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Krieg gegen IS erweist sich als Goldgrube: US-Rüstungsindustrie boomt


US-Rüstungsindustrie boomt  

Krieg gegen IS erweist sich als Goldgrube

19.10.2014, 10:49 Uhr | AFP, t-online.de

Krieg gegen IS erweist sich als Goldgrube: US-Rüstungsindustrie boomt. Ein US-Soldat montiert Raketen mit ausklappbaren Stabilisatoren an einem Apache AH-64D Kampfhubschrauber, der bereits mit Hellfire-Raketen bestückt ist. (Quelle: AFP)

Ein US-Soldat montiert Raketen mit ausklappbaren Stabilisatoren an einem Apache AH-64D Kampfhubschrauber, der bereits mit Hellfire-Raketen bestückt ist. (Quelle: AFP)

Für die Rüstungsindustrie erweisen sich die Luftangriffe der USA gegen den Islamischen Staat (IS) im Irak und in Syrien als Goldgrube. Der Einsatz gegen die Dschihadistenmiliz, vor wenigen Tagen "Operation Inherent Resolve" (etwa: "Operation natürliche Entschlossenheit") getauft, beschert US-Rüstungsfirmen steigende Aktienkurse und Einnahmen in Milliardenhöhe.

Gefragt sind Bomben, Raketen oder Ersatzteile für Kampfflugzeuge. Auch die Entwicklung neuer Rüstungsprojekte dürfte einen Schub erhalten. "Aus der Sicht der Verteidigungsindustrie ist es der perfekte Krieg", sagt Branchenkenner Richard Aboulafia von der Marktforschungsfirma Teal Group.

Am 23. September, dem ersten Tag der Luftangriffe auf Syrien, feuerten US-Kriegsschiffe 47 Tomahawks ab. Kostenpunkt: 1,4 Millionen Dollar pro Rakete. Ein Krieg mit hohem Materialeinsatz, ohne dass US-Soldaten sterben, geführt gegen einen international geächteten Feind und ein Ende ist nicht abzusehen - eine perfekte Konstellation für die Waffenindustrie.

Rüstungsfirmen legen an der Börse zu

In den vergangenen drei Monaten legte der Aktienkurs des Rüstungs- und Technologieriesen Lockheed Martin um rund zehn Prozent zu. Der Konzern stellt unter anderem Hellfire-Raketen her, die von US-Drohnen abgefeuert werden. Auch die Börsenwerte der Rüstungsunternehmen Northrop Grumman und Raytheon stiegen seit Beginn des Militäreinsatzes.

Raytheon sicherte sich Ende September einen 251 Millionen Dollar (196 Millionen Euro) schweren Pentagon-Auftrag, der US-Marine weitere Tomahawk-Lenkraketen zu liefern.

Gute Geschäfte - nicht nur mit der US-Armee

Die Rüstungsfirmen hoffen nicht nur auf Geschäfte mit der US-Armee, sondern auch mit anderen Ländern der internationalen Koalition gegen den IS. An den Luftangriffen in Syrien beteiligen sich Bahrain, Jordanien, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Irak fliegt unter anderem die französische Luftwaffe Angriffe. Außerdem schielen Sicherheitsunternehmen auf Beraterverträge bei Neuaufbau und Ausbildung der irakischen Regierungstruppen.

Noch vor einem Jahr sah alles anders aus. Da bereitete sich die Rüstungsindustrie in den USA darauf vor, den Gürtel enger zu schnallen. Präsident Barack Obama hatte die Truppen aus dem Irak abgezogen und der Einsatz in Afghanistan neigte sich ebenfalls dem Ende zu. Angesichts des Schuldenberges sollten die Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren zurückgefahren werden. Der Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern hatte bereits zu automatischen Kürzungen im Pentagon-Budget geführt. Erste Entlassungen in den Rüstungsunternehmen waren die Folge.

Internationale Krisen kommen gelegen

Der Vormarsch der Dschihadisten im Irak und in Syrien, aber auch der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland kommen der Rüstungsindustrie daher wie gerufen. Sie haben in Washington zu einer Neubewertung der Sicherheitslage geführt. "Der politische Konsens scheint sich in Richtung höhere Verteidigungsausgaben zu bewegen, als Antwort auf das gefährliche Umfeld da draußen", so Aboulafia.

Obama, der sich eigentlich dem Aufbau des eigenen Landes widmen wollte, gab den Befehl zur Verlegung von 1600 Soldaten in den Irak. Den Einsatz von Kampftruppen hat der US-Präsident zwar ausgeschlossen. Die Soldaten sollen nur das irakische Militär beraten und wichtige US-Einrichtungen schützen. Dennoch brachte er eine Mission ins Rollen, die Jahre dauern könnte und deren Ende noch nicht abzusehen ist.

Kritiker sind verstummt

Die Rufe aus dem Kongress in Washington nach harten Einschnitten im Verteidigungsbereich sind weitgehend verstummt. Selbst die für einen Minimalstaat eintretende Tea-Party-Bewegung habe ihre Kritik an Militäreinsätzen im Ausland abgemildert, sagt Aboulafia.

Im gerade abgelaufenen Haushaltsjahr 2014 betrug das US-Verteidigungsbudget rund 580 Milliarden Dollar. Die USA sind damit weiter auf Platz eins in der Rangliste der nationalen Verteidigungsbudgets - und gaben alleine mehr Geld für Verteidigung aus als alle acht nachfolgenden Staaten zusammen. Das Pentagon hat nun gute Argumente, sein Stück am Haushaltskuchen in den kommenden Jahren wieder zu vergrößern. Widerstand aus dem Kongress dürfte nur wenig kommen. "Es ist unglaublich schwer, nein zu sagen, wenn man im Krieg ist", sagt Loren Thompson vor Denkfabrik Lexington Institute.

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