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Trinker-Wut in den USA durch Whisky-Streckung

Whisky-Boom: Maker’s Mark verärgert seine Fans durch Streckung

14.02.2013, 16:30 Uhr | dapd, t-online.de - sky

Trinker-Wut in den USA durch Whisky-Streckung. Maker's Mark verärgert seine Fans (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Welt trinkt wieder mehr Whisky (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Unerhört: Der US-Brenner Maker’s Mark streckt seinen Bourbon mit Wasser. Der Alkoholgehalt sinkt nun von 45 auf 42 Prozent. Denn der weltweite Whisky-Absatz zieht an, da vor allem in China, aber auch in Russland die Nachfrage rasant steigt. Auch in Europa und in den USA erlebt der Drink eine Renaissance. Viele edle Brände erzielen daher Top-Preise. Noch ist so etwas von anderen Herstellern nicht bekannt. Die Episode aus dem amerikanischen Süden ist aber exemplarisch für den aktuellen Boom und die Nöte der Destillen.

Fans von Maker's Mark sind entsetzt

Maker’s Mark ist zwar keine Edelmarke, aber sie ist doch traditionsreich: Gegründet wurde sie 1889 als Burk’s Distillery im Dörfchen Loretto im US- Bundesstaat Kentucky. Seit drei Generationen wird das Unternehmen von der Familie Samuels geführt. Eine Flasche der Marke kostet in Deutschland rund 22 Euro, das ist rund die Hälfte von edlen Single Malts aus Schottland.

Die Fans des US-Feuerwassers reagierten entsetzt auf das Strecken: "Ich kann mir überhaupt keinen besseren Weg vorstellen, um den Ruf Ihrer Marke kaputt zu machen", wettert etwa Don Warshaw aus New Jersey auf der Facebook-Seite des Spirituosenherstellers. "Unsere Großväter waren der Ansicht: Unser Name ist, was zählt. Sie haben Ihren gerade ruiniert."

US-Destille unterschätzt die Nachfrage

Tut uns furchtbar leid, wir sind ein Opfer unseres Erfolgs, kommt es aus der Geschäftsführung zurück. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren geradezu explodiert, die Produktion habe nicht mehr Schritt gehalten, begründet der ehemalige Vorstandschef Bill Samuels, der inzwischen im Ruhestand ist, die Entscheidung. Durch die Senkung des Alkoholgehalts um drei Punkte konnte die Firma die Abfüllmenge um etwa fünf Prozent erhöhen.

Sechs Jahre dauert es, bis die Spirituose aus 70 Prozent Maismaische und 30 Prozent Malz aus Gerste und Weizen im Fass greift es. Vor sechs Jahren aber habe Maker’s Mark den heutigen Boom nicht vorhergesehen und einfach nicht genug produziert. "Ich war der Marketingchef und habe die Entwicklung verpennt", gibt sich Samuels zerknirscht.

Tatsächlich verkaufte sich der Brand zuletzt überdurchschnittlich: Nach Zahlen des Nationalen Rates für Spirituosen der USA ist der Absatz von Maker’s Mark im vergangenen Jahr um 18 Prozent gestiegen. Im Branchendurchschnitt betrug 2011 der Zuwachs lediglich sieben Prozent.

In einem Radiointerview mit dem Sender WFPL in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky ergänzte Bill Samuels, mit seinem Sohn habe er die Möglichkeiten eingehend diskutiert. Die Alternative zur Verärgerung der Fans durch das Strecken des Whiskeys sei die Verärgerung der Kunden gewesen, die nach Bestellungen leer ausgegangen wären. Die Brennerei habe auch die Preise nicht bis über die Möglichkeiten ihres Kundenkreises hinaus erhöhen wollen.

Empörung überall

"Ich habe mit einem Barkeeper gesprochen, der richtig wütend auf uns war, weil in seiner Bar in einem neu eröffneten Hotel in South Beach keinen Maker’s Mark anbieten konnte", berichtete Samuels. Die Telefone hätten während der vergangenen drei oder vier Monate nicht mehr aufgehört zu klingeln. Anrufer aus fast jeder Stadt in den Vereinigten Staaten, wo der Whiskey aus den Regalen verschwunden sei, hätten die Leitungen lahmgelegt, ob sie nun aus weit entfernten Orten in Kalifornien oder aus dem Schnapsladen fünf Minuten Fußweg entfernt von der Destillerie angerufen hätten.

In einer Rundmail versuchte Samuels die Maker’s-Mark-Gemeinde zu beruhigen: Selbst professionelle Whiskey-Verkoster könnten den Unterschied zwischen dem Getränke mit 45 und dem mit 42 Prozent Alkohol nicht schmecken. "Wir sind sicher, wir haben euren Whiskey nicht verkorkst", schrieb er. Andere Whiskey-Hersteller zeigen Verständnis für Samuels‘ Dilemma. "Wenn Ihnen die Vorräte ausgehen, können Sie nicht viel machen", meint Jim Rutledge, der Chefdestillierer von Four Roses Bourbon in Lawrenceburg im US-Bundesstaat Kentucky.

Kein Unterschied erkennbar

Nach Auffassung von Tom Fischer, der das Spezialportal bourbonblog.com betreibt, könnten Kenner, die den Bourbon pur trinken, den Unterschied möglicherweise schmecken. "Aber die meisten Menschen trinken ihren Bourbon nicht unvermischt, also merken sie auch nichts", fügte er hinzu.

"Meistens trinkt man ihn in einem Manhattan, in einem Old Fashioned, oder on the rocks," zählte Fischer die Art von Drinks auf, die in den Vereinigten Staaten während der vergangenen Jahre wieder an Popularität gewonnen haben.

Auch große Spirituosen-Konzerne wie Diageo oder LVMH spüren die starke Nachfrage und expandieren daher rapide. Die beiden genannten Branchengrößen haben in den vergangenen Jahren mehrere darbende Destillen in Schottland gekauft und saniert.

Zum Abschluss noch eine Begriffsklärung: Ein Bourbon ist ein Brand, der mindestens aus 51 Prozent Mais besteht. Die Bezeichnung stammt vom Bourbon County in Kentucky. Schottischer Whisky aus gemälzter Gerste nur einer Destille nennt sich Single Malt. In den USA wird ein y im Wort Whiskey eingefügt.

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