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Bauern setzen auf europäische Solidarität


Milchboykott  

Bauern setzen auf europäische Solidarität

29.05.2008, 15:00 Uhr | dpa-AFX / AFP / t-online.de, t-online.de

Milchbauern wollen Protest ausweiten. (Foto: dpa)Milchbauern wollen Protest ausweiten. (Foto: dpa) Am zweiten Tag des Lieferboykotts der Milchbauern haben die Landwirte ihren Streik ausgeweitet. Mittlerweile hätten 95 Prozent der Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) die Lieferungen an die Molkereien eingestellt, sagte BDM-Sprecher Hans Foldenauer. "Die Milchlieferungen werden in den kommenden Tagen noch weiter zurückgehen, und das wird sich auch auf die Lieferungen an die Supermärkte auswirken. "Auch aus den europäischen Ländern erhielten die Bauern viel Zuspruch und Solidarität. Der BDM zeigte sich sicher, dass der Milchfluss aus dem Ausland deutlich eingedämmt werde.

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Europäische Länder unterstützen deutschen Protest
Milchbauernverbände aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Belgien, Luxemburg und Teilen Frankreichs haben ihre Unterstützung zugesagt. Mit Irland und Tschechien liefen Gespräche. Welche Ausmaße der Boykott letztlich annehme, werde sich erst in den nächsten Tagen zeigen. "Ich rechne aber damit, dass noch mehr Länder dazukommen", sagte BDM-Vize Stefan Mann der Frankfurter Rundschau.

Lieferausfälle nicht zu ersetzen
Die deutschen Milchbauern haben ihre Lieferungen an den Handel um bis zu ein Drittel der üblichen Menge gedrosselt. Das meldete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf erste überschlägige Schätzungen des BDM. Anders als vom Einzelhandel und der Milchindustrie dargestellt sei es nicht möglich, die Lieferausfälle durch den Boykott der Bauern einfach durch Aufkäufe in anderen Regionen oder im europäischen Ausland zu ersetzen. Auch dort hätten die Bauern feste Lieferverträge mit Molkereien, die sie nicht einfach umgehen könnten, sagte Hans Foldenauer.

Milchstreik bis Ende der Woche
Grund für den Lieferstreik sind die gesunkenen Milchpreise in den letzten Wochen. Der Milchviehalterverband, der nach eigenen Angaben die Interessen von rund 32.000 Bauern vertritt und dessen Mitglieder 45 Prozent der deutschen Milch produzieren, fordert daher einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter. Je nach Region werden gegenwärtig nur zwischen 27 und 35 Cent bezahlt. Der Milchstreik soll bis Ende der Woche andauern.



"Keine flächendeckende Aktivität"
Der Boykott der deutschen Milchbauern ist nach Angaben des Milchindustrieverbands in einigen Regionen durchaus wirkungsvoll. "Es gibt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, je weiter im Süden, desto größer sind die Ausfälle", sagte Verbandssprecher Michael Brandl. Während im Norden fast die übliche Menge angeliefert wurde, seien es in Südbayern bis zu 60 Prozent weniger als sonst gewesen. Versorgungsengpässe seien dennoch nicht zu befürchten: "Wir haben derzeit genügend Milch auf dem Markt, wir müssen nur den regionalen Ausgleich schaffen", sagte Brandl. Der Milchhandel gehe zudem über Ländergrenzen hinweg, und nach Informationen des Verbands gebe höchstens vereinzelte Aktionen, aber "keine flächendeckende Aktivität" anderer EU-Bauern.

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"Milch wegkippen ist eine Riesensauerei"
Zugleich kritisierte der Sprecher des Einzelhandelverbands HDE, Hubertus Pellengahr, den Milchstreik. "Milch wegzukippen, während Menschen hungern, ist ein Frevel und eine Riesensauerei. Der hohe Wert dieser Ware wird mit Füßen getreten", sagte Pellengahr dem Blatt mit Blick auf Berichte über die Praxis einzelner Bauern, überschüssige Milch durch Wegschütten zu entsorgen.



FDP fordert Steuerentlastungen
Die FDP forderte die Bundesregierung zu Steuerentlastungen für die Landwirte auf. Mit weniger Ökosteuern und Agrardiesel-Steuern für Traktoren könnte ein Ausgleich für die gestiegenen Energie- und Futtermittelkosten gefunden werden, sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann: "Ich fordere die Bundesregierung auf, neben der notwendigen symbolischen Unterstützung endlich die Rahmenbedingungen für die heimischen Milchbauern zu verbessern."

Ökosteuer: Belastungen von über 500 Millionen Euro
Allein die Ökosteuer belaste die deutsche Agrarwirtschaft Jahr für Jahr mit über 500 Millionen Euro. Zudem sollte eine weitere Erhöhung der Futtermittelkosten über Importbeschränkungen für gentechnisch veränderte Eiweißfuttermittel aus Übersee verhindert werden. "Alleine mit Symbolpolitik sind die Probleme der Milchbauern nicht zu lösen,"so Goldmann. Der Boykott sei aber das falsche Signal.


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