Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Konjunktur >

Schuldenkrise: Staatspleite wäre nicht das Ende

Schuldenkrise  

Ein Staatsbankrott ist nicht das Ende

01.07.2010, 17:59 Uhr | AFP, AFP

Einen Staatsbankrott will jedes Land möglichst vermeiden. Doch anders als meist bei einer Firmeninsolvenz bedeutet eine Staatspleite nicht das Ende: Sind bei einem Unternehmen die Konten überzogen, Kosten unbezahlbar und neue Kredite nicht in Aussicht, droht das Aus - bankrotte Staaten können sich jedoch darauf verlassen, dass es weitergeht.

Der Bankrott

Ein Unternehmen ist bankrott, wenn es weder Geld hat noch neues bekommt. Bei Staaten ist das anders: Meist können noch immer Kredite aufgenommen werden - wenn auch zu horrenden Zinsen wie das Beispiel Griechenland zeigt. Zudem gibt es etwa die Möglichkeiten, Staatsunternehmen zu verkaufen, Steuern zu erhöhen oder Pensionen kürzen. Erklärt ein Land also seinen Bankrott, ist es anders als ein Unternehmen nicht wirklich zahlungsunfähig - es ist zahlungsunwillig.

Der Insolvenzverwalter

Ein Pleiteunternehmen muss Tür und Bücher öffnen für einen Insolvenzverwalter, der vom Gericht bestellt wird. Der geht dann mit strengem Blick die Bilanzen durch und startet einen Kehraus, dem auch die Verantwortlichen für die Pleite zum Opfer fallen können. Bei bankrotten Staaten bleibt die Regierung an der Macht, auch wenn sie die Pleite zu verantworten hat - es sei denn, sie wird gestürzt oder bei der nächsten Wahl abgewählt. Auf jeden Fall muss ein Staat sich jedoch selbst darum bemühen, die Löcher in seinen Kassen zu stopfen. Und anders als Unternehmen finden Länder auch bei großen Finanzschwierigkeiten noch Geldgeber.

Die Direkte EU-Hilfe

Im aktuellen Fall einer drohenden Staatspleite bei Griechenland läge es nahe, dass die EU-Länder ihrem Partner zur Seite springen. Ein direktes Eingreifen der EU ist nach den Verträgen jedoch nicht möglich. Die Union und die Mitgliedsstaaten haften "nicht für die Verbindlichkeiten von Mitgliedstaaten", heißt es im Artikel 125 des Lissabon-Vertrags. Dies soll gewährleisten, dass die Euro-Länder für die Rückzahlung ihrer Schulden selbst verantwortlich bleiben und ihre Haushalte in Ordnung bringen. Weil direkte EU-Hilfen verboten sind, haben sich die Beteiligten darauf geeinigt, dass Griechenland bilaterale Kredite zu deutlich günstigeren Konditionen bekommt, als es eigentlich am Markt zahlen müsste.

Der Retter

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist der typische Retter für Länder in einer Finanzkrise. Er ist schnell in der Lage, Milliardenhilfen in Form günstiger Krediten zur Verfügung zu stellen - so geschehen in der Wirtschaftskrise bei Island, Ungarn und nun wohl auch bei Griechenland. Die Voraussetzung sind jedoch harte Sparauflagen: Der IWF prüft zunächst die finanzielle Lage des Bittstellers und verhandelt über die Bedingungen für ein Darlehen. Auf diese Weise will der IWF sichergehen, dass der Staat auf dem Weg zurück zu "dauerhaftem wirtschaftlichem Wachstum" ist. Die Darlehen werden in Tranchen ausgezahlt, dabei wird jeweils geprüft, ob das Land die festgesetzten Ziele zur wirtschaftlichen Erholung respektiert.

Die anderen Geldverleiher

Eine weitere Chance auf frisches Geld ist der Pariser Club. Dieser informelle Zusammenschluss von Industriestaaten entstand 1956 als Möglichkeit, Zahlungsprobleme verschuldeter Entwicklungsländer multilateral zu lösen. Unter den 19 Mitgliedern befinden sich neben Deutschland unter anderen die USA, Frankreich oder Japan. Über Umschuldungen oder Schuldenerlasse regelte der Club bislang Verpflichtungen in Höhe von 543 Milliarden Dollar (derzeit mehr als 407 Milliarden Euro). Zuletzt erließ der Club Afghanistan sämtliche Verbindlichkeiten. Die Zusagen des Pariser Clubs sind in der Regel daran geknüpft, dass das Gläubigerland mit dem IWF einen Plan zur Sanierung seiner Finanzen vereinbart hat.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal