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Plagiate: Deutsche Firmen gehören zu den Top-Produktfälschern

Plagiate "Made in Germany"  

Deutsche Firmen unter den Top-Produktfälschern

08.08.2014, 13:23 Uhr | t-online.de, dpa

Plagiate: Deutsche Firmen gehören zu den Top-Produktfälschern. Leichtbau-Schmiedefelge "AC Schnitzer Typ V" (Quelle: dpa)

Deutsche Firmen als Plagiatoren: Leichtbau-Schmiedefelge "AC Schnitzer Typ V" aus Aachen (links) und daneben die Fälschung aus Essen (Quelle: dpa)

Im Kampf gegen Produktpiraten müssen es deutsche Unternehmen zunehmend mit Tätern aus dem eigenen Land aufnehmen. Nach einer Auswertung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rangieren deutsche Unternehmen als Plagiatoren mittlerweile auf Platz zwei - hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter China und noch vor der Türkei und Indien.

Fast jedes vierte Plagiat (23 Prozent) werde mittlerweile im Auftrag eines deutschen Unternehmens hergestellt, berichtet Steffen Zimmermann, zuständiger Geschäftsführer für den Bereich Produkt- und Know-how-Schutz beim VDMA. Kopiert würden ganze Maschinen, Komponenten oder auch Ersatzteile.

Im Gegensatz zu den oft minderwertigen Nachahmungen aus China handele es sich bei den Plagiaten von deutschen Unternehmen in der Regel um Hightech-Produkte. Meist seien Wettbewerber Initiatoren der Plagiate. Insgesamt schätzt der Verband den durch Plagiate im vergangenen Jahr verursachten Umsatzverlust in der Branche auf rund 7,9 Milliarden Euro.

Verband spricht von "alarmierenden Zahlen"

Der Maschinenbauverband spricht mittlerweile ganz offen von "alarmierenden Zahlen" zur Produktpiraterie aus Deutschland. Die Entwicklung in anderen Branchen ist nur schwer zu beziffern. "Viele Unternehmen haben Angst, dass ihr Ruf darunter leidet", sagt Zimmermann.

Deutliche Worte findet dagegen die Aktion Plagiarius, die sich aus Sponsorengeldern der Industrie finanziert. In der Liste der unfreiwilligen Preisträger für den seit 1977 von dem Verein vergebenen Schmähpreis Plagiarius tauchen hinter der allgegenwärtigen Konkurrenz aus China auch deutsche Unternehmen auf.

Wischmopp, Felgen und Co.

So entstand nach Angaben des Vereins nach der Erfindung eines magnetischen Wischmopphalters aus der baden-württembergischen Provinz ein täuschend ähnlich aussehender Putzhelfer bei einem nur etwa 200 Kilometer entfernt sitzenden Konkurrenten aus Franken. Das Ergebnis: Der dritte Preis im diesjährigen Plagiarius-Wettbewerb und ein Vitrinen-Platz für das Duo im Plagiate-Museum des Vereins in Solingen.

Ein Platz in dem Museum fand auch die Leichtbau-Schmiedefelge "AC Schnitzer Typ V", die ursprünglich von einer Aachener Firma stammt. Die Fälschung eines Essener Unternehmens fiel übrigens bei einem Belastungstest des TÜV durch. Außerdem sparten sich die Fälscher den Schriftzug auf einer Speiche.

Auch Matratzen lassen sich offenbar bis ins kleinste Detail nachmachen: Das Modell "Phaeton", eine 7-Zonen-1000-Federn-Taschenfederkern-Matratze, stammt von der Düsseldorfer Firma Panther. Einem ebenfalls deutschen Konkurrenten gefiel sie offenbar so gut, dass er sogar die Schaumstoff-Farben kopierte.

Selbst Markenhersteller zählen zu den Fälschern

Den Solinger Fälschungsjägern würden zunehmend Probleme mit Nachahmern aus dem eigenen Land gemeldet, berichtet Plagiarius-Sprecherin Christine Lacroix. Dabei würden sogar einzelne Markenhersteller selbst zum Täter. Betroffen seien alle Branchen vom Spielzeughersteller bis zum Werkzeugmacher.

Während früher Fälschungen nach dem schwarz-weiß Prinzip bereits von weitem anhand der mangelhaften Qualität einwandfrei zu identifizieren gewesen seien, reiche die Bandbreite nun von der gefährlichen Billigkopie bis zum hochwertigen Nachbau, so der Verein. Vielfach verfügten mittlerweile auch die Plagiatoren über jahrelange Erfahrungen.

Während die Initiative Plagiarius beim Schutz vor Fälschungen vor allem auf die Aufklärung von Verbrauchern setzt, versucht sich die Industrie die unerwünschten Nachahmer mit technischen Tricks vom Leibe zu halten. Fälschungsbedrohte Bauteile würden etwa mit Harz vergossen oder mit einem Hologramm oder einem chemischen Marker gekennzeichnet, so Zimmermann.

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