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Analyse zu Griechenland: Warum wir Athen nicht rausschmeißen

Analyse zu Griechenland  

Warum schmeißen wir die Griechen nicht einfach raus?

09.06.2015, 19:52 Uhr | mmr, t-online.de

Analyse zu Griechenland: Warum wir Athen nicht rausschmeißen. Ein Grexit könnte zum Zerfall der Eurozone führen. (Quelle: imago/ Christian Ohde)

Ein Grexit könnte zum Zerfall der Eurozone führen. (Quelle: imago/ Christian Ohde)

Eine Analyse von Martin Mrowka.

Im Hick-Hack um weitere Milliarden-Hilfen für Hellas gibt es weiterhin keine Lösung. Eine offizielle Staatspleite des verarmten Euro-Lands rückt immer näher. Geht es nach der Bevölkerung in Deutschland, sollte Griechenland besser heute als morgen den Euroraum verlassen.

Rund 90 Prozent von rund 70.000 Besuchern bei t-online.de plädieren in einer Umfrage für einen Rausschmiss. Auch wenn es nach den Geldgebern EZB, IWF und EU-Kommission geht, täte Europa ein Grexit eher gut als schlecht. Viele Politiker stehen einem "Ende mit Schrecken" mittlerweile ebenfalls wohlgesonnen gegenüber.

Ja, aber warum tun sie es dann nicht und überlassen die Griechen sich selbst?

Der öffentlich verkündete Grund ist die Angst vor den Folgen eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone. Dabei fürchtet man allerdings weniger die Zahlungsunfähigkeit des Staates und das Nimmerwiedersehen der Hilfs-Milliarden. Die dürften sowieso abgeschrieben werden. Nein, vielmehr lässt die Europäer der mögliche Crash der griechische Banken National Bank of Greece, Piraeus Bank, Eurobank und Alpha Bank erzittern.

Die vier großen Hellas-Geldhäuser zwischen Thessaloniki, Kreta und Rhodos stehen für 95 Prozent der griechischen Bankenbranche und werden seit vielen Monaten mit Notkrediten gestützt. Zuletzt betrug das Volumen der sogenannten Ela-Hilfen 80,7 Milliarden Euro.

Der gemeine Deutsche mag nun denken: Warum lässt man die für europäische Verhältnisse relativ kleinen Banken nicht einfach fallen? Sie vereinen letztlich "nur" 130 Milliarden Euro Einlagen auf sich. Die große Deutsche Bank allein kommt zum Ende 2014 auf 533 Milliarden.

Griechischer Banken-Kollaps gefährdet weitere Häuser

Die Antwort: Im Falle eines Grexit (der laut EU-Vertrag gar nicht möglich ist) würde Griechenland eine dann extrem schwache Drachme bekommen. Die griechischen Banken müssten sofort geschlossen werden, damit die Kunden ihre Konten nicht plündern. Unternehmen wie Privatleute ziehen allerdings bereits seit Monaten Milliarden ab und verschärfen dadurch die Lage ihrer Banken.

Und damit droht weiteres Unheil: Ein Banken-Kollaps in Griechenland würde auch viele europäische Banken in den Abgrund ziehen. Nicht zuletzt wegen der Globalisierung sind von einem Griechen-Crash nämlich auch Gelder französischer, britischer, niederländischer, österreichischer und auch deutscher Finanzhäuser bedroht. Einige davon sind systemrelevant.

Schlinge zieht sich zu

Ein (leicht hinkender) Vergleich offenbart die Brisanz: Amerikas einst strahlende Investmentbank Lehman Brothers hatte unmittelbar vor ihrer folgenreichen Insolvenz im September 2008 vermeintlich läppische vier Milliarden Dollar Schulden. Die Pleite zog dann aber Schäden in Höhe von etwa 60 Milliarden unmittelbar und geschätzt 200 Milliarden Dollar mittelbar nach sich. Das weltweite Finanzsystem stand damals kurz vor dem Kollaps.

Nun bahnt sich erneut eine ernsthafte Krise an. Die Geldgeber-Schlinge um den Hellas-Hals zieht sich zu. Griechenland müsse endlich die geforderten Reformen umsetzen, sonst gibt es keine neuen Milliarden, so die Forderungen. Die Griechen verweisen darauf, dass man dem Volk keine weiteren Belastungen mehr zumuten könne.

Regierungschef Alexis Tsipras warnte heute, das Scheitern seines Landes wäre auch "der Anfang vom Ende der Eurozone" insgesamt. Diese Warnung sollten sich die Verhandlungspartner schnell zu Herzen nehmen. Sie ist nicht als Erpressung zu verstehen, sondern als Prophezeiung. Um die Bewilligung neuer Milliardenhilfen für Athen wird man nicht herumkommen.

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