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Wie das Deutsche Rote Kreuz mit Blut handelt

Wie das Deutsche Rote Kreuz mit Blut handelt

05.07.2011, 18:45 Uhr | dapd, dapd

Wie das Deutsche Rote Kreuz mit Blut handelt. Die Devise des DRK: keine finanziellen Gewinne bei der Blutspende (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Die Devise des DRK: keine finanziellen Gewinne bei der Blutspende (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Wer beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Blut gespendet hat weiß, dass er danach Obst, belegte Brötchen und ein Glas Saft erwarten darf. Geld sieht er nicht - egal, wie oft er bereits da war. Die Organisation folgt seit 1980 den Prinzipien des "Ethischen Kodex", wonach die Blutspende freiwillig und unentgeltlich erfolgen muss. Das DRK folgt dem Grundsatz, dass mit Blut als einem menschlichen Organ keine finanziellen Gewinne gemacht werden dürfen. Blut darf nicht zur Handelsware werden, der einzige Antrieb eines Spenders soll Nächstenliebe sein.

Hohe Kosten beim Blutspende-Dienst

Ganz umsonst gibt das DRK die Konserven aber nicht weiter. Auch wenn die Spender nicht bezahlt werden, entstehen der Organisation doch Kosten, die sie durch Einnahmen decken will. Der Blutspende-Dienst West, ein Zusammenschluss der DRK-Verbände Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland, veröffentlicht diese Kosten- und Ertragsrechnung einmal pro Jahr. 2010 lag der Aufwand pro Vollblutspende - ein halber Liter - bei etwa 125 Euro.

"Das DRK ist ein Wanderzirkus"

Mehr als die Hälfte davon machten mit rund 73 Euro Blutentnahme, Spenderwerbung und das Organisieren von Terminen aus. "Das DRK ist ein Wanderzirkus", sagt DRK-Sprecher Friedrich-Ernst Düppe. Häufig reisten Mitarbeiter mitsamt der Ausrüstung übers Land, um Blutspendeaktionen zu organisieren. Herstellung, Präparation und die Aufteilung des Blutes in Komponenten kosteten 14 Euro, Laboruntersuchungen und Qualitätskontrolle 20 Euro. Lagerung, Vertrieb und Verwaltung hatten einen Anteil von etwa 17 Euro. Die Daten zu jeder einzelnen Spende werden 30 Jahre nach Blutentnahme dokumentiert. Pro Spende zahlt das DRK-West rund 1,30 Euro in Forschung und Entwicklung.

126 Euro Kosten je Blutentnahme

Die Kosten lässt sich der Dienst von Krankenhäusern, Unikliniken und Arztpraxen bezahlen. Unter dem Strich wird der Aufwand voll gedeckt: Die Gesamterlöse lagen im vergangenen Jahr bei 126 Euro je Blutentnahme. Die Spende wird jedoch in der Regel nicht komplett verkauft: Am häufigsten gebraucht und damit abgesetzt wird das Erythrozyten-Konzentrat, also die roten Blutzellen. Sie sind dann wichtig, wenn die Versorgung der Körperzellen durch großen Blutverlust gefährdet ist - also nach Unfällen oder bei Operationen. Eine Konserve Erythrozyten-Konzentrat hat der Blutspende-Dienst West im zurückliegenden Jahr für 82 Euro verkauft. Deutschlandweit kosten die roten Zellen pro Konserve im Schnitt 84 Euro.

Für das aus einer Blutentnahme gewonnene Plasma, das größtenteils für die Herstellung von Medikamenten verwendet wird, mussten Käufer 2010 rund 23 Euro pro Konserve zahlen. Frischplasma wurde für rund 9 Euro verkauft. Die Blutplättchen, das "Thrombozyten-Konzentrat" und wichtig für die Blutgerinnung, kosteten die Kliniken etwa 12 Euro je Konserve.

Gemeinnützigkeit beschränkt Profitstreben

Die Gemeinnützigkeit soll sicherstellen, dass Blutkonserven am Ende nur mit der Summe belastet werden, die für ihre Gewinnung, Untersuchung, Aufbereitung, Lagerung und Verwaltung entstehen. Laut Satzung ist es nicht erlaubt, dass die Einnahmen aus Blutspenden für andere DRK-Aufgaben verwendet werden.

Dank der überwiegend gemeinnützig organisierten Blutspende - das DRK deckt bundesweit 75 Prozent des Bedarfs an roten Blutzellen - gehören die Kosten für Blutkonserven in Deutschland zu den niedrigsten innerhalb der Europäischen Union. In Frankreich müssen Abnehmer 165 Euro pro Einheit Erythrozyten-Konzentrat zahlen, in den Niederlanden 189 Euro.

Günstige Preise entlasten Gesundheitssystem

Die Gemeinnützigkeit der DRK-Blutspende-Dienste trägt auch zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen bei: Die Preise für Blutpräparate werden über die Fallpauschalen oder Behandlungskosten von Ärzten und Krankenhäusern letztlich von den Krankenversicherungen getragen.

Private und Unikliniken entschädigen

Insofern können auch die vielen privaten Blutspende-Dienste, die etwa 5 Prozent des Bedarfs an roten Blutzellen liefern, keinen Gewinn mit den Konserven machen. "Wir können Blut ja nicht teurer an Krankenhäuser verkaufen als der DRK", erklärt Knud-Peter Krause, Chef bei Deutschlands größtem privaten Blutspende-Dienst Haema. Anders als das Rote Kreuz entschädigen die Privatunternehmen ihre Spender: Ab dem zweiten Mal wird in der Regel ein Betrag zwischen 15 und 20 Euro gezahlt.

Die Uniklinik Köln dankt bereits bei der ersten Spende mit einem Gutschein für die Warenhausketten Kaufhof oder Saturn in Höhe von 10 Euro. Für jede weitere Spende werden 25 Euro gezahlt. "Wir benötigen 700 bis 800 Blutkonserven pro Woche", erklärt Iris Loquai, verantwortlich für die Blutspendewerbung an der Uniklinik. Diese Menge werde nicht immer durch Eigenversorgung gedeckt. "Fehlen uns Konserven, müssen wir die beim DRK einkaufen."

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