschland profitieren der Studie zufolge allerdings von dem im westeuropäischen Vergleich niedrigeren Preisniveau. Dennoch bleibe ihre Kaufkraft hinter den Benelux-Staaten und Frankreich zurück.

Nächste Anpassung 2019

In Deutschland gilt der gesetzliche Mindestlohn seit Anfang 2015. Er wird alle zwei Jahre angepasst. Anfang 2017 wurde er von 8,50 Euro auf 8,84 Euro erhöht. Die nächste Anpassung ist Anfang 2019 fällig. Es gibt aber auch branchenspezifische Mindestlöhne. So wurde der Mindestlohn für Gebäudereiniger und Dachdecker rückwirkend zum 1. Januar 2018 angehoben.

Nominell liegen die Lohnuntergrenzen in den südeuropäischen EU-Staaten deutlich niedriger als in Deutschland – zwischen 3,39 Euro in Griechenland und 4,46 Euro in Spanien. Etwas darüber liegt mit 4,84 Euro Slowenien.

Die deutlichsten Steigerungen erfuhr der Mindestlohn in mittel- und osteuropäischen Ländern, wo das Plus zum Teil zweistellig ausfiel – in Rumänien waren es sogar 52 Prozent. Allerdings ist hier auch das Ausgangsniveau sehr niedrig: So müssen der Studie zufolge in Polen jetzt umgerechnet mindestens 2,85 Euro pro Stunde bezahlt werden, in Tschechien 2,78 Euro und in Rumänien 2,50 Euro.

Verwendete Quellen:
  • AFP

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