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Schnüffel-Projekt der Schufa nach einem Tag gestoppt

Schnüffel-Projekt der Schufa nach einem Tag gestoppt

08.06.2012, 14:54 Uhr | AFP, dapd, dpa-AFX, t-online.de

Schnüffel-Projekt der Schufa nach einem Tag gestoppt. Die Schufa wollte die Nutzung von Facebook-Daten erforschen lassen - jetzt wurde das Projekt gestoppt (Quelle: dpa)

Die Schufa wollte die Nutzung von Facebook-Daten erforschen lassen - jetzt wurde das Projekt gestoppt (Quelle: dpa)

Die Datenpools sozialer Netzwerke wie Facebook haben Begehrlichkeiten bei der Schufa geweckt. Deutschlands größte Auskunftei für Finanzinformationen von Verbrauchern hatte das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI) beauftragt, entsprechende Projektvorschläge für die Sammlung und Nutzung öffentlicher Daten im Internet zu entwickeln, wie beide Seiten bestätigten. Für die Schufa sollte es um die Sicherung der "Qualitätsführerschaft" gehen, Daten- und Verbraucherschützer waren jedoch entsetzt und sprachen von einer "Grenzüberschreitung". Doch die wird es nun wohl nicht geben: Das HPI hat den umstrittenen Forschungsauftrag gekündigt.

"Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit" könne "ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden", erklärte HPI-Direktor Christoph Meinel am Freitag.

Berichten zufolge wollte die Schufa in dem am 1. April beim HPI eingerichteten Forschungsprojekt mit dem Namen "Schufa-Lab@HPI" Kontakte von Facebook-Mitgliedern auf Beziehungen zwischen Personen untersuchen. Damit wollte die Auskunftei auch die Kreditwürdigkeit der Verbraucher prüfen. Zudem sei die Analyse von Textdaten denkbar, um "ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln", hatte es geheißen.

Schufa als Datenkrake

Ebenso hätten die Wissenschaftler untersuchen sollen, wie die Schufa über eigene Facebook-Profile oder Zugänge zum Kurznachrichtendienst Twitter verdeckt an "Adressen und insbesondere Adressänderungen" anderer Nutzer gelangen kann. Auch Personensuchmaschinen wie Yasni, Geodatendienste wie Google Streetview oder Mitarbeiterverzeichnisse von Unternehmen könnten Daten liefern. Angedacht war auch die "automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten".

Die Schufa wollte die Daten in einem Pool zusammenfassen, um sie für "existierende und künftige Produkte und Services" einzusetzen. Ziel war es, "Chancen und Bedrohungen für das Unternehmen zu identifizieren und zu bewerten."

HPI und Schufa sprechen von Grundlagenforschung

Ein Sprecher des HPI sagte, der NDR zitiere "eine lange Ideenliste, die aber kein Projektplan ist. Der wird erst noch festgelegt". In dem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt sollte es auch um die Frage gehen, was ethisch vertretbar und nach geltendem Datenschutzrecht erlaubt sei.

Schufa-Vorstand Peter Villa sagte dem NDR, das Unternehmen wolle sich "durch wissenschaftlich fundierte Ergebnisse langfristig die Qualitätsführerschaft unter den Auskunfteien in Deutschland sichern". In der Sammlung der Projektideen hieß es, es handele sich lediglich um "Grundlagenforschung", die man zudem nach "höchsten ethischen Maßstäben" betreibe. "Es sind Daten, auf die jeder Mensch auf der Welt zugreifen kann", ergänzte ein Schufa-Sprecher noch am Donnerstag.

Datenschützer waren alarmiert

Bei Datenschützern stießen die Pläne auf heftige Kritik und rechtliche Bedenken. "Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension", sagte der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert zu NDR Info. Hinter einem solchen Forschungsprojekt stecke immer eine Absicht. Er zweifle daran, dass eine Umsetzung der Projektideen rechtlich haltbar sei.

Ähnlich äußerte sich Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wenn die privaten und persönlichen Datensammlungen zusammengeführt und ausgenutzt würden, wäre das hochgefährlich, sagte Castello. Sie sprach von einer "Grenzüberschreitung".

Justizministerin fordert detaillierte Auskünfte

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte die Pläne der Schufa kritisiert. Sie warnte das Unternehmen davor, Nutzer von Facebook und Twitter zu durchleuchten, um ihre Kreditwürdigkeit zu prüfen. "Es darf nicht sein, dass Facebook-Freunde und Vorlieben dazu führen, dass man zum Beispiel keinen Handy-Vertrag abschließen kann", sagte Leutheusser-Schnarrenberger zu "Spiegel Online".

Die Ministerin forderte, die Schufa müsse ihre Pläne genau offenlegen. "Welche Daten dazu führen, ob jemand als zahlungsfähig eingestuft wird, ist jetzt schon umstritten. Die Einstufung der sogenannten Zahlungsfähigkeit muss endlich vollständig nachvollziehbar werden." Parteikollege Rainer Brüderle sagte "Spiegel Online", soziale Netzwerke gehörten wie der Freundeskreis zur Privatsphäre und dürften daher von der Schufa nicht angezapft werden.

Internet-Witze über die Schufa-Pläne

In den von der Schufa ins Visier genommenen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter versuchten Nutzer umgehend scherzhaft ihre Schufa-Einträge zu verbessern, indem sie mit vermeintlichem Reichtum protzten. "Dagobert Duck leiht sich Geld von mir", schrieb ein Twitter-Nutzer. "Vermisse meine Yacht und mein Haus in St. Tropez. Vielleicht sollte mein Privatjet mal wieder abheben", meinte ein anderer unter dem Hashtag "twittern für die Schufa", das schnell zu einem der beliebtesten Themen des Online-Netzwerks wurde.

Andere Nutzer gaben sich augenzwinkernd besorgt. "Ich finde die Schufa wirklich toll und bin sehr glücklich über mein immer ausgeglichenes Konto", hieß es beispielsweise. "Meine Bank hat mich gestern angerufen und gesagt, ich müsste ein neues Konto eröffnen... das alte wäre voll", kommentierte ein Facebook-Nutzer.

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