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VW-Chef Martin Winterkorn warnt vor einem "Detroit" in Deutschland

VW-Kultur auf Prüfstand  

Winterkorn warnt vor einem "Detroit" in Deutschland

17.07.2014, 07:15 Uhr | rtr, dpa-AFX

VW-Chef Martin Winterkorn warnt vor einem "Detroit" in Deutschland. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (Quelle: dpa)

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (Quelle: dpa)

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sieht seine Branche an einem Scheideweg. Massive Umbrüche stellten die Mobilität von Morgen auf den Kopf. Winterkorn warnt sogar vor einem "Detroit" in Deutschland. Der Ausweg: Ideen - und Sparen.

Die Stadt im US-Bundesstaat Michigan gilt als Sinnbild des Niedergangs der Autoindustrie während der Krise in den Vereinigten Staaten. "Weil ich diese Bilder vor Augen habe, wollen wir dafür sorgen, dass uns das hier nicht passiert. Wir dürfen unsere Industrie nicht leichtfertig aufgeben." Sein Ziel für den VW-Konzern sei, das aktuelle Produktionsvolumen in Deutschland "mindestens zu halten".

"Erfolgsmodell funktioniert nicht ewig"

Eine Arbeitsgruppe aus Top-Managern soll Konzepte für die Umwälzungen erarbeiten. "Man könnte darauf vertrauen, dass unser heutiges Erfolgsmodell ewig funktioniert. Aber, Kolleginnen und Kollegen: Das wird es nicht", sagte Winterkorn vor VW-Führungskräften in Wolfsburg. "Der Anspruch von Volkswagen ist es, Motor des Wandels zu sein - und eben nicht vom Wandel überrollt zu werden".

Auf künftige Herausforderungen wie scharfe CO2-Vorgaben, E-Mobilität oder die Vernetzung des Autos müsse der Konzern frühzeitig reagieren und dafür finanzielle Freiräume freischaufeln. Volkswagen hat ein Sparprogramm angekündigt, das von 2017 an jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro für die Kernmarke VW-Pkw freispülen soll. Diese steht unter Renditedruck. Nach dpa-Informationen liegt die operative Marge auch zum Halbjahr weiter klar bei unter zwei Prozent. Vergangenes Jahr hatte diese Kennzahl immerhin noch bei knapp drei Prozent gelegen. Mindestens sechs Prozent, so die Konzernvorgabe, sollen es 2018 sein.

"Future Tracks"

Die Wolfsburger nennen ihr Zukunftskonzept für Ideen in der Branche "Future Tracks". Winterkorn betonte, dass dieses Konzept zwingend eine solide finanzielle Basis brauche.

Zur Arbeitsgruppe erklärte Winterkorn, er habe "zunächst eine kleine, schlagkräftige Projektgruppe aus Vorstand und einigen Top-Managern der Ressorts benannt". Seinem Kernteam folgen solle "ein erweiterter Kreis von 40 bis 60 Top-Managern", die dann "stärker in die Tiefe" gehen. "Zielsetzung ist es, die einzelnen Handlungsfelder detailliert auszuarbeiten und zu priorisieren", sagte Winterkorn. Zum Jahresende gebe es erste Zwischenergebnisse für die Pkw-Kernmarke. Das Programm "Future Tracks" zielt auf den Gesamtkonzern.

Auch der VW-Konzernbetriebsrat kümmert sich schon mit einem eigenen Steuerkreis um "Future Tracks". Die Betriebsrats-Granden der Marken sitzen in dem Gremium. Effizienz ist dabei aber nur ein Thema. Eine Aufgabe des Steuerkreises auf der Arbeitnehmerseite ist es, in der konzernweiten Debatte um die Konzepte auch eigene Themen zu setzen.

In einem Interview der "Braunschweiger Zeitung" sagte Winterkorn, er fürchte bei einem Scheitern der Konzernziele für 2018 um die Motivationsfähigkeit seiner Belegschaft. "Ich habe es in meinen 30 Jahren im Volkswagen-Konzern immer wieder erlebt, dass großspurig irgendwelche Programme angekündigt wurden und dann in der Schublade verschwunden sind." Mit seiner 2018-Strategie verankert der VW-Konzern den Anspruch auf die Weltmarktführerschaft vor Toyota.

Ein Stellenabbau ist offenbar aber nicht geplant. "Wir arbeiten daran, die 250.000 Beschäftigten in Deutschland zu halten, obwohl wir hauptsächlich im Ausland wachsen", sagte Winterkorn der "Braunschweiger Zeitung". Die Arbeitskosten müssten allerdings im Auge behalten werden.

Betriebsrat fordert "intelligenten Einsatz"

Betriebsratschef Bernd Osterloh machte derweil klar, dass er sich aktiv in Winterkorns Vorhaben einbringen und darauf achten will, dass die geplanten Einsparungen nicht zu Lasten der Beschäftigten gingen. "Es geht um den intelligenten Einsatz von unseren Geldern, nicht ums Sparen", betonte Osterloh, der auch im einflussreichen Präsidium des Aufsichtsrats von Volkswagen sitzt.

In der Belegschaft wird seit längerem kritisiert, dass bei VW zuviel zentral in Wolfsburg entschieden wird und der Konzern mit seinen zwölf Marken auf Trends in einigen Ländern zu spät reagiert. So hatte Osterloh die Absatzprobleme von VW in den USA vor einigen Monaten als "Katastrophenveranstaltung" gebrandmarkt. Auf dem nach China zweitgrößten Pkw-Markt fährt die Marke weit hinter der Konkurrenz her, weil sich der für den US-Geschmack entwickelte Passat nicht mehr so gut verkauft. Inzwischen hat der Konzern beschlossen, als zweites Modell einen großen Geländewagen in den USA zu bauen. Der unter dem Arbeitstitel "Cross-Blue" bekannte Siebensitzer kommt allerdings erst Ende 2016 auf den Markt. Bis dahin dürften sich die Probleme von VW in den USA verschärfen.

Weniger Macht für Wolfsburg

Nach Einschätzung des Betriebsrats ist der Konzern mit weltweit nahezu 600.000 Beschäftigten kaum zu steuern. Deshalb sollten die einzelnen Regionen im Vertrieb mehr Verantwortung erhalten und Wolfsburg vor allem koordinieren. Auch Winterkorn hat das Problem einer zu großen Macht von Wolfsburg erkannt, allerdings ist nach Meinung von Arbeitnehmervertretern bislang nicht viel passiert, um dies zu ändern. Nach Ansicht von Osterloh sind der Grund für die Renditeschwäche von VW nicht die Arbeitskosten. Die lägen auf Wettbewerbsniveau. "Aber bei der Produktivität müssen Vorstand und Management endlich ihren Job machen", forderte er.

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