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War das die Flaute? Hoffnung auf Wachstum wächst

Konjunktur  

War das die Flaute? Hoffnung auf Wachstum wächst

09.07.2009, 23:12 Uhr | bv, dpa, t-online.de

Krise zu Ende? Geht es mit der Wirtschaft wieder aufwärts? (Quelle: imago images)Krise zu Ende? Geht es mit der Wirtschaft wieder aufwärts? (Quelle: imago images) In der Wirtschaft mehren sich die Anzeichen für ein Ende der konjunkturellen Talfahrt. Nachdem die Auftragseingänge in der Industrie bereits zum dritten Mal deutlich zulegen konnten, verbuchte nun auch das produzierende Gewerbe ein deutliches Plus von 3,7 Prozent. Es ist das zweitstärkste seit der Wiedervereinigung. Auch die Chemische Industrie sieht sich nach dem dramatischen Einbruch zu Beginn des Jahres an einem konjunkturellen Wendepunkt angelangt. Die Europäische Zentralbank (EZB) geht inzwischen von einer Stabilisierung aus, wobei die Unternehmen in den nächsten Monaten allerdings weiterhin nur zaghaft investieren dürften. Auch der Export lahmt: Im Mai waren die deutschen Ausfuhren um fast 25 Prozent eingebrochen.

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Ausfuhren verbessern sich leicht von April auf Mai

Die deutschen Unternehmen exportierten im Mai Waren im Wert von 60,7 Milliarden Euro, ein Minus von 24,5 Prozent im Vergleich zum Mai 2008. Die Importe beliefen sich auf 51,1 Milliarden Euro, was einem Minus von 22,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Allerdings lagen die Exporte im Mai um 0,3 Prozent höher als im April, während die Importe um 2,1 Prozent weniger wurden.

Industrieumsätze steigen kräftig

Die Umsätze in der deutschen Industrie sind derweil im Mai so stark gestiegen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Sie kletterten gegenüber dem Vormonat um 4,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Man darf allerdings nicht außer Acht lassen, dass der starke Anstieg auf einem sehr niedrigen Niveau basierte", sagte eine Statistikerin. Denn die Industrieumsätze lagen arbeitstäglich- und preisbereinigt noch immer um deutliche 19 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im April hatte das Minus im Jahresvergleich bei 23,3 Prozent gelegen.

EZB sieht Anzeichen für Stabilisierung

In ihrem Monatsbericht schreibt denn auch die EZB, der Frühindikator der OECD deute auf eine langsamere Abschwächung der Wirtschaftsleistung hin. Es sei noch zu früh, um von einem Wendepunkt zu sprechen. Außerhalb der OECD befänden sich noch viele Staaten in einer Rezession, das gelte allerdings nicht für China und Indien. Die EZB hofft auf die positiven Auswirkungen der milliardenschweren staatlichen Hilfsprogramme. Die Investitionstätigkeit der Unternehmen werde weiter gedämpft bleiben und einem Konjunkturaufschwung möglicherweise mit zeitlicher Verzögerung folgen. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) erwartet für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,5 Prozent und für 2010 um weitere 0,4 Prozent.

Krise wohl noch nicht zu Ende

Die entscheidende Frage ist damit, wann und wie stark es wieder aufwärts geht, und vor allem wie nachhaltig. War's das also schon mit der größten Wirtschaftsflaute der Nachkriegszeit? Wohl nicht. Noch ist sie beim Verbraucher nicht richtig spürbar angekommen. Kauf-Zurückhaltung ist daher wohl eher eine emotionale Reaktion auf die ständig wiederholten düsteren Prognosen denn auf tatsächliche finanzielle Einbußen, etwa durch den Verlust des Arbeitsplatzes zurückzuführen.

Deutschlands Wirtschaft schrumpft noch leicht

Das weltweite Wachstum von 2,5 Prozent, das der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2010 prognostiziert, gilt auch nicht für Deutschland. Hier werde die Wirtschaft nach gut sechs Prozent im laufenden auch im nächsten Jahr schrumpfen - um 0,6 Prozent. Für die Bundesregierung ist also keineswegs Entwarnung angezeigt. Da der Arbeitsmarkt in der Regel mit Verzögerung auf die Krise reagiert, dürfte die Vorhersage von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zutreffen, die Krise sei bis zur Bundestagswahl Ende September keineswegs ausgestanden. Noch können die Firmen Entlassungen in größerem Stil durch das Kurzarbeitergeld abwenden. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) räumte aber ein, dass diese Stützungsmaßnahme im Sommer und Herbst langsam ihre Wirkung verlieren werde. Die Zahl der Arbeitslosen steigt Schätzungen zufolge von jetzt 3,4 Millionen auf vier Millionen bis Ende des Jahres.

Wahlkämpfer werden vorsichtiger

Bei den Wahlkämpfern im Bund ist inzwischen eine gewisse Vorsicht bei Wahlversprechen zu erkennen. Obwohl der gestiegene Auftragseingang in der Automobilindustrie zu einem Gutteil der Abwrackprämie im Gesamtumfang von fünf Milliarden Euro zugeschrieben werden darf, stockt Berlin diese nicht auf, auch wenn sie schon lange vor dem Wahltag aufgebraucht ist. Auch Wahlversprechen wie Steuersenkungen auf Pump unterbindet die gesamtstaatlich verordnete Schuldenbremse. Die Union hat für ihre Steuersenkungspläne in der nächsten Legislaturperiode bewusst keine Frist gesetzt und auch die FDP betont inzwischen, die in Aussicht gestellten Steuerentlastungen von bis zu 35 Milliarden Euro kämen nicht in einem Schritt. Klar ist jedoch, dass die enormen Staatsschulden, die gegenwärtig aufgehäuft werden, ausschließlich durch Steuereinnahmen wieder getilgt werden können.

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