Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Konjunktur >

Erdbeben Japan: Atomkatastrophe bedroht Weltwirtschaft

Japan-Beben bedroht die Weltwirtschaft

18.03.2011, 13:59 Uhr | cs mit dpa, t-online.de, dpa

Erdbeben Japan: Atomkatastrophe bedroht Weltwirtschaft. Das Erdbeben in Japan lässt auch die Weltwirtschaft zittern (Foto: imago)

Das Erdbeben in Japan lässt auch die Weltwirtschaft zittern (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Die Katastrophe in Japan könnte nach Ansicht des deutschen Top-Ökonom Dennis Snower weltweit zu Produktionsausfällen führen. "Es könnte zu Domino-Effekten kommen, die den gesamten asiatischen Raum erfassen", sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Da die japanische Wirtschaft eng mit den asiatischen Märkten verzahnt sei, könnten Lieferengpässe auch Konzerne auf anderen Kontinenten treffen. Fraglich sei, wie robust die globalen Lieferketten tatsächlich sind. Snower befürchtet, es gäbe viel zu wenig Zulieferer, die den japanischen Ausfall auffangen können. Betroffen wären dann wohl vor allem Autobauer und Elektronikkonzerne, denen schlicht die Teile aus Japan ausgehen. Doch nicht nur der Welthandel ist in Gefahr.

Konjunkturerholung in Europa in Gefahr

"Wenn sich an den Finanzmärkten Panik ausbreitet, gerät die Finanzierung von Investitionsprojekten und Handel in Gefahr. Das trifft dann auch die Konjunktur“, sagte der Konjunkturexperte Gustav Horn "Welt Online". Der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht bereits Gefahren für die Konjunkturerholung in Europa und Deutschland. Denn die anhaltende Talfahrt an den weltweiten Aktienmärkten könnte auch auf die Unternehmen umschlagen. Hält der Abwertungsdruck bei den Vermögenswerten an, müssten auch Konzerne Abschreibungen vornehmen.

Doch noch ist es nicht so weit. So sind die Angstindikatoren VIX und VDAX, die die Schwankungsanfälligkeit von Märkten abbilden, im Zuge der Japan-Katastrophe zwar deutlich angestiegen. Von den Höchstwerten zu Zeiten des Lehman-Crashs sind sie aber noch weit entfernt. Damals stand der VDAX bei rund 65 Punkten, heute notiert er bei etwas über 25. Selbst während des Ausbruchs der Schuldenkrise in Europa und der Rettung Griechenlands vor dem Bankkrott notierten die Angstindikatoren deutlich höher. So lange sich aber die Ereignisse in Fukushima überschlagen und noch nicht abzusehen ist, wie stark sich die Atomkatastrophe auf Japan und die Welt auswirken wird, ist unheimlich viel Nervosität im Markt.

Radioaktiver GAU würde Japans Produktion zum Erliegen bringen

"Käme es im Rahmen eines GAU zu einem massiven Austritt von Radioaktivität, wären schwerwiegende und nachhaltige Folgen für die japanische Wirtschaft zu erwarten", erklärte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise in einer Studie. Sollte der Großraum Tokio getroffen werden, kämen "große Teile der landesweiten Produktion zum Erliegen." Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan haben 36 Prozent der japanischen Firmen ihren Sitz in dem Großraum.

Ein Ausfall von Tokio hätte also verheerende Folgen für die Weltwirschaft: Angesichts der globalen Arbeitsteilung könnte die globale Produktionskette nachhaltig gestört werden. Vor allem China und Südkorea wären dann betroffen. Denn beide Staaten importieren besonders viel aus Japan. "Die Frage ist, wie robust diese Lieferketten sind." Viele Konzernchefs hätten bereits in Vergangenheit berichtet, die Lieferketten würden dünner. "Es gibt möglicherweise weltweit viel weniger Zulieferer als vor zehn Jahren. Japans Industrie arbeitet eng mit Firmen in Thailand, Malaysia, Taiwan oder China zusammen", erklärte Snower.

Fallen die japanischen Firmen länger aus, können auch die Konzerne aus den genannten Ländern nicht produzieren. Bekommt aber das rasante Wachstum in den asiatischen Ländern einen Dämpfer, müssten auch deutsche Unternehmen ihre Wachstumsziele überdenken. Vor allem dank des Booms in China waren die hiesigen Konzerne im vergangenen Jahr rasant gewachsen.

Computer-Industrie zittert

Nach Angaben des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) produziert Japan weltweit ein Zehntel aller elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnisse. Nach China und den USA ist das Land der drittgrößte Produktionsstandort. "Bei längerfristigen Produktionsausfällen könnte es zu weltweiten Lieferengpässen kommen, die dann Auswirkungen auf eine Vielzahl elektronischer Erzeugnisse hätten", warnte der ZVEI. Snower sieht die Chip-Industrie in Gefahr: "Es bedeutet einiges, wenn Chips aus Japan ausfallen", sagte der Ökonom in der "SZ".

Nach Ansicht des Autoexperten Christoph Stürmer könnten auch deutsche Autobauer unter Engpässen leiden, weil Zulieferer aus Japan nicht liefern könnten. Es bieten sich aber auch Chancen, wenn japanische Konzerne weiter zurückfallen. Heise geht davon aus, dass Wettbewerber die Schwächephase der japanischen Wirtschaft ausnutzen und ihr Marktanteile abnhmen. So könnte etwa die deutsche Autoindustrie von einer Schwächung der japanischen Stellung in Asien profitieren.

Vielzahl an Belastungsfaktoren für die Weltwirtschaft

Neben der Kette von Katastrophen in Japan hält gleich eine ganze Reihe an Krisenherden die Weltwirtschaft in Atem. Die Spannungen in Nordafrika und im Nahen Osten reißen nicht ab, die Sorge über die Schuldenkrise im Euroraum ist an den Märkten wieder voll aufgeflammt. Erst kürzlich stuften Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit von Portugal, Griechenland und Spanien herab. Zu allem Überfluss zieht weltweit die Inflation deutlich an - befeuert durch explodierende Rohstoffpreise.

"Dies sind unseres Erachtens gute Gründe für eine nicht allzu überschwängliche Einschätzung der globalen Wachstumsperspektiven 2011", schrieb Ökonom Heise. Er rechnet im Jahresdurchschnitt mit 3,4 Prozent Wachstum - nach 4,0 Prozent im vergangenen Jahr. Eine globale Rezession hält Heise aber für unwahrscheinlich - selbst wenn es in Japan zum schlimmsten aller denkbaren Szenarien kommen sollte. Bislang ist dieses Horrszenario nicht eingetreten. Bringen die Techniker die Atommeiler unter Kontrolle und halten die radioaktive Strahlung damit in Grenzen, dann dürfte der wirtschaftliche Schaden für Japan nicht so dramatisch ausfallen.

Die industriellen Zentren in Kobe und Yokohama sind noch intakt. So könnte s im Zuge des Wideraufbaus der zerstörten Regionen sogar zu einer Sonderkonjunktur vor allem im Bausektor kommen. "In der Krise nach dem Erdbeben in Kobe von 1995 haben die Japaner viele Investitionen im Ausland zurückgeholt und im Inland ihr Geld ausgegeben. So könnte es auch jetzt kommen - dann gibt es 2012 einen Aufschwung in Japan", sagte Snower. Doch voerst wird die Industrieproduktion erstmal kurzzeitig einbrechen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal