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Bauern empört über Discount-Preise für Milch

Milchpreise  

Bauern empört über Discount-Preise für Milch

02.05.2008, 12:07 Uhr | AFP / T-Online, t-online.de

Glückliche Kühe, frustrierte Bauern (Foto: Imago)Glückliche Kühe, frustrierte Bauern (Foto: Imago) Die Milchbauern haben ihre Proteste gegen die starken Preisabschläge bei Milch fortgesetzt und erneut mit einem Lieferstopp gedroht. Der baden-württembergische Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte vor 1500 Milchbauern in Stuttgart: "Was Aldi und Co. mit uns bei den Preisverhandlungen über Milch machen, kommt einer Kriegserklärung gleich". Unter Beifall der Bauern sagte er: "Wir sind bereit zu kämpfen". Der massive Preisdruck treibe die Milchbauern in den Bankrott. Preissenkungen von bis zu 20 Prozent bei Milch würden die Bauern nicht hinnehmen. Der Deutsche Bauernverband kündigte weitere Proteste an.

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Bald keine frische Milch mehr?
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter drohte erneut mit einem Lieferstopp. "Es kann sein, dass die Verbraucher vor leeren Regalen stehen", sagte Sprecher Thorsten. "Wir kämpfen hier wirklich um unsere Existenz." Die 33.000 Mitglieder des Verbands steuerten mehr als 45 Prozent der deutschen Milchmenge bei. 88 Prozent der Mitglieder hatten sich für einen solchen Stopp ausgesprochen. Ein Zeitpunkt ist allerdings noch unklar. Zunächst soll es Gespräche zwischen den Milchbauern und der Milchindustrie geben. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte Sehm der "Berliner Zeitung".



Einzelhandel missbraucht mit Preissenkungen seine Marktmacht
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner wiederholte seine Warnung vor einer Existenznot der Milchbauern. Der neuerliche Verfall des Milchpreises sei "ganz klar existenzbedrohend für unsere Milchbauern", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er verwies auf gestiegene Futtermittelkosten. Sonnleitner hatte dem Lebensmitteleinzelhandel in der vergangenen Woche vorgeworfen, seine Marktmacht zu missbrauchen und in diesem Zusammenhang von "Raubtierkapitalismus" gesprochen.

(Grafik: dpa)(Grafik: dpa) "Preisverhandlungen sind noch nicht beendet"
Die Bauern wollen weiter protestieren und hoffen auf ein Einlenken des Handels. "Die Preisverhandlungen (zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel) sind noch nicht beendet", sagte Sprecher Michael Lohse. "Der Bauernverband steht nicht für exorbitante Preise, nur die Preise müssen kostendeckend sein in der Produktion." Einzelhandel und Molkereien hatten zuvor wegen eines Angebotsüberhangs sinkende Einkaufspreise vereinbart.

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Auch Edeka senkt Milchpreis
Die größte deutsche Supermarkt-Kette Edeka ist der Konkurrenz gefolgt und hat die Preise für Milchprodukte gesenkt. Der Rückgang sei "im Rahmen des Wettbewerbs" erfolgt, sagte ein Sprecher. Ein Liter frische fettarme Milch kostet aktuell 0,54 Cent. Begründet wird der Rückgang in einer Anzeige mit den deutlich gesunkenen Milchpreisen auf dem Weltmarkt. "Für Edeka ist es selbstverständlich, die niedrigeren Einkaufspreise direkt an die Kunden weiterzugeben." Die führenden Discounter Aldi und Lidl sowie die Supermarktkette Rewe hatten den Milchpreis Anfang der Woche bereits um zwölf Cent pro Liter zurückgenommen.

Zornige Milchbauern fordern Zusammenarbeit
Der baden-württembergische Bauernpräsident Rukwied sagte bei der Protestaktion, dass die Milchbauern derzeit "der Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels nicht gewachsen sind." Er forderte die Molkereien auf, enger zusammenzuarbeiten. Rund 75 Prozent der deutschen Molkereien sind nach Verbandsangaben in genossenschaftlicher Hand, gehören also den Bauern selber.

Beckstein warnt vor vorschnellen Entscheidungen
Unterdessen warnte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) trotz weltweiter Nahrungsmittelknappheit vor einer Produktionssteigerung in der Landwirtschaft. Wenn die Produktionsmengen erhöht würden, könne dies "sehr schnell" zu Preissenkungen führen, sagte Beckstein der Tageszeitung "Die Welt". Dies sei bereits bei der Milchquote zu beobachten gewesen, "und das hat vielen Bauern erheblich geschadet. "Ich kann nur davor warnen, vorschnell Entscheidungen zu fällen", sagte Beckstein.

Ministerpräsident fordert angemessene Preise
Die Lebensmittelkonzerne forderte Beckstein auf, den Bauern angemessene Preise für ihre Produkte zu zahlen: "Die Preise, die die Landwirte momentan erhalten, sind keineswegs so, dass sie große Sprünge machen könnten", sagte er.

Was passiert mit der Milch?
Die Frage ist nun was mit der Milch passiert? Die Milch werde „innerbetrieblich verwertet“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter gegenüber T-Online. So soll die Milch etwa an Kälber verfüttert oder als Dünger verwendet werden.

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