Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Unternehmen >

Automobilindustrie in Not: Die Branche will Hilfe vom Staat

Folgen der Rezession  

Autoindustrie in Not

28.10.2008, 20:15 Uhr | mfu, t-online.de, dpa-AFX

Deutschlands Autoindustrie steckt in der Krise (Foto: imago)Deutschlands Autoindustrie steckt in der Krise (Foto: imago) Die Automobilbranche wartet hierzulande mit einer Hiobsbotschaft nach der anderen auf. Nach Opel und Daimler kündigt auch BMW eine weitere Unterbrechung der Produktion an. Von dem fünftägigen Stopp in Bayern sind fast 40.000 Beschäftigte betroffen. Und die Krise bei den Großen schlägt weitere Wellen. Auch die Zulieferer geraten in Bedrängnis. Experten warnen vor einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschlands Schlüsselindustrie. Die Autobranche fordert nun Hilfen vom Staat. Doch die sind unter Experten umstritten.

Quiz - Kennen Sie dieses Auto-Logo?
VW, BMW & Co. - Wie gut kennen Sie Volkswagen?

Verheugen: "Wir befinden uns in einem tiefen Tal"

Vor einem massiven Stellenabbau in der Autobranche warnte auch EU-Industriekommissar Günter Verheugen. Der "Neuen Presse" aus Hannover sagte der SPD-Politiker: "Die Automobilindustrie erlebt einen Einbruch wie seit vielen, vielen Jahren nicht mehr." Namhafte Autoexporten wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sehen bereits die größte Autokrise seit dem Ölpreisschock 1973 heraufdämmern.



Gefährlicher Problem-Cocktail

Die Krise trifft eine der wichtigsten Branchen in Deutschland mit rund 758.000 Beschäftigten. Als belastend erweist sich derzeit vor allem der gefährliche Problem-Cocktail aus drohender Rezession, Klimadebatte, hohen Spritkosten und Verunsicherung der Verbraucher. Wie dramatisch die Situation wirklich ist, weiß derzeit wohl niemand. Viele Autobauer setzen daher auf Rabatte, deren Niveau im nächsten Jahr laut Experten von 16 auf 18 Prozent steigen könnte - das belastet die Gewinnmargen. Im Gegensatz zu den US-Konkurrenten haben Deutschlands Autobauer in den letzten Jahren aber bereits ihre Kosten gesenkt und Stellen abgebaut. So gehen BMW, Mercedes und Co. aus einer vergleichsweise starken Position in die Krise.

Hintergrund - Warum alle eine Rezession so fürchten

Zulieferer in Bedrängnis

Dennoch drosseln drosseln viele Hersteller schon jetzt, zu Beginn des Abschwungs, ihre Produktion und fahren die Zahl der Leiharbeiter zurück. Die Absatzkrise bei den Autobauern bringt auch zusehends die Zulieferer in Bedrängnis. Continental bremst an mehreren Standorten die Fertigung, in Regensburg sogar durch eine Vier-Tage-Woche. Weltmarktführer Bosch erwägt Kurzarbeit, viele Betriebe haben ihre Schichten heruntergefahren. Ferdinand Dudenhöffer sieht allein bei den deutschen Zulieferern bis zu 50.000 der 350.000 Jobs in Gefahr.

Milliardenhilfen vom Staat

2009 könnte die Lage in der hiesigen Autoindustrie noch dramatischer werden. Kein Wunder, dass der Ruf nach Vater Staat immer lauter wird: Nach den Milliardenhilfen für die notleidenden Banken verlangen nun auch die Autobauer öffentliche Unterstützung. Ob solche Hilfe wirklich nötig ist und ob sie ihr Ziel erreichen kann, ist höchst umstritten.

Umstrittene Staatshilfen

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert von der staatlichen KfW Bankengruppe zinsgünstige Kredite für Neuwagenkäufer. "Wenn sich die Märkte beruhigen und die Verbraucher langsam wieder Vertrauen fassen, dann können wir die Krise überwinden", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Solch staatliche Hilfen hält das Kieler Institut für Krisenforschung dagegen für falsch. "Das wäre eine unsinnige Reaktion auf einen normalen konjunkturellen Abschwung", sagt der Leiter und Volkswirt Frank Roselieb. "Man kann die Menschen nicht dazu verpflichten, ein neues Auto zu kaufen", meint auch der frühere BMW-Chefvolkswirt und heutige Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation, Helmut Becker. "Da kann man Ihnen noch so viel Geld in die Tasche stecken."



Trends verschlafen

Entscheidend ist nach Ansicht vieler Kritiker, dass die Autoindustrie die Umweltfrage verschlafen und die Entwicklung von Fahrzeugen mit geringem Verbrauch und Schadstoffausstoß vernachlässigt hat. "Statt jetzt nach Staatshilfe zu rufen, sollten sich die Autohersteller hinsetzen und zukunftsfähige Produkte entwickeln, die den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht werden", sagt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Wenn die Industrie serienmäßig neue Technologien wie Hybrid-Antriebe oder Elektroautos anbiete, werde der Knoten platzen. Die Hersteller stehen unter Druck der EU-Kommission, die bis 2012 den Ausstoß von Kohlendioxid bei Neuwagen im Flottenschnitt von derzeit 160 auf 120 Gramm reduzieren will.

Ruhe bewahren

Krisennavigator Roselieb empfiehlt daher der Bundesregierung: "Ruhe bewahren und nichts tun." Doch in Berlin brütet die Regierung schon eifrig über Hilfen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat auf die Forderungen der Autoindustrie hin zugesagt, für Klarheit zu sorgen. Entlastung soll die Neuordnung der Kfz-Steuer bringen, die künftig nicht mehr auf Basis des Hubraums, sondern des Schadstoffausstoßes umgestellt werden soll. Das könnte für die leidende Automobilindustrie wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken. Umweltfreundliche Neuwagen könnten sogar zwei bis drei Jahre lang ganz von der Steuer befreit werden. Um Entlassungen in der Autoindustrie zu vermeiden, erwägt Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD), das Kurzarbeitergeld länger zu bezahlen - dann könnten die Firmen Mitarbeiter behalten.

Mehr Themen:
Nutzfahrzeuge - Dramatischer Einbruch bei Volvo
Ranking - Was Europas Top-Manager verdienen
Marktbericht - So sieht's aktuell am deutschen Aktienmarkt aus

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Rohstoffe und Währungen

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deMadeleine
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Unternehmen

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: