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Milchboykott: Milchbauern kämpfen für höhere Preise


Milchwirtschaft  

Boykott der Milchbauern

27.05.2008, 16:09 Uhr | dpa/ t-online, dpa, t-online.de

Proteste deutscher Milchbauern (Foto: dpa)Proteste deutscher Milchbauern (Foto: dpa) Deutschlands Milchbauern machen im Kampf um höhere Preise mobil: Aus Protest gegen die Molkereien wollen sie von diesem Dienstag an keine Milch mehr liefern. Das kündigte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, bei einer Kundgebung in Freising bei München an.

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Solidarität mit der Branche
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) erklärte sich mit der Branche solidarisch. Am Rande eines Treffens der EU- Agrarminister in Maribor sagte Seehofer: "Die Bauern haben meine volle politische Unterstützung im Kampf um diesen fairen Preis." Die Forderung nach 40 Cent je Liter sei gerechtfertigt. Er kündigte Widerstand gegen eine Erhöhung der Milchproduktion in der EU an, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern.

"Milch ist Macht"
Der Milchbauern-Verband empfahl sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Kindergärten, ausreichend Frischmilch einzukaufen, weil es zu Versorgungsengpässen kommen könne. Schaber machte klar, dass die Geduld der Milchbauern am Ende sei. "Es bleibt uns nur noch die Möglichkeit, unsere Milch als Druckmittel einzusetzen. Milch ist Macht, und wir haben die Milch", sagte er. In einer Befragung des Verbandes hätten sich fast neun von zehn Landwirten (88 Prozent) zu einem Lieferstopp bereiterklärt.

Folgen des Boykotts noch unklar
Unklar blieb zunächst, welche Folgen ein Boykott haben könnte. So wollte etwa der baden-württembergische Bauernverband nicht zum Lieferstopp aufrufen. Der BDM vertritt bundesweit rund 30 000 Produzenten. An der Kundgebung in Freising beteiligten nach Angaben des Verbandes 9000 Bauern, die Polizei sprach von 7000 Demonstranten.



Zahlreiche Demonstrationen
Auch im sächsischen Leppersdorf demonstrierten vor dem Werk der Sachsenmilch rund 1000 Bauern aus mehreren Bundesländern für höhere Preise. Sowohl Sachsenmilch als auch Weihenstephan gehören zur Unternehmensgruppe Theo Müller. Sachsenmilch-Geschäftsführer Stefan Müller sagte laut Mitteilung, derzeit stehe einer verringerten Nachfrage ein steigendes Angebot gegenüber.

Milchbauern am Existenzminimum
"Durch den Preisverfall stehen wir mit dem Rücken zur Wand", sagte Schaber nach Verbandsangaben. Die Bauern forderten die Molkereien auf, ihnen mindestens 40 Cent pro Liter zu zahlen. Nach Angaben des BDM liegt der Preis derzeit bei 27 Cent im Norden Deutschlands und 35 Cent im Süden. Durch die gestiegenen Energie- und Futterpreise wirtschafteten viele Milchbauern am Existenzminimum.

Idee des "Milchfonds"
Seehofer und Minister aus anderen EU-Staaten sperrten sich gegen die Kommission, die vom kommenden Jahr die Milchproduktion in Europa jährlich um ein Prozent ausweiten will. "Das halten wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht für richtig", sagte Seehofer, der für die deutsche Position und die Idee eines "Milchfonds" um Verbündete warb. Für Landwirte in schwierigen Lagen will er EU-Mittel lockermachen. Über die finanzielle Ausstattung des Fonds sagte er nichts. In Delegationskreisen waren mindestens zwei Milliarden Euro jährlich im Gespräch. Unterstützung fand Deutschland unter anderen bei Österreich, Finnland und Slowenien.



Chancen am Markt erhalten
Deutschland geht es vor allem darum, Milchbauern in den schwierig zu bewirtschafteten Bergregionen und anderen Randlagen eine Chance am Markt zu erhalten. Ende März 2015 läuft das Milchquotensystem aus, mit die EU seit den 80er Jahren erfolglos versucht, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Die EU-Kommission will mit der Erhöhung der Produktion der steigenden globalen Nachfrage vor allem in aufstrebenden Ländern Asiens nachkommen.

Begleitprogramm für die heimische Milchwirtschaft
Deutschland fordert im Gegenzug zur höheren Produktion ein Begleitprogramm für die heimische Milchwirtschaft. Österreichs Agrarminister Josef Pröll sagte, es dürfte kein Problem sein, einen Teil der jährlich nicht genutzten EU-Agrarmittel in die Milchwirtschaft umzuleiten. "Aber ich will auch frisches Geld", sagte Pröll.

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