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Golf-Emirate: Mit Billig-Koriander gegen die Revolution

Revolution  

Mit Billig-Koriander gegen die Revolution

09.06.2011, 08:48 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Golf-Emirate: Mit Billig-Koriander gegen die Revolution. Eine tiefverschleierte Frau geht in Abu Dhabi einkaufen (Foto: dpa)

Eine tiefverschleierte Frau geht in Abu Dhabi einkaufen (Foto: dpa)

Ein voller Magen rebelliert nicht - das ist gegenwärtig das Motto der Politik in Abu Dhabi. Denn die Herrscher haben den Arabischen Frühling genau studiert: Waren nicht hohe Lebensmittelpreise ein Grund für die Revolte? Also haben die Scheichs die Preise für 400 Produkte per Gesetz gesenkt.

Es war fast wie zu Hause: "Sorry, hast du mal fünf Dirham für mich?" Der Mann stand auf der Scheich-Zayed-Street, in Uptown Abu Dhabi, und sah aus, wie alle aussehen, weißer Dischadascha und Kopftuch mit schwarzem Band. "Oder vielleicht auch 20? Für Essen?" Er machte die entsprechende Handbewegung, wie sie überall auf der Welt gemacht wird. Ein seltsamer Anblick. In Abu Dhabi ist Betteln etwa so üblich wie Fotos von der Queen im Bikini. Niemand hier bettelt, öffentlich zumindest.

Preissenkung per Gesetz

Um die Ärmsten bei Laune zu halten, hat die Regierung der Vereinigten Emirate jetzt eine Kampagne zur Preissenkung gestartet. Vor dem Ramadan, ab 1. Juli, sollen die Supermärkte Brot, Softdrinks, Süßigkeiten, Fleisch und Gemüse billiger anbieten. Auch dürften keine Gebühren für den Gebrauch von Kreditkarten erhoben werden.

Nach einem Treffen im Wirtschaftsministerium am Wochenende erklärten sich die Chefs der größten Handelsketten einverstanden: "Das geht natürlich von unseren Margen ab", meinte Shawqi Khalil Hassan, Einkäufer bei der "Union Co-operative". Aber er hoffe, dass der größere Umsatz während des Ramadan dies wieder wettmache. Erfahrungsgemäß wird während des Fastenmonats mehr gegessen als sonst im Jahr.

Bereits vor einigen Wochen waren die Preise für 400 Grundnahrungsmittel eingefroren worden. Seither stehen in "Carrefour" oder "Lulu Market" Tafeln, auf denen gezwungenermaßen mitgeteilt wird, dass ein Pfund Koriander-Pulver nicht mehr als fünf Dirham kostet.

Dubai ist reich - aber nicht jeder Bürger

Der Regierung ist nicht entgangen, dass die arabischen Aufstände auch durch die Kursanstiege auf den globalen Nahrungsmittelbörsen ausgelöst worden sind. Und ein voller Teller ist schließlich eine erprobte Methode von Counter-Insurgency. Niemand wird - das ist die Erfahrung von 40 Jahren Herrschaft in den UAE - auf die Straße gehen, weil er nur das dritthöchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt hat.

Aber so ist das mit Durchschnittswerten: Was die einen zu viel haben, haben die anderen deshalb noch lange nicht. In den ärmeren Emiraten Sharja, Ajman, Fujairah, Umm Al Quwain und Ras-al-Khaima bekommt nicht jeder zur Volljährigkeit ein Haus, wie es in Abu Dhabi Brauch ist.

Das schürt den Neid, und es mangelt in diesen Emiraten nicht an islamistischen Predigern, für die "Dubai" gleichbedeutend ist mit verwestlichter Verkommenheit und Gottesferne. Der Einfluss der "Salafiten", der von Saudi-Arabien und dem Iran geförderten Glaubensstrengen, ist eine der Hauptsorgen der emiratischen Sicherheitsdienste.

Eine Steuer auf Benzin? Das gäbe eine Revolution

Jeden Sommer bricht das Stromnetz in Sharjah zusammen, weil die Kraftwerke überlastet sind. Seit mehreren Tagen gibt es in den nördlichen Emiraten kaum noch Benzin an den Tankstellen. Angeblich, weil die Anlagen erneuert würden. Aber anders als Abu Dhabi, eines der ölreichsten Länder überhaupt, haben die kleineren Emirate keine Reserven mehr und müssen ihren Sprit zu Weltmarktpreisen kaufen, dem "Brent Crude", wie es in London gehandelt wird. Die (staatlichen) Treibstofffirmen verlieren also täglich Geld, wie Kate Dourian meint, die Expertin für den Mittleren Osten beim Informationsdienst "Platts": "Emarat und die beiden anderen wichtigen Benzinlieferanten Enoc und Eppco machen seit Jahren Verluste, weil sie ihre Produkte zu Weltpreisen kaufen und zu Preisen verkaufen, die von der Regierung unter dem Marktpreis festgesetzt sind."

Benzin kostet nur 33 Euro-Cents pro Liter

Ein Liter Benzin kostet in den Emiraten 1,72 Dirham pro Liter. Das sind etwa 33 Euro-Cents. Ökologisch ist das eine Katastrophe, politisch der einzig mögliche Weg. Schon ein Marktpreis von etwa 50 Cents würde heftigen Widerstand auslösen. Eine Steuer aufs Benzin - das wäre Revolution.

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