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CEBR-Prognose: Britische Wirtschaft könnte 2030 Deutschland überholen

Langfristige Wachstumsprognose  

Britische Wirtschaft könnte 2030 Deutschland überholen

27.12.2013, 07:35 Uhr | Spiegel Online

CEBR-Prognose: Britische Wirtschaft könnte 2030 Deutschland überholen. Im Gegensatz zu Deutschland profitiert Großbritannien von der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten (Quelle: dpa)

Im Gegensatz zu Deutschland profitiert Großbritannien von der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten (Quelle: dpa)

Das Empire schlägt zurück: Im Jahr 2030 könnte die britische Wirtschaftsleistung größer sein als die deutsche, prophezeit ein Londoner Forschungsinstitut - es sei denn, die Bundesrepublik kehre zur D-Mark zurück.

Alle Jahre wieder trifft Wirtschaftswissenschaft auf Wirtschafts-Stammtisch. Und zwar immer dann, wenn das britische Forschungsinstitut Centre for Economics and Business Research (CEBR) seine "World Economic League Table" vorlegt. In dieser Weltrangliste geht es um die simple Frage: Wer hat die größte Volkswirtschaft - und wer wird in den kommenden Jahren auf- und absteigen?

Briten rücken näher

In der Prognose vom 26. Dezember 2013 dehnen die CEBR-Wirtschaftsforscher, die als seriös, aber industrienah gelten, ihren Vorhersage-Zeitraum erstmals von zehn auf 15 Jahre aus - und kommen zu einem brisanten Ergebnis, was Deutschland betrifft: 2028 wird die britische Wirtschaft bis auf drei Prozent an die deutsche herangerückt sein.

Und diese Aufholjagd dürfte sich auch nach 2028 fortsetzen, so dass die CEBR-Experten die Prognose wagen: "Etwa 2030 wird Großbritannien Deutschland als größte westeuropäische Volkswirtschaft ablösen."

Bevölkerungsgröße spielt Rolle

Auf den ersten Blick erscheint diese Vorhersage ziemlich gewagt. Schließlich betrug die Wirtschaftsleistung in Großbritannien 2012 lediglich rund drei Viertel des deutschen Werts. Ein Unterschied, der sich im Wesentlichen aus der unterschiedlichen Bevölkerungsgröße der beiden Länder erklärt: Die 82 Millionen Bewohner der Bundesrepublik produzieren schlicht mehr Waren und Dienstleistungen als die 64 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich.

Doch genau hier liegt auch einer der beiden Hauptgründe für die prognostizierte britische Aufholjagd: Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert. Zugleich tut sich Deutschland schwer, diese Entwicklung durch mehr Einwanderer auszugleichen. Großbritannien hingegen ist seit jeher ein beliebtes Ziel für junge Zuwanderer.

Großbritannien profitiert von demografischem Wandel

"Bis 2030 wird die Bevölkerungszahl beider Länder etwa identisch sein", sagt CEBR-Chef Douglas McWilliams "Spiegel Online". Da das prognostizierte Wirtschaftswachstum pro Kopf in beiden Ländern etwa gleich hoch liege, rücke Großbritannien unweigerlich immer näher an Deutschland heran.

Während dieser demografische Vorteil Großbritanniens unter Experten weitgehend unstrittig ist, dürfte das zweite Hauptargument für die prognostizierte britische Aufholjagd wesentlich mehr Widerspruch auslösen: Das CEBR sieht die deutsche Mitgliedschaft in der Eurozone als wichtige Wachstumsbremse für die Bundesrepublik.

Experte: D-Mark würde Trend drehen

Es sei mit weiteren deutschen Rettungsaktionen zugunsten schwächelnder Euro-Staaten zu rechnen und mit einem Wertverlust des Euro gegenüber anderen Währungen. "Hätte Deutschland die D-Mark als Währung, würde es noch viele Jahre dauern, bis es von Großbritannien überholt würde - wenn überhaupt", so Douglas McWilliams.

Prognose hat Schwachpunkt

An dieser Stelle zeigt sich aber auch die Schwäche der in Dollar berechneten CEBR-Weltrangliste: Währungsschwankungen haben einen großen Einfluss auf die nominale Wirtschaftsleistung der einzelnen Länder. Wertet das Pfund um zehn Prozent gegenüber dem Dollar auf, ist auf dem Papier auch die britische Wirtschaftleistung um zehn Prozent gestiegen - obwohl auf der Insel nicht ein Pint Bier mehr gebraut worden ist.

Im Gegenteil: Gerade für exportorientierte Staaten wie Deutschland kann eine vergleichsweise schwache Währung sogar von Vorteil sein, weil sie deutsche Ausfuhren billiger macht. Am tatsächlichen Wohlstand in den betroffenen Ländern ändert sich durch solche Währungsschwankungen erst einmal nichts.

China überholt die USA

Das deutsch-britische Gekabbel im Mittelfeld der Rangliste dürfte in 15 Jahren aber ohnehin nur noch die Wirtschafts-Stammtische zwischen London und Berlin interessieren. Die wahre Musik spielt dann längst in Asien:

- Im Jahr 2028, so die CEBR-Prognose, wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt abgelöst haben. Eine Position, die die Chinesen laut einer historischen Datenbank der Universität Groningen übrigens im Jahr 1890 verloren hatten.
- Auf Platz zwei folgt weiterhin der bisherige Spitzenreiter USA
- mit weitem Abstand gefolgt vom Aufsteiger Indien
- Japan, bislang die Nummer drei der Welt, fällt auf den vierten Platz zurück
- dahinter Brasilien, ebenfalls eine der Aufsteiger-Nationen
- Auf Platz sechs liegt 2028 Deutschland
- Doch der britischen Verfolger setzt bereits zum Überholen an und dürfte dieses Manöver weitere zwei Jahre später abgeschlossen haben.
- Die Plätze sieben bis zehn belegen in dieser Reihenfolge Russland, Mexiko und Kanada.

Enttäuschung heißt Südafrika

Auf den ersten Blick wirkt die neue Rangordnung wie ein unaufhaltsamer Vormarsch der Emerging Markets, der wachstumsstarken Nationen außerhalb Europas. Doch nicht alle Emerging Markets werden laut CEBR-Prognose die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen können.

Das zeigt sich besonders drastisch am Beispiel Südafrikas: Das Land, derzeit auf Platz 33 der Weltwirtschaft, dürfte bis 2028 auf Platz 38 zurückfallen. Die größte Wirtschaftsmacht im Afrika südlich der Sahara heißt dann längst Nigeria.

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