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Um wie viel China seine Wirtschaftsdaten fälscht


Ausgerechnet  

Um wie viel China seine Wirtschaftsdaten fälscht

21.08.2013, 14:00 Uhr | t-online.de

Um wie viel China seine Wirtschaftsdaten fälscht. Wirtschaftsmetropole Shanghai: China-Leistung schwächer als gedacht  (Quelle: Reuters)

Wirtschaftsmetropole Shanghai: China-Leistung schwächer als gedacht (Quelle: Reuters)

Dass chinesische Wirtschaftsdaten nicht ganz der Wahrheit entsprechen, wird immer wieder gemutmaßt. Beweise dafür gab es jedoch nie. Und es gibt sie auch jetzt noch nicht. Aber ein Wissenschaftler hat nun anhand von Indikatoren überschlagsmäßig ausgerechnet, wie hoch die Abweichungen sein könnten. Das besondere: Er lehrt selbst in China.

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China-BIP wohl deutlich niedriger

Das "Wall Street Journal Deutschland" berichtete zuerst über die Studie von Christopher Balding von der HSBC Business School der Peking University. Der Privatdozent schätzt, dass das reale chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um eine Billion US-Dollar niedriger liegt als angegeben. Die offiziellen Zahlen wären damit um mindestens acht Prozent zu hoch.

Balding nahm sich dazu die Inflationsbereinigung des nominalen BIP vor, den sogenannten BIP-Deflator. Dabei fiel ihm auf, dass die nationale Statistikbehörde NBSC (National Bureau of Statistics China) die Inflation zu niedrig ansetzt. Dazu verwendet sie den Kniff, 80 Prozent der Chinesen zu Städtern zu erklären, die überdies zu 88 Prozent in den eigenen vier Wänden leben. Dabei machte die Landbevölkerung in China noch 2011 die Hälfte aller Bewohner aus, im Jahr 2000 sogar noch zwei Drittel.

Mietkosten stiegen kräftig

Da die Wohnkosten für Mieter zwischen 2000 und 2011 um mehr als 50 Prozent stiegen, für Eigentümer in Städten jedoch nur um knapp sechs Prozent, profitierten angeblich weitaus mehr Chinesen von einer günstigen Entwicklung, als dies unter realistischen Annahmen der Fall gewesen sein dürfte.

Die NBSC geht laut Studie außerdem davon aus, dass 99 Prozent der chinesischen Inflationsrate auf Steigerungen bei den Lebensmittelpreisen zurückzuführen sind. Das impliziert laut Balding, dass die Lebensmittelpreise zwischen 2003 und 2011 die einzigen waren, die gestiegen sind.

Inflationsrate höher als angegeben

Nach dem Abgleich mit Daten, die nicht von der NBSC stammen, kommt Balding zu dem Schluss, dass die chinesische Inflationsrate um einen Prozentpunkt höher sein müsste. Und das würde das reale BIP Chinas um acht bis zwölf Prozent reduzieren, was mehr als einer Billion US-Dollar entspricht.

Bleibt noch die Frage, wieso sich ein - wenn auch westlicher - Wissenschaftler traut, eine solche Studie in China zu veröffentlichen. Dem "Wall Street Journal Deutschland" zufolge sagte er dazu: "Wenn Sie eine Weile nichts von mir hören, beten Sie, dass ich nicht in der Inneren Mongolei in einem Hotel ohne Fenster sitze."

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