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Euro-Krise: Haben Star-Ökonomen bei Studie gepfuscht?

Euro-Rettung: Haben Star-Ökonomen gepfuscht?

19.04.2013, 08:05 Uhr | t-online.de, dpa

Euro-Krise: Haben Star-Ökonomen bei Studie gepfuscht?. Ist ein harter Sparkurs der falsche Weg aus der Euro-Krise? (Quelle: imago/McPHOTO)

Ist ein harter Sparkurs der falsche Weg aus der Euro-Krise? (Quelle: imago/McPHOTO)

Das hat den Euro-Rettern noch gefehlt: Datenpannen und Zweifel an der Methodik erschüttern das Vertrauen in die wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf die sich ihr Krisenmanagement stützt. Die Diskussion, ob drastische Budgetkürzungen Volkswirtschaften im Abwärtssog helfen oder sie weiter fallen lassen, erhält neues Futter. Denn eine einflussreiche Studie, mit der Forderungen nach radikalen Sparmaßnahmen in Krisenländern begründet wurden, steht massiv in der Kritik. Es geht um eine entscheidende Frage: Wann sind die Schulden so hoch, dass sie ein Land wirtschaftlich abwürgen?

Experten in der Kritik

Unter Beschuss steht die These zweier Star-Ökonomen: Staatsschulden in Höhe von mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verhindern Wachstum, erdrücken also die Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kamen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart von der US-Eliteuniversität Harvard. Deshalb sollte die Quote unbedingt unter dieser Schwelle gehalten werden, lautet das Fazit ihrer Analyse.

Aufgegriffen wurden die Argumente von Euro-Politikern wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) oder Währungskommissar Olli Rehn, um die umstrittenen Sparauflagen gegenüber hilfsbedürftigen Mitgliedsländern zu rechtfertigen. Nun aber heißt es: Rogoff, ehemals Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), und Reinhart sollen gepfuscht haben.

Triumph für Gegner der Sparpolitik

Das behaupten die Fachkollegen Thomas Herndon, Michael Ash und Robert Pollin von der Universität von Massachusetts. Sie haben die Modelle nachgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Schuldenquote von mehr als 90 Prozent die Wirtschaft eben nicht - wie von Rogoff und Reinhart ermittelt - schrumpfen ließ, sondern im Schnitt sogar ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent ermöglichte. Gegner der strikten Sparpolitik triumphierten. "Ich habe nie an die Ergebnisse geglaubt", schrieb etwa der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman in seiner Kolumne in der "New York Times".

Die beiden Harvard-Professoren haben bereits Pannen bei der Dateneingabe in das Computerprogramm Excel eingeräumt. Doch diese Rechenfehler machen anscheinend nur einen kleinen Teil der Abweichungen aus. Die Kritik der Fachkollegen wiegt schwerer: Datensätze und historische Zeitfenster, die wohl nicht zur These passten, sollen nicht berücksichtigt worden sein.

Image der Wirtschaftswissenschaften leidet

Rogoff und Reinhart wehren sich gegen diese Vorwürfe, wollen sich aber intensiv damit auseinandersetzen. Das Vertrauen in ihre Arbeit hat schon jetzt gelitten. Das Image der Wirtschaftswissenschaften, denen viele Kritiker vorwerfen, bereits das Aufziehen der Finanz- und Schuldenkrise verschlafen zu haben, erhält weitere Risse. Was aber bedeutet das Schlamassel für das weitere Krisenmanagement im Euro-Raum?

Nicht viel, meint US-Ökonom Tyler Cowen, Professor an der George Mason University: Die Forderung nach strikter Sparpolitik beruhe nicht in erster Linie auf der Studie von Rogoff und Reinhart, sondern vielmehr auf dem einfachen Gedanken, dass Rechnungen eben bezahlt werden müssten.

Krisenstaaten bekommen mehr Zeit

Die Kollegen hätten stets betont, dass der ermittelte Zusammenhang zwischen Staatsschuldenquote und Wachstumspotenzial nicht die Regel sein müsse. Was die Euro-Rettung angeht, scheint ohnehin langsam ein Umdenken stattzufinden. Nachdem sich das radikale Kürzungsprinzip etwa in Griechenland als verfehlt erwiesen hat, sollen Euro-Krisenstaaten wie Irland, Portugal und Spanien jetzt mehr Zeit erhalten, um ihre Schuldenberge abzubauen.

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