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Verteidigungsministerium: Aus für Aufklärungsdrohne Euro Hawk

Aus für Aufklärungsdrohne Euro Hawk

14.05.2013, 16:24 Uhr | t-online.de, dpa

Verteidigungsministerium: Aus für Aufklärungsdrohne Euro Hawk. Der Drohne Euro Hawk fehlt wichtige Sicherheitstechnik (Quelle: dpa)

Der Drohne Euro Hawk fehlt wichtige Sicherheitstechnik (Quelle: dpa)

Das Bundesverteidigungsministerium in Berlin hat nach Medienangaben die Beschaffung der Aufklärungsdrohne Euro Hawk vorangetrieben, obwohl es wusste, dass das Fluggerät keine Zulassung bekommen würde. Jetzt zieht das Ministerium die Reißleine - ein dreistelliger Millionenbetrag ist verloren.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hatte zuvor berichtet, die Drohne bekomme keine Zulassung für den deutschen und europäischen Luftraum und könne noch nicht einmal in militärischen Sperrgebieten eingesetzt werden. "Dennoch wurde weitergemacht, als sei alles in bester Ordnung", sagte der Informant der "FAZ".

Die Bundeswehr hatte die Anschaffung von fünf Euro-Hawk-Drohnen für insgesamt mehr als eine Milliarde Euro geplant. Dabei handelt es sich um die US-Drohne Global Hawk des Konzerns Northrop Grumman, die mit spezieller Aufklärungstechnik des europäischen Konzerns EADS ausgestattet ist. Erst ein Test-Exemplar wurde bisher ausgeliefert. Das Verteidigungsministerium erwägt nun, die Aufklärungstechnik in eine andere Drohne oder in ein bemanntes Flugzeug zu integrieren.

Der Drohne fehlt wichtige Technik

Neben der ersten Anschaffung seien weitere Millionenbeträge in den Umbau des Luftwaffenstandorts Jagel in Schleswig-Holstein investiert worden, wo ab 2014 die fünf deutschen Euro Hawk hätten stationiert werden sollen. Die Zeitung schreibt, auch den mit der Beschaffung befassten Behörden und Ämtern sei seit Jahren bekannt, dass sich die Umstände, die die Zulassung verhindern, kaum beseitigen ließen.

Die Drohne verfügt demnach nicht über automatische Kollisionswarner im Luftraum und kann auch nicht autonom ausweichen, falls die Bodenstation nicht eingreift. Das sei bereits bei einer Präsentation vor zehn Jahren bekannt geworden. In Deutschland und 190 weiteren Ländern sei für den zivilen Luftraum jedoch ein "Sense and Avoid"-System vorgeschrieben.

Umweg über Grönland

Damit könne die Drohne auf dem Weg in den Einsatz nur über Gebiete fliegen, in denen diese Bestimmungen nicht gälten, zum Beispiel Ozeane, Alaska und Grönland. Diesen Weg habe eine Euro Hawk 2011 nehmen müssen, um von der US-Westküste nach Manching in Bayern zu gelangen. Die Luftfahrtbehörden hätten den kürzeren Flug über amerikanisches Territorium untersagt.

Die Euro Hawk ist ein unbemanntes Flugzeug, das in 20 Kilometern Höhe operieren kann und damit fast doppelt so hoch fliegt wie Passagiermaschinen. Außerdem kann die Drohne bis zu 40 Stunden in der Luft bleiben. Der Pilot sitzt in einer Bodenstation, die tausende Kilometer entfernt sein kann.

Eigentlich als Ersatz für bemannte Aufklärungsflugzeuge gedacht

Die Drohne sollte das bereits ausgemusterte Aufklärungsflugzeug Breguet Atlantic ablösen. Gleichzeitig erwägt das Verteidigungsministerium die Anschaffung einer Kampfdrohne für den Schutz deutscher Soldaten im Einsatz. Auch dabei ist die Zulassung für den europäischen Luftraum unsicher. Problematisch ist vor allem, dass die USA Konstruktionsdetails von Rüstungsgütern nicht preisgeben wollen.

Im Fall Euro Hawk sieht das Ministerium nun keine Perspektiven mehr für eine Anschaffung. "Wir haben keine Hoffnung, dass wir dieses Aufklärungsflugzeug zu einem geregelten, zuverlässigen Flugbetrieb in Deutschland führen können", hieß es laut dpa aus dem Ministerium. Schon die Musterzulassung, die einer Verkehrszulassung vorgeschaltet ist, wäre "nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand zu erreichen". Die Kosten für die notwendigen Qualifikationsnachweise für die Drohne werden auf 500 bis 600 Millionen Euro beziffert. "Selbst dabei verbliebe jedoch ein Risiko, dass die Musterzulassung in diesem Rahmen nicht erreicht werden würde", hieß es.

508 Millionen Euro umsonst ausgegeben

Für die Entwicklung der Euro Hawk wurden bereits 508 Millionen Euro investiert. Hinzu kommen noch 158 Millionen Euro für offene vertragliche Verpflichtungen und die Herstellung der Flugfähigkeit. Von den Entwicklungskosten entfallen 248 Millionen Euro auf die Aufklärungstechnik von EADS, die weiter genutzt werden soll. Die Verluste für den Bundeshaushalt wegen der gescheiterten Drohnen-Beschaffung belaufen sich damit auf mehr als 300 Millionen Euro.

Dem Verteidigungsministerium war nach Angaben aus Regierungskreisen bereits seit Ende 2011 bekannt, dass eine Musterzulassung nur mit erheblichem Mehraufwand möglich ist. An diesem Mittwoch will sich der Verteidigungsausschuss des Bundestags mit dem Thema befassen.

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