Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Konjunktur >

Deutsche ignorieren Gefahr fallender Preise

GfK-Umfrage  

Deutsche ignorieren Gefahr fallender Preise

25.02.2014, 15:50 Uhr | Spiegel Online

. Viele Deutschen sind froh über stetig fallende Preise - die Folgen werden oft dagegen nicht bedacht (Quelle: dpa)

Viele Deutschen sind froh über stetig fallende Preise - die Folgen werden oft dagegen nicht bedacht (Quelle: dpa)

Die Inflation ist so gering wie lange nicht, Experten wie IWF-Chefin Christine Lagarde warnen gar vor Deflation. Doch den Deutschen ist das egal: Laut einer GfK-Umfrage für "Spiegel Online" fürchten sie fallende Preise nicht. Dabei zeigt das Beispiel Schweiz, dass die Gefahr real ist.

Die Angst vor Inflation

Sie sind Militaristen, Sauberkeitsfanatiker und sprechen prinzipiell in Frakturschrift: Der Comic-Band "Asterix und die Goten" enthält allerlei Klischees über die Deutschen. Eine Urangst aber fehlt: So wie Gallier fürchten, dass ihnen eines Tages der Himmel auf den Kopf fällt, so fürchten Deutsche seit Langem kaum etwas mehr als steigende Preise - also Inflation.

Wie tief verwurzelt diese Angst ist, zeigt eine repräsentative Umfrage des GfK-Vereins für "Spiegel Online". Demnach halten es 92,3 Prozent der Befragten für wahrscheinlich, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland steigen werden. 37,5 Prozent gehen sogar von einem starken Anstieg aus. Sinkende Preise, also Deflation, erwarten insgesamt nur 1,4 Prozent, stark sinkende Preise 0,9 Prozent.

Foto-Serie mit 4 Bildern

"Katastrophale" Deflation als globale Gefahr

Die Zahlen sind bemerkenswert, weil sie nicht der derzeitigen Entwicklung entsprechen: 2013 stiegen die Preise in Deutschland weniger stark als in den Vorjahren. Mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent lag die Teuerung sogar unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Währungshüter streben eine Inflation von knapp zwei Prozent an - auch als eine Art Sicherheitspuffer gegenüber fallenden Preisen.

Im Rest der Eurozone ist die Inflation sogar noch deutlich geringer als in Deutschland. Weil viele Länder weiterhin mit den Folgen der Krise kämpfen, rechnet die EZB fürs kommende Jahr im gesamten Währungsraum nur mit einer Teuerung von 1,1 Prozent. Auch in anderen Industrieländern schwächeln Wirtschaft und Preise. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, warnte deshalb kürzlich in Davos vor einer "katastrophalen" Deflation als globaler Gefahr.

Dass diese Sorge in Deutschland bislang kaum angekommen ist, dürfte zwei Gründe haben. Zum einen sind die Deutschen gebrannte Kinder und haben im vergangenen Jahrhundert mehrfach erlebt, wie ihr Geld durch massive Teuerung nahezu wertlos wurde. Bei jüngeren Deutschen scheint die Inflationsangst denn auch zumindest ein bisschen geringer ausgeprägt zu sein: Unter den 14- bis 29-Jährigen erwarten 86,7 Prozent steigende Preise, bei den Altersklassen darüber sind es durchweg mehr als 90 Prozent.

Das Problem fallender Preise

Zum anderen sind die Gefahren von Inflation auch deutlich leichter nachzuvollziehen als von Deflation. Schließlich sind steigende Preise für Verbraucher ein Ärgernis, fallende Preise dagegen zunächst einmal positiv. So profitieren Käufer von Computern seit Langem davon, dass sie aufgrund des rasanten technischen Fortschritts regelmäßig mehr für ihr Geld bekommen.

Doch dauerhaft fallende Preise können für ein Land zum ernsthaften Problem werden: Unternehmen geraten aufgrund geringerer Einnahmen in die Krise, Bürger schieben Ausgaben aus Angst um ihre Jobs und in Erwartung weiterer Preissenkungen immer weiter hinaus.

Japan und Schweiz als warnende Beispiele

Wie schwer es ist, wieder aus der Deflation zu kommen, zeigt das Beispiel Japans. Das Land kämpft seit rund 20 Jahren mit fallenden Preisen und schwachem Wachstum. Unter Premier Shinzo Abe überschwemmt die Zentralbank Japan nun seit geraumer Zeit mit Geld, um die Abwärtsspirale endlich zu durchbrechen und eine Inflation von zwei Prozent zu erreichen. Zwar konnten die Währungshüter erste Erfolge vermelden, erstmals seit 2008 sprechen sie wieder von steigenden Preisen. Ob das gewagte Manöver aber auf Dauer Erfolg hat und die Geldschwemme keine neuen Krisen schafft, ist noch völlig offen.

Doch Deutsche müssen nicht bis ins ferne Japan schweifen, um Beispiele für eine Deflationsgefahr zu finden: Auch in der Schweiz fielen die Preise in den vergangenen zwei Jahren leicht. Denn in der Finanzkrise suchten viele Investoren Zuflucht im vermeintlich sicheren Hafen Schweiz und trieben so den Franken in die Höhe.

Durch die starke Währung wurde es für die Schweizer Wirtschaft schwerer, Produkte ins Ausland zu verkaufen und Touristen ins Land zu locken. Auch hier sah sich die Notenbank zum Eingreifen gezwungen und deckelte mit Devisenkäufen den Kurs der heimischen Währung.

In Deutschland könnten die jüngsten Lohnabschlüsse die Deflationsgefahr bremsen. Ob auch die Preise im Euro-Raum insgesamt wieder deutlicher steigen, hängt aber davon ab, ob die Krise des Währungsraumes überwunden wird. Die befragten Deutschen zeigen sich in dieser Hinsicht verhalten optimistisch: 53,6 Prozent stimmten in der Umfrage der Aussage zu, dass sich die Krise noch länger hinziehen, aber nicht weiter verschlimmern werde. Eine weitere Zuspitzung erwarteten 34,6 Prozent, 5,7 Prozent halten die Krise für "im Wesentlichen vorüber".

Die Befragten sehen aber offenbar auch, dass sich Deutschland nicht von der Lage in seinen Nachbarländern isolieren kann. 54,6 Prozent glauben, dass ihre Heimat künftig mehr von der Krise betroffen sein wird. Knapp 37 Prozent gehen davon aus, dass die Folgen für Deutschland gleich bleiben oder weniger gravierend werden. Dass die Bundesrepublik in Zukunft gar nicht mehr von der Krise betroffen sein wird, glauben nur 1,6 Prozent,

Für die Umfrage interviewte die GfK im Februar 2014 telefonisch insgesamt 1008 Menschen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team von t-online

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal