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Industriespionage: So unterstützt Chinas Regierung den Ideenklau

Wirtschaftsspionage  

So unterstützt Chinas Regierung den Ideenklau

13.08.2013, 18:24 Uhr | AP, t-online.de

Industriespionage: So unterstützt Chinas Regierung den Ideenklau. Chinesische Wirtschaftsspione segeln unter staatlicher Flagge, lautet der Vorwurf. Ein Fall aus den USA zeigt das Problem beispielhaft (Quelle: imago images)

Chinesische Wirtschaftsspione segeln unter staatlicher Flagge, lautet der Vorwurf. Ein Fall aus den USA zeigt das Problem beispielhaft (Quelle: imago images)

Die Spione hatten es auf Titandioxid abgesehen. Genauer gesagt auf Produktionsgeheimnisse rund um das Pigment, das in Farbe, Zahnpasta oder auch Keksen zum Einsatz kommt. Hinter der Industriespionage steckte der chinesische Staatsbetrieb Pangang Group - so sehen es jedenfalls amerikanische Staatsanwälte. Opfer war demnach der US-Chemiekonzern Dupont.

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Vorgehen mit Methode

Pangang, drei Tochterfirmen und ein Mitarbeiter wurden im Februar 2012 in San Francisco angeklagt. Der Vorwurf: Verschwörung zur Wirtschaftsspionage und versuchte Wirtschaftsspionage. Doch der Fall stockt. Die Staatsanwaltschaft konnte Pangang nicht zur Aussage vor einem US-Gericht bewegen. Da das Unternehmen von einer chinesischen Sonderkommission kontrolliert wird und keine Repräsentanz in den USA hat, kann noch nicht einmal die Klageschrift zugestellt werden.

Dupont hat sich deshalb direkt an die chinesischen Behörden gewandt und darum gebeten, die gestohlenen Informationen blockieren zu lassen. Erkennbar bewirkt hat die Anfrage nichts.

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US-Geheimdienstler sehen hinter dem chinesischen Vorgehen Methode. Seit den 1970er Jahren nutze China Nachrichtendienste, Wissenschaftler und Studenten, um sich Technikwissen zu beschaffen. In den 1990er Jahren beklagten viele ausländische Firmen, dass in China Filme, Software und Designerkleidung kopiert wurde. Heute haben die Diebe fettere Beute im Visier: Der Weltmarkt für Titandioxid beispielsweise hat ein Volumen von knapp 13 Milliarden Euro.

Vorwurf: 50 bis 80 Prozent von Chinesen geklaut

Werde geistiges Eigentum gestohlen, stehe in 50 bis 80 Prozent der Fälle China dahinter, hieß es kürzlich im Bericht einer amerikanischen Kommission. Die Opfer sprechen nur ungern über den entstandenen Schaden. Aber der Dupont-Fall zeigt aus Sicht der US-Staatsanwälte, wie ein chinesischer Konzern Geheimnisse stahl und diese ungestraft verwenden konnte - und wie die Politik involviert war.

Der Staatsanwaltschaft zufolge traf sich einer der Angeklagten, der in Malaysia geborene chinesischstämmige Amerikaner Walter Liew, 1991 bei einem Bankett mit Luo Gan. Luo war damals Generalsekretär im Kabinett und stieg später zum Mitglied im Ständigen Ausschuss des Politbüros der KP auf, dem inneren Kreis der Macht in China. Liew habe Luo geschrieben und um Anweisungen gebeten, wie er China besser verstehen und helfen könne, erklärt die Staatsanwaltschaft.

Zwei Tage später habe er eine Prioritätenlisten erhalten, wobei Titanoxid zu den wichtigeren Projekten gehört habe. Liew bestritt später, sich mit Luo und anderen Beamten getroffen zu haben. Luo reagierte auf die Bitte um Stellungnahme nicht.

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Wichtige Erkenntnisse werden belohnt

Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Pekings an Industriespionage tauchten im Mai auf, als drei Wissenschaftler der Universität New York verhaftet wurden. Sie sollen Ergebnisse einer von der US-Regierung finanzierten Studie nach China verkauft haben. Firmen oder Forscher, die wichtige technische Erkenntnisse nach Hause bringen, werden mit Bargeld, Steuererleichterungen, Stipendien oder Universitätsposten belohnt, sagen William Hannas, James Mulvenon und Anna Puglisi, die ein Buch über Chinas Wirtschaftsspionage geschrieben haben.

Täter und Opfer zugleich

Aber Chinas Unternehmen stecken jährlich auch Milliardenbeträge in legale Forschung. Und beim Diebstahl geistigen Eigentums ist das Land selbst inzwischen ebenfalls Opfer. Chinas Branchen für Software und Musik sind längst der grassierenden Produktpiraterie zum Opfer gefallen - über 95 Prozent der Klagen, die in China wegen Verletzung von Patent-, Marken- und Urheberrecht eingereicht werden, stammen von chinesischen Firmen und richten sich gegen einheimische Betriebe.

Dennoch schlägt chinesische Industriespionage vor allem im Ausland Wellen. Im Juni beispielsweise wurde in den USA der chinesische Windradhersteller Sinovel angeklagt. Er soll seinem amerikanischen Geschäftspartner Software gestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft beziffert den möglichen Schaden auf 800 Millionen Dollar.

Gefälschte Namen und Lebensläufe

Und Tadashi Kageyama, Asien-Chef des Sicherheitsunternehmens Kroll Advisory Services, berichtet von einem Fall, wo ein chinesischer Betrieb einen Mitarbeiter unter falschem Namen und mit falschem Lebenslauf zu einem japanischen Wettbewerber entsandte. "Er sollte Erkenntnisse sammeln, ein paar Jahre lang technisches Wissen anhäufen, dann kündigen, nach China zurückkehren und bei seinem früheren Arbeitgeber die Technik einsetzen", sagt Kageyama.

Auf Anfragen per Fax, E-Mail und Einschreiben reagierte Pangang nicht. Auch das chinesische Justizministerium wollte keine Stellungnahme abgeben. Das ehemalige Pangang-Tochterunternehmen Jinzhou Titanium weist den Vorwurf zurück, gestohlene Technologie erhalten zu haben. Die eigenen Prozesse seien das Ergebnis von 20 Jahren Forschung in Kooperation mit chinesischen Universitäten und Regierungseinrichtungen, erklärt die Firma.

Dupont will sich damit nicht abspeisen lassen. Man halte sich alle Möglichkeiten bis hin zu eventuellen Klagen offen, erklärte die US-Firma per E-Mail.

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