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"Eine Ära geht zu Ende": Frankreich nicht mehr deutscher Exportkunde Nummer eins


"Eine Ära geht zu Ende"  

Frankreich nicht mehr deutscher Exportkunde Nummer eins

26.08.2015, 21:03 Uhr | rtr, t-online.de

"Eine Ära geht zu Ende": Frankreich nicht mehr deutscher Exportkunde Nummer eins. Beim Autoterminal der BLG Logistics Group in Bremerhaven werden Neufahrzeuge in die USA verschifft. (Quelle: dpa)

Beim Autoterminal der BLG Logistics Group in Bremerhaven werden Neufahrzeuge in die USA verschifft. (Quelle: dpa)

Die Zeiten, in denen Frankreich der größte Abnehmer deutscher Exportprodukte war, sind wohl endgültig vorbei. Nach mehr als einem halben Jahrhundert haben die USA unsere westlichen Nachbarn als größten Importeur von Produkten Made in Germany abgelöst.

Grund für den Wechsel beim größten Absatzmarkt ist das rasante Wachstum in den USA. Zusätzlich beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft in der ersten Hälfte dieses Jahres um fast 24 Prozent auf knapp 56 Milliarden Euro an, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Dagegen wuchsen die Geschäfte mit Frankreich um lediglich vier Prozent auf 53,5 Milliarden Euro.

"Aufstieg der USA keine Eintagsfliege"

"Eine Ära geht damit zu Ende", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Seit 1961 war Frankreich ununterbrochen der wichtigste Kunde der hiesigen Exporteure. Nach einer Prognose des DIHK wird sich dies auch dauerhaft ändern. "Der Aufstieg der USA an die Spitze ist keine Eintagsfliege", so Treier. "Die werden sich vorerst oben festsetzen. Das ist auch ein Beleg unserer Exportstärke, wenn ein geografisch so weit entfernter Markt zur Nummer eins aufsteigt."

Komme es zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, werde das der Nachfrage nach deutschen Waren in Amerika einen weiteren Schub verleihen. Bereits jetzt nimmt die deutsche Wirtschaft fast jeden zehnten im Ausland verdienten Euro in den USA ein.

US-Wachstum beflügelt deutsche Exporte

So können sich die deutschen Unternehmen wohl auch weiterhin auf die USA als Großabnehmer verlassen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in den Staaten um 2,5 Prozent und für 2016 mit drei Prozent. Für Frankreich wird dagegen nur ein jeweils halb so hohes Tempo prognostiziert. "Wir sehen zudem eine Re-Industrialisierung in den USA: Dort werden wegen der niedrigen Energiekosten viele neue Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen", erklärte Treier. "Dafür werden Maschinen und Ausrüstungen aus deutscher Produktion benötigt."

Die Entwicklung des Euro, der binnen eines Jahres rund 13 Prozent zum Dollar abgewertet hat, wirkt ihrerseits wie eine Stütze deutscher Exporte in die USA. "Das kurbelt den Absatz zusätzlich an", ergänzt Treier. "Die Amerikaner sind relativ preissensible Käufer, auch wenn es um Luxusprodukte wie deutsche Autos geht." Der schwächere Euro macht deutsche Waren in Übersee billiger. Davon profitieren nicht zuletzt die Autobauer. Sie feierten den besten Start in die zweite Jahreshälfte seit zehn Jahren: Im Juli zog der US-Absatz um gut fünf Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge an.

China-Exporte geben nach

Angesichts der sich verschärfenden China-Flaute kommt der US-Boom deutschen Unternehmen umso gelegener. Ihre Exporte in die Volksrepublik legten im ersten Halbjahr 2015 gerade einmal um 0,8 Prozent zu - und damit genauso langsam wie in das krisengeplagte Griechenland.

Dennoch ist kein anderes EU-Mitglied so abhängig vom China-Geschäft wie Deutschland. Wie aus den IWF-Daten hervorgeht, landeten im ersten Quartal dieses Jahres 5,4 Prozent der Ausfuhren im Reich der Mitte. In Frankreich waren es nur 3,2 Prozent, in Großbritannien sogar nur 3,1 Prozent. Insgesamt setzten die deutschen Unternehmen im ersten Halbjahr Waren im Wert von 36 Milliarden Euro in China ab.

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