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Shutdown in den USA: Börse reagiert, Dollar gibt nach

Überschuldung  

Drohende Schockwellen durch US-Finanzkollaps

01.10.2013, 17:56 Uhr | t-online.de - mit Reuters, AFP und dpa-AFX

Shutdown in den USA: Börse reagiert, Dollar gibt nach. Government Shutdown - Drohender Kollaps für den US-Dollar (Quelle: Reuters)

Government Shutdown - Drohender Kollaps für den US-Dollar (Quelle: Reuters)

Nichts geht mehr in Washington: Nach der fehlgeschlagenen Einigung zwischen Demokraten und Republikanern liegt die öffentliche Verwaltung in Teilen lahm. Die erste Reaktion am Finanzmarkt: Der Dollar gab nach, der Euro legte fast bis auf 1,36 zu - und Erdöl verbilligte sich ein wenig. In gut zwei Wochen droht heftigeres Ungemach.

USA vor der Schuldengrenze

Experten gehen davon aus, dass ein zweiwöchiger Stillstand in der US-Verwaltung das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 0,3 Prozentpunkte senken würde. Der Ökonom Stephen Fuller von der George Mason University sagte der "Washington Post", dass ein Haushaltsnotstand alleine den Großraum Washington täglich 200 Millionen Dollar kosten könnte.

Zwar blieben die Börsen am Dienstag recht gelassen, doch tags zuvor hatte es Kursverluste gegeben. "Vorsichtige Anleger ziehen den Stecker", sagte Stratege Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Einige Börsianer deuteten den Shutdown um Mitternacht sogar positiv um: "Nun, da Staatsbedienstete keine Gehaltsschecks mehr bekommen und die Inkompetenz Washingtons reale Auswirkungen auf Otto Normalverbraucher hat, ist es etwas einfacher geworden, einen Kompromiss zu finden", kommentierten die Analysten des Brokerhauses Capital Spreads.

Noch herrscht Ruhe am Bondmarkt

Noch sind auch die Anleger bei den US-Staatsanleihen nicht beunruhigt. Bei Papieren, die vor dem 17. Oktober fällig werden - dem Tag einer möglichen US-Zahlungsunfähigkeit - sind die Renditen teilweise negativ. Das bedeutet, dass Anleger sogar noch Geld dafür bezahlen, um den USA Geld zu leihen.

Die größten Gläubiger der USA sind asiatische Staaten, allen voran China und Japan. Deren Devisenreserven im Gesamtvolumen von fünf Billionen Dollar bestehen nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu 60 Prozent aus US-Anleihen und -Aktien. Die Zentralbanken Chinas oder Japans haben daher keine andere Wahl, als an diesen Wertanlagen festzuhalten. Denn eine Umschichtung im großen Stil würde einen Kurssturz auslösen und ihre Devisenreserven dahin schmelzen lassen.

Vorgeschmack auf die große Krise

Investoren treibt jedoch die Sorge um, dass der jetzige Streit um den Etat nur ein Vorgeschmack auf einen wesentlich dramatischeren Schlagabtausch ist, der im US-Haushaltkonflikt noch ansteht: die Erhöhung der Schuldenobergrenze. Stimmt der Kongress hier nicht bald für eine Anhebung des derzeit bei 16,7 Billionen Dollar liegenden Limits, sind die USA ab voraussichtlich Mitte Oktober zahlungsunfähig, sprich sie können unter anderem ihre Schulden nicht mehr bedienen.

Das hätte verheerende Folgen für die amerikanische und die globale Konjunktur, die immer noch mit den Folgen der Finanzkrise kämpft. Ratingagenturen könnten die Kreditwürdigkeit der USA schlechter bewerten, so wie es Standard & Poor's bereits beim vorherigen Showdown im Haushaltsstreit vor zwei Jahren getan hatte.

Drohende Schockwellen am Finanzmarkt

Die Experten von JPMorgan konstatierten für die kommenden Wochen, sollte die Schuldengrenze nicht erhöht werden, dann käme dies einem technischen Zahlungsausfall gleich – und dies würde Schockwellen an den globalen Märkten verursachen.

Dann sei zunächst bei amerikanischen Staatsanleihen eine herbe Reaktion zu erwarten, urteilte Burhkard Allgeier, Chef-Volkswirt der Privatbank Hauck und Aufhäuser, im Gespräch mit t-online.de. "Internationale Anleger könnten sich neu orientieren und sich aus US-Bonds verabschieden". Gefragte sichere Häfen wären dann die Schweiz, Großbritannien und Japan oder deutsche Bundesanleihen.

Öl und Benzin billiger

Für die deutschen Autofahrer wiederum könnte ein ungelöster Streit sogar positive Folgen haben: Am Ölmarkt werde die Stimmung durch politische Unsicherheiten belastet, kommentierten die Experten der Commerzbank. Zunächst blieben die Auswirkungen zwar begrenzt. Aber in den kommenden Tagen könnten die Rohöl-Preise durchaus weiter abrutschen, da sich Anleger angesichts der Nachrichtenlage von ihren Wetten auf steigende Preise trennen könnten, schrieben die Experten.

Frank Klumpp, Rohstoff-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, erläuterte im Gespräch mit t-online.de, die Haushaltskrise habe zwar kaum einen direkten Effekt auf den Ölpreis. Dennoch dürfte der Preis für Öl und Benzin hierzulande sinken: über Währungsveränderungen. Da Rohöl am Weltmarkt in Dollar gehandelt wird, verbilligt sich der Preis, wenn der Dollar in Mitleidenschaft gezogen wird.

Angst um deutsche Exporte

Derweil befürchten deutsche Wirtschaftsverbände durch die Haushaltskrise in den USA negative Folgen für die weltweite Wirtschaft. "Mit der Eskalation des Haushaltsstreits schaden die USA nicht nur sich selbst, sondern sie nehmen die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft", sagte der Chef des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, dem "Handelsblatt Online". Wenn sich die Parteien in den USA in dieser Weise selbst ein Bein stellten, sei das "gefährlich für die deutsche Wirtschaft".

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, sagte, die USA seien für die deutschen Unternehmen von "herausragender" Bedeutung. Die USA seien der zweitwichtigste Abnehmer für deutsche Exportwaren. "Die Erholung der Weltwirtschaft darf nicht zum Spielball werden", sagte Wansleben "Handelsblatt Online".

Weitere Wirtschafts- und Finanzmeldungen finden Sie unter www.t-online.de/wirtschaft.

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