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Rabattschlacht auf den Ozeanen

Rabattschlacht auf den Ozeanen

06.05.2012, 10:11 Uhr | t-online.de, dpa

Rabattschlacht auf den Ozeanen. In Kürze tauft die Reederei AIDA ihr neues Schiff "Aidamar" (Quelle: dapd)

In Kürze tauft die Reederei AIDA ihr neues Schiff "Aidamar" (Quelle: dapd)

Als im Januar vor der Insel Giglio die "Costa Concordia" auf Grund lief, versanken damit auch die Wachstumsfantasien einer ganzen Branche. Die Unglücksreederei Costa meldete Buchungsrückgänge um bis zu 80 Prozent. Auch Konkurrent Royal Caribbean geriet in den Strudel. Jetzt ziehen die Buchungszahlen bei Costa wieder an. Doch das Comeback der Kreuzfahrten ist teuer erkauft: Sie sind derzeit so billig wie nie zuvor.

Buchungen auf Vorjahresniveau

Costa gibt sich wieder optimistisch. "Wir liegen beim Buchungsvolumen auf dem Niveau des Vorjahres", sagte Vorstandschef Pier Luigi Foschi kürzlich in Venedig bei der Taufe des neuen Costa-Schiffs "Fascinosa". Auch Howard Frank, Verantwortlicher für das Tagesgeschäft beim Mutterkonzern Carnival, sieht "Licht am Ende des Tunnels".

Mini-Preise sollen Gäste locken

Doch die Wiederbelebung des Markts ist teuer erkauft - nicht nur wegen der Marketingaktivitäten, die nach dem "Concordia"-Untergang fast komplett eingestellt worden waren und jetzt wieder hochgefahren werden. 299 Euro für eine Woche Mittelmeer: Ein solcher Preis ist längst keine Seltenheit mehr.

Costa liegt nach Angaben von Frank zweistellig unter dem Preisniveau des Vorjahres. "Der Fokus liegt beim Marketing derzeit ganz klar beim Preis", sagte Frank in Venedig. Und auch andere Reedereien locken mit Sonderangeboten, um ihre Ozeanriesen vollzukriegen.

17 neue Kreuzfahrtschiffe geplant

Angesichts des rasanten Flottenwachstums ist diese Strategie nicht verwunderlich. Allein die deutsche Reederei AIDA, die ebenfalls zu Carnival gehört, plant bis zum Jahr 2016 vier neue Schiffe - mit der "Aidamar" wird am 12. Mai eines davon getauft. Weltweit sind laut Kreuzfahrtstudie des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in den kommenden drei Jahren 17 neue Schiffe geplant. Bei Costa kommt nach der "Fascinosa" 2014 wieder ein neues Schiff dazu.

Bei den Italienern gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Diskussionen über den Namen der Reederei. Ist dieser angesichts des "Concordia"-Unglücks mit 30 Todesopfern zu stark beschädigt? Foschi bekannte sich zur Marke: "Die Marke Costa wird weiterhin existieren und in Zukunft noch stärker sein als bisher", erklärte er der Nachrichtenagentur dpa. Als Beleg dafür zieht er die wieder anziehenden Buchungen heran. Auch Howard Frank prognostiziert Costa eine "hervorragende Zukunft".

Überwachungssystem soll Vertrauen der Kunden zurückgewinnen

Auf dem Weg dorthin präsentierte Foschi ein ganzes Maßnahmenbündel, wie er das Vertrauen der Kunden in Sachen Sicherheit wieder zurückgewinnen will. Dazu zählt unter anderem eine Stärkung der Kompetenzen der Offiziere im Verhältnis zum Kapitän. Sie sollen zum Beispiel bei der Wahl der Route mitsprechen dürfen. Daneben wird ein Echtzeit-Routen-Überwachungssystem installiert, das bei Abweichungen von der geplanten Strecke in der Costa-Zentrale Alarm schlägt.

Das alles hilft der "Concordia" und ihren Opfern nicht mehr. Das Schiff liegt weiterhin vor Giglio. Der Treibstoff sei mittlerweile komplett abgepumpt, so Foschi. In den kommenden Tagen will Costa zusammen mit Spezialfirmen das Wrack heben und die Spuren am Meeresgrund beseitigen. Innerhalb von neun Monaten soll das über die Bühne gehen. Ob die "Concordia" allerdings jemals wieder unter Costa-Flagge auslaufen wird, ist nach wie vor unklar.

Vorstandschef gibt Posten an derzeitigen Aida-Chef ab

Foschi wird all das nicht mehr als Vorstandschef erleben, er zieht sich mit 65 Jahren in den Aufsichtsrat zurück. Seinen Posten übernimmt ab Juli der derzeitige AIDA-Chef Michael Thamm. Bei der Taufe in Venedig war dieser überraschend ebenfalls anwesend. In seine Pläne für das Unternehmen ließ er sich jedoch nur wenig blicken.

Nur so viel: "Costa ist ein großartiges Unternehmen. Wir brauchen weiterhin neue Kapazitäten." Da ist er wieder, der Glaube an das Wachstum der Branche, das im Januar in den Tiefen des Meeres versunken zu sein schien.

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