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Euro-Rettung: Deutschland haftet mit bis zu 465 Milliarden Euro

Wenn alles schief geht, wird's enorm teuer

18.09.2011, 11:13 Uhr | dpa, dpa, t-online.de

Euro-Rettung: Deutschland haftet mit bis zu 465 Milliarden Euro. Euro-Rettungsschirm: Hohe Risiken für Deutschland (Quelle: imago images)

Euro-Rettungsschirm: Hohe Risiken für Deutschland (Quelle: imago images)

Die Haftung Deutschlands bei der Euro-Rettung ist offenbar deutlich höher als bisher angenommen. Es kursieren Zahlen von 400 bzw. 465 Milliarden Euro. Das sind deutlich mehr als die 306 Milliarden Euro, die der Bund nächstes Jahr auszugeben gedenkt. Bevor man über diese Zahlen schockiert ist, lohnt allerdings ein Blick auf das Zustandekommen der Berechnung.

"Die Euro-Krise wird für die deutschen Steuerzahler potenziell immer teurer", erklärte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) müsste Deutschland im äußersten Extremfall mit Garantien von bis zu 400 Milliarden Euro für den erweiterten EFSF einspringen.

Risiken plus Anleihen plus Schulden

Das Ifo-Institut legt bei seiner Berechnung nicht nur Risiken aus den aktuellen Hilfsprogrammen für wankende Euro-Staaten zugrunde. Zusätzlich berücksichtigen die Münchner Ökonomen die laufenden Staatsanleihen-Ankäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Weiterhin zählen sie Verbindlichkeiten der Krisenländer hinzu, die innerhalb des Eurozahlungssystems aufgehäuft wurden. Diese sogenannten Target-Salden interpretiert das Ifo-Institut nicht als normale Begleiterscheinung im laufenden Zahlungsverkehr des Eurosystems, sondern als faktische Hilfskredite für Krisenländer.

Die bisherige Bilanz der Rettungsmaßnahmen: Insgesamt werden die Hilfskredite für notleidende Euro-Staaten auf bislang 802 Milliarden Euro beziffert. Diese Summe steige mit den Gipfelbeschlüssen vom 21. Juli auf bis zu 1,7 Billionen Euro. Allein das deutsche Haftungsrisiko betrage 465 Milliarden Euro.

Weitere Haftungssummen

Neben den laufenden Hilfspaketen für Griechenland, Irland und Portugal berücksichtigt das Institut dabei die vollen Haftungssummen des Rettungsschirms EFSF sowie 143 Milliarden Euro für die von der EZB angekauften Staatsanleihen aus Krisenländern. Die laut Ifo-Institut "versteckten Target-Kredite" Griechenlands, Italiens, Portugals und Spaniens machen demnach 327 Milliarden Euro aus.

Sinn erklärte dazu: "Die Märkte beobachten die deutsche Beteiligung an den Rettungspaketen mit zunehmender Nervosität und verlangen immer höhere Versicherungsprämien für deutsche Staatspapiere."

Garantien im Extremfall

Laut "FAZ" kämen im Extremfall Garantien von bis zu 400 Milliarden Euro für den erweiterten EFSF auf Deutschland zu. Das berichtet das Blatt unter Berufung auf Berechnungen der Deutschen Bank. Danach würde sich unter Einschluss der Zinszusagen, die der Hilfsfonds eingeht, wenn er sich refinanziert, der eigentliche Garantierahmen im Extremfall verdoppeln. Das Bundesfinanzministerium sprach am Freitagabend in Berlin von "sehr hypothetischen Grundannahmen" und einem "unrealistischen Extremszenario".

Wenn alles schiefgeht...

Nach Informationen der dpa würde dieser Fall etwa eintreten, wenn ein Land die maximale Summe von EFSF-Hilfskrediten von 440 Milliarden Euro auf einen Schlag bekäme und es dennoch am nächsten Tag zahlungsunfähig würde. Auch enthalten die Berechnungen der Deutschen Bank zahlreiche Variablen.

Der EFSF-Garantierahmen soll im Zuge der vereinbarten Erweiterung auf 780 Milliarden Euro aufgestockt werden. Davon schultert Deutschland Bürgschaften in Höhe von 211 Milliarden Euro, einschließlich eines Risikopuffers könnten es bis zu 253 Milliarden Euro sein.

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