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Ökonom: "Europäer schaffen noch mehr Leichen"

Ökonom: "Europäer schaffen noch mehr Leichen"

23.12.2011, 22:20 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Ökonom:  "Europäer schaffen noch mehr Leichen". Volkswirt Daniel Gros kritisiert die verschärften Regeln für EU-Banken (Quelle: imago images)

Volkswirt Daniel Gros kritisiert die verschärften Regeln für EU-Banken (Quelle: imago images)

Die Europäer verschlimmern mit ihren strengen Regeln für Banken die Krise, warnt Bankenexperte Daniel Gros. Inzwischen sei es aber zu spät, um das Ruder herumzureißen. Auch staatliche Unterstützung kommt demnach nicht mehr rechtzeitig, um einige europäische Geldhäuser vor dem Aus zu retten.

Schärfere Vorgaben lösen neue Schocks aus

Die beschlossenen schärferen Vorgaben für das Eigenkapital der Geldhäuser erzielten den gegenteiligen Effekt. "Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen", sagte Gros, der das Centre for European Policy Studies (CEPS) leitet. "Die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 26. Oktober waren falsch", betonte Gros. Statt auf diese Weise die Institute gegen Schockwellen der Schuldenkrise zu wappnen, lösten sie neue Schocks aus.

Europas Staats- und Regierungschefs hatten im Oktober beschlossen, dass sich die Geldhäuser bis nächstes Jahr rund 100 Milliarden Euro besorgen müssen. Damit sollen sie sich gegen befürchtete Ausfälle von Anleihen wappnen, falls Staaten geliehenes Geld nicht zurückzahlen.

Amerika hat die Krise besser gemanagt als Europa

"Das hat noch mehr Leichen geschaffen und die Atmosphäre vergiftet", sagt der Ökonom. "Aber jetzt ist es zu spät." Im schlimmsten Fall könnten einige größere Banken zusammenbrechen - vor allem in hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland, die nur mit Mühe ihre Geldhäuser stützen könnten. "Die Banken könnten schon sterben, bevor das Geld vom Staat ankommt." In Amerika habe die US-Regierung die Krise besser gemanagt und die größten heimischen Institute zu Stresstests und - wo erforderlich - zu Kapitalerhöhungen und Staatshilfen gezwungen.

Wegen der Euro-Schuldenkrise fordert die europäische Bankenaufsicht EBA von den Geldhäusern, bis Sommer 2012 ihre harte Kernkapitalquote auf neun Prozent zu erhöhen. Dies soll die Banken auf negative Folgen der Krise vorbereiten. Denn je mehr Kapital eine Bank vorhält, desto mehr Verluste verkraftet sie.

Banken schrumpfen ihr Geschäft

Am einfachsten wäre es für die Banken, dafür neues Kapital an den Finanzmärkten einzusammeln. Doch dieser Weg ist vielen versperrt, weil Investoren derzeit einen großen Bogen um Geldhäuser machen. Somit bleibt ihnen nur, ihr Portfolio zu schrumpfen. Unter dem Druck stutzen derzeit viele Banken ihr Geschäft. Die Folgen: Firmen kommen schwerer an Kredit, Banken untereinander leihen sich auch kein Geld mehr. "Jeder ist sich selbst der nächste", sagte der Leiter des CEPS. "Die Schonfrist bis zum Sommer macht es noch schlimmer, weil sie den Banken zu viel Zeit gibt, ihre Aktiva runterzufahren."

Der Volkswirt kritisiert die Entscheidung der Europäer, für die Banken allenfalls nationale Garantien von den Staaten zu geben, aber keine europäischen. "Man hätte einen EU-Topf bereitstellen sollen mit europäischen Geld." Nun sei die Europäische Zentralbank (EZB) zum Handeln gezwungen, um die Liquiditätsklemme der Geldhäuser zu lösen.

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