Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Verbraucher >

Geldanlage: Anleger können sich gegen falsche Beratung wehren

Geldanlage  

Falsche Beratung: Anleger können sich wehren

04.11.2008, 16:23 Uhr | mash, t-online.de, dpa-tmn

Eine besorgte Anlegerin holt sich Rat (Foto: Archiv)Eine besorgte Anlegerin holt sich Rat (Foto: Archiv)Einer hat "die Hälfte" seiner Wertanlagen verloren, bei anderen sind 5000 Euro weg. Ein Betroffener aus Niedersachsen schreibt, er habe 24.000 Euro in Papiere der Lehman Brothers gesteckt - als "absolut sicher" und "mit Gewinngarantie" seien sie von seiner Bank angepriesen worden. Und eine 70-Jährige führt schon lange ihre Geschäfte bei ein und derselben Hausbank. Jetzt fühlt sie sich geprellt, denn wie bei vielen anderen Anlegern ist ein großer Teil ihres Ersparten in Lehman-Zertifikate gewandert - und vielleicht verloren.

Quiz - Welche Bank steckt hinter diesem Logo?
Richtig investiert -
Quiz - Wie gut kennen Sie internationale Geldscheine?

Verbraucherzentrale: "Haarsträubende Fälle"

Diese und viele weitere Fälle haben die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Hamburg in den vergangenen Wochen dokumentiert und jetzt veröffentlicht. Nach Einschätzung der Verbraucherschützer aus Düsseldorf sind es tausende Anleger, die nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank auf wertlos gewordenen Zertifikaten sitzen. Die Experten sprechen von einem "Vertrauensverlust" von Kunden und Banken - und von "haarsträubenden Fällen". Vor allem ältere Menschen seien betroffen.

An erster Stelle steht die Citibank

"Im Anlagegeschäft wurden mehrfach Risiken gezielt verharmlost oder gleich ganz ausgeklammert und Risikopapiere auf eine Stufe mit Spareinlagen gestellt", so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In einigen Beratungsprotokollen sei sogar notiert worden, dass Kunden von sich aus nach dem Risikopapier gefragt hätten - obwohl nach ihren Aussagen das Gegenteil der Fall war. "Ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf der Kunden wurde viel zu oft mit aggressiven Verkaufsmethoden das an Mann und Frau gebracht, was der Bank oder Sparkasse die höchsten Erträge sichert", sagte Vorstand Klaus Müller. Die meisten dokumentierten Fälle betreffen die Citibank.

Verbraucherzentrale - Klage gegen Citibank?
Rettungspaket - Privatbanken nehmen Staatshilfe an

Falsche Vermerke im Protokoll

Im Fall der Citibank habe scheinbar "ein System existiert, mit dem gezielt ältere Kunden aus sicheren Anlagen in die Risiko-Zertifikate gelockt wurden". Obwohl im Beratungsprotokoll ein hohes Sicherheitsbedürfnis der Kunden festgehalten wurde, habe man sie - so die Schilderungen der Betroffenen - zum Zertifikate-Kauf überredet und dann im Protokoll dokumentiert, dass dies auf ausdrücklichen Kundenwunsch geschehen sei, erläutert Müller.

Die Beweislast liegt beim Kunden

Die rechtliche Ausgangslage ist für die Betroffenen in der Regel schlecht. "Der Kunde muss beweisen: Da ist was Falsches für mich herausgesucht worden, ich wollte nur ganz sichere Papiere", erklärt Paul Assies, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Köln und Mitglied in der entsprechenden Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Anwaltvereins. Die Sicherheit bemisst sich nach seinen Worten in fünf Stufen: Stufe eins für sichere Einlagen wie Festgelder, Klasse zwei umfasse regelhaft Anleihen mit guter Bonität und andere festverzinsliche Wertpapiere sowie offene Immobilienfonds. Nach oben hin werde es dann risikobehafteter.

Bank sollte anlegergerecht beraten

Rechtlich gesehen wird die Bank vor Gericht nicht dafür zur Verantwortung gezogen, dass es eine bestimmte Entwicklung am Kapitalmarkt gegeben hat. "Das kann auch die Bank nicht absehen", sagt Assies. "Aber im Beratungsgespräch entsteht eine Verpflichtung - die Bank muss anleger- und anlagegerecht beraten." Das habe der Bundesgerichtshof schon 1993 entschieden (Az.: XI ZR 12/93). Der Kunde müsse also über das Risiko informiert sein. Und vor Gericht gehe es um die Prüfung, ob dieser Pflicht nachgekommen wurde, erläutert Assies, der vor allem Banken vertritt. Dafür sind konkrete Beweise notwendig, zum Beispiel ein Protokoll des Beratungsgesprächs. Aber auch die Werbung der Bank für das Produkt könne eine Rolle spielen.

Teil 2: Der größte Nachteil für Anleger

Mehr zum Thema:
Ratgeber - Bankberatung: Qualität hat ihren Preis
Finanzprodukte -
Spar-Strategien - Aktien lohnen sich immer noch
Gesundheitsfonds - Kassenwechsel lohnt derzeit nicht
Finanzkrise - Island braucht weitere Milliardenhilfe

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Verbraucher

shopping-portal