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Facharzttermin: Ärzte laufen Sturm gegen Pläne von CDU und SPD

Termin binnen vier Wochen  

Ärzte laufen Sturm gegen Pläne von CDU und SPD

08.11.2013, 21:12 Uhr | rtr, dpa-AFX, AFP

Facharzttermin: Ärzte laufen Sturm gegen Pläne von CDU und SPD. Gesetzlich Versicherte sollen künftig schneller einen Facharzttermin bekommen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gesetzlich Versicherte sollen künftig schneller einen Facharzttermin bekommen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es soll alles viel schneller gehen. Patienten sollen künftig binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt bekommen. So sind jedenfalls die Reformpläne von Union und SPD. Doch Medizinerverbände laufen jetzt Sturm gegen den Plan. "Kann man die Ärzte dafür bestrafen, dass sie volle Wartezimmer haben?", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, in Berlin. Der Ärzteverband Hartmannbund warnte vor zusätzlicher Bürokratie.

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Union und SPD wollen die oft sehr langen Wartezeiten für einen Arzttermin verkürzen. Darauf hatten sich die Gesundheitsexperten der Parteien bei den Koalitionsgesprächen zur Gesundheitspolitik verständigt. Bekommen gesetzlich Versicherte künftig innerhalb von vier Wochen keinen Facharzttermin, sollen sie zur Behandlung ins Krankenhaus gehen können. Verantwortlich für die Terminvergabe innerhalb der Vierwochenfrist sollen die für die niedergelassenen Ärzte zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen sein. Geht der Patient ins Krankenhaus, soll dies aus dem Krankenkassen-Budget für die niedergelassenen Ärzte bezahlt werden.

Kliniken und Krankenkassen begrüßen die Pläne

Die gesetzlichen Kassen sprachen von einem "guten Signal". Die Kassenärztlichen Vereinigungen hätten das Problem der teilweise überlangen Wartezeiten auf einen Facharzttermin bislang "nicht lösen" können, sagte Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Zugleich zeigte er sich skeptisch, "ob gerade die Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt noch einmal damit betreut werden sollten".

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, wertete den Vorschlag zur Befristung der Wartezeiten als "wichtige Richtungsentscheidung". "Den Patienten stünden damit ortsnah alle medizinischen Einrichtungen offen", erklärte Baum.

Ärzte sehen Vorhaben kritisch

Die niedergelassenen Ärzte beurteilten die Pläne hingegen zurückhaltend. Es sei fraglich, ob solch eine pauschale Frist ohne Prüfung der medizinisch notwendigen Behandlung sinnvoll sei, erklärte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, in Berlin. Wenn die Politik Fachärzte und Kassenärztliche Vereinigungen in die Pflicht nehme, dann müssten aber zugleich "die heute schon häufig überlasteten Praxen" entlastet werden.

"Bloße Luftakrobatik"

Als "bloße Luftakrobatik" wertete der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, die Pläne. Die Kliniken seien selbst schon überlastet. "Wie sollen Krankenhäuser, die ihren Betrieb vielfach nur noch durch Honorarärzte und ausländische Kollegen aufrecht erhalten können, die ambulante Facharztversorgung entlasten?", kritisierte Reinhardt. Bis zu einem konkreten Gesetzgebungsverfahren sei "das letzte Wort" noch nicht gesprochen.

Lange Wartezeiten für gesetzlich Versicherte

Eine Umfrage im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hatte gezeigt, dass gut jeder fünfte gesetzlich Versicherte mehrere Wochen auf einen Arzttermin warten muss. Bei Privatversicherten müssen nur vier Prozent länger als drei Wochen warten. Für den MLP-Gesundheitsreport zeigte das Institut für Demoskopie Allensbach, dass 38 Prozent der gesetzlich Versicherten binnen zwei Jahren mehrmals lange auf einen Arzttermin gewartet hatten, bei 17 Prozent kam dies einmal vor. Trotz Termin lange im Wartezimmer saßen sogar 67 Prozent der Kassen-, aber nur 48 Prozent der Privatpatienten.

CDU und SPD verteidigen Reform

"Gesetzlich Versicherte zahlen bis zu 350 Euro Beitrag im Monat. Wir finden, dafür muss auch eine zeitnahe Terminvermittlung möglich sein", sagte Jens Spahn von der CDU. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verteidigte die Pläne als Entlastung von Patienten. "Oft ist es so, dass acht Wochen auf einen Termin gewartet wird." Zudem forderte Lauterbach wiederholt ein neues Honorarsystem, damit Privatpatienten nicht mehr bevorzugt werden. Gegen die Ärzteverbände ist dies allerdings kaum durchzusetzen.

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