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Zypern: bis zu 40 Prozent Sonderabgabe auf Guthaben


Zypern: bis zu 40 Prozent Sonderabgabe auf Guthaben

27.03.2013, 08:33 Uhr | AFP, dpa, dapd

Zypern: bis zu 40 Prozent Sonderabgabe auf Guthaben . Kunden bei der größten Geschäftsbank Zyperns haben es derzeit nicht leicht (Quelle: dapd)

Kunden bei der größten Geschäftsbank Zyperns haben es derzeit nicht leicht (Quelle: dapd)

Für Sparer in Zypern dürfte diese Nachricht der nächste Schock bedeuten: Wie die Zentralbank des Landes mitteilte, werden Guthaben von über 100.000 Euro bei der größten Geschäftsbank Zyperns, der Bank of Cyprus, mit einer einmaligen Abgabe von bis zu 40 Prozent belastet. Auch in Deutschland wächst die Angst von Sparern um deren Rücklagen. So mancher dürfte das Geld deshalb lieber ausgeben als zur Bank zu tragen, erwartet Rolf Bürkl vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK. Dies könnte den Konsum stützen.

Damit wurden erstmals entsprechende Schätzungen offiziell bestätigt. Zentralbankgouverneur Panicos Demetriades sagte, die genauen Zahlen würden noch berechnet, es seien aber ungefähr 40 Prozent.

"Unversicherte" Einlagen betroffen

Nach Angaben aus Regierungskreisen betrifft die Abgabe rund 19.000 Kunden der Bank of Cyprus, die "unversicherte" Einlagen von rund acht Milliarden Euro halten. Als versichert gelten Guthaben bis 100.000 Euro. Unversicherte Einlagen bei der Laiki Bank in Höhe von 3,2 Milliarden Euro dürften nach Schätzungen aus Regierungskreisen fast vollständig der Zwangsabgabe zum Opfer fallen.

Am Donnerstag sollen in Zypern die Banken wieder öffnen. Um einer umfassenden Kapitalflucht vorzubeugen, sind Abhebungen aber auf 100 Euro pro Tag begrenzt.

Angst deutscher Sparer könnte Konsum antreiben

Derweil könnte die Verunsicherung durch die in Zypern diskutierte generelle Zwangsabgabe auf Bankguthaben deutsche Sparer nach Ansicht des Konsumforschers zum Geldausgeben bewegen. "Die Verbraucher fürchten auch in Deutschland um ihre Ersparnisse", sagte Bürkl unter Verweis auf mehrere Umfragen, nach denen rund die Hälfte der Bürger Angst um ihr Erspartes hat.

"Da ist davon auszugehen, dass die Sparneigung einen weiteren Rückschlag erleiden wird. Und das könnte auf der anderen Seite dem Konsum zugutekommen - dass sich Verbraucher also noch stärker für Anschaffungen entscheiden statt zu sparen."

Trend geht zu größeren Anschaffungen

"Der Effekt könnte sein, dass sich eine Reihe von Sparern nach alternativen Anlagenformen umsieht. Das beginnt bei Immobilien und geht über Edelmetalle hin zu werthaltigen Anschaffungen", erläuterte Bürkl in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem, wenn der Arbeitsmarkt weiter stabil bleibe und dadurch Planungssicherheit herrsche, dürften die Menschen ihr Geld vermehrt in den Konsum stecken.

Schon seit längerem zeigt sich in Deutschland der Trend, dass die Verbraucher lieber größere Anschaffungen tätigen, als ihr Geld gegen historisch niedrige Zinsen auf die Bank zu tragen.

Für Verbraucher sind eigene Rahmenbedingungen entscheidend

Die GfK rechnet deshalb auch weiterhin mit einem Zuwachs des privaten Konsums um ein Prozent in diesem Jahr - auch wenn die Wirtschaftsweisen Anfang der Woche ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft von 0,8 auf 0,3 Prozent reduzierten. Bislang hätten solche Nachrichten auf das Einkaufsverhalten der Deutschen keinen Einfluss gehabt, begründete Bürkl.

Die einander zum Teil auch widersprechenden Expertenprognosen spielten für das individuelle Kaufverhalten nur am Rande eine Rolle, erläuterte er. "Für den Verbraucher sind die Rahmenbedingungen, die ihn selbst betreffen, entscheidend. Das sind der Arbeitsmarkt, das ist die Einkommensentwicklung, das ist die Inflation." Und diese Variablen seien in Deutschland derzeit gut und robust.

"Modell Zypern nicht auf ganz Europa übertragbar"

Auch wenn man hinsichtlich dieser Prognosen zumindest einen positiven Aspekt herausstellen könnte, hält die Debatte über das Krisenmanagement der Eurozone weiter an. Führende Politiker der Unionsfraktion im Bundestag wandten sich gegen eine generelle Beteiligung reicher Sparer an der Rettung angeschlagener Banken im Euroraum.

"Das Modell Zypern lässt sich nicht einfach eins zu eins auf ganz Europa übertragen, Zypern ist ein Spezialfall", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister der "Rheinischen Post". In Zypern gehe es nicht um eine einzelne Bank, sondern um einen übergroßen Bankensektor, der schrumpfen müsse.

Auch der haushaltspolitische Sprecher der Fraktion, Norbert Barthle, lehnt eine Übertragung des zyprischen Falls auf die EU ab. "Ich habe größte Bedenken, das Vorgehen in Zypern zum Modell für ganz Europa zu machen, das könnte das Bankensystem in Europa nicht verkraften", sagte er der Zeitung.

Ein einmaliges Vorgehen

Frankreichs Präsident François Hollande unterstrich bei einer Pressekonferenz mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy in Paris, die Einlagensicherung sei ein "unbedingtes Prinzip". Was in Zypern geschehe, sei "besonders und einmalig", sagte er.

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